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„Mensch, bald wieder...“

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Von: Andrea Gräpel

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Stefanie Pietsch (vl.) Birge Frommann, Gregor Netzer und Elke Jordan im Co-Working-Café Konturwerk an der Bahnhofstraße.
Mit Kunst die Vorfreude auf die Zeit nach der Pandemie wecken wollen Stefanie Pietsch (vl.) Birge Frommann, Gregor Netzer und Elke Jordan im Co-Working-Café Konturwerk an der Bahnhofstraße. © Andrea Jaksch

Es ist gerade einmal ein Jahr her, dass Birge Frommann ihr Café und Co-Working-Space Konturwerk an der Bahnhofstraße in Herrsching eröffnete. Viel gehabt hat sie davon bislang nicht. Mit Beginn des zweiten Lockdowns hatte sie noch die Hoffnung, dass ein To-go-Geschäft funktioniert. Nach zwei Wochen hat sie auch das aufgegeben. So blieben nicht nur die Schaufenster leer, sondern auch die Lichter aus.

Herrsching - Das soll sich nun ändern, zumindest die Schaufenster sollen zum Kunstraum werden – nicht nur im Konturwerk, sondern auch in anderen Geschäften.

Die Idee dazu, Schaufenster für Kunst zur Verfügung zu stellen, gab es schon in Dießen. Birgit Frommann kam sie an einem einsamen Arbeitstag in ihrem Co-Working-Space. „Das Wetter war grau und die Stimmung der Menschen, die am Café vorbeiliefen, wirkte genauso trüb“, sagt sie. Und ihre Schaufenster, in denen eigentlich Tische und Stühle stehen, die den Café-Gästen Platz bieten, erschienen ihr ebenso traurig und leer. Die 53-Jährige fand: „Das Fenster schreit nach Leben.“ Sie erinnerte sich an ein Gespräch mit Stefanie Pietsch. Die Grafikerin und Künstlerin hatte Birge Frommann kurz nach der Eröffnung im Januar vergangenen Jahres angesprochen und vorgeschlagen, die Räume und Fenster mit Kunst zu füllen.

Innerhalb kurzer Zeit ist eine ganze Aktion daraus gewachsen, an der sich auch andere Geschäftsleute in Herrsching beteiligen – an der Bahnhofstraße und auch an der Madeleine-Ruoff-Straße, dort die Kaffeerösterei am Ammersee. „Das ist die Verlängerung der Achse zum See“, sagt Birge Frommann und muss lachen. Aber Stephanie Leonhardt und die Café-Betreiberin kennen sich gut. Und die Kaffeerösterin ist ebenso kunstaffin wie die gelernte Grafikerin und Web-Designerin. Dabei ist darüber hinaus die Bücherinsel, das Institut für Form und Farbe, Goldschmiedin Erika Becker-Althammer sowie das Café Blabla (Hausnummer 23). „Und es können gerne mehr werden“, sagt Birge Frommann.

„Wenn die Bilder erst mal hängen, verstehen die anderen vielleicht, was ich meine, und sie machen mit. Das wäre schön.“ Genannt haben sie und Stefanie Pietsch die Schaufensterausstellung „Mensch, bald wieder!“. Denn darum gehe es, um die Vorfreude darauf, bald wieder Freunde zu treffen, im Café zu sitzen oder Kunst zu erleben. Die Bilder von Stefanie Pietsch zum Beispiel laden zum Tagträumen ein, wecken Erinnerungen und sollen Hoffnung geben auf unbeschwertere Zeiten. Die Themenwahl steht den Künstler aber frei.

Selbst momentan zum „Homeoffice“ im eigenen Co-Working-Space verdonnert, in dem sie nur manchmal Gesellschaft von ihrem Mann Thomas hat, wusste Birge Frommann zunächst nicht wirklich, wie sie ihre Idee vermitteln sollte. „Man verlernt in dieser Zeit ja fast, auf Menschen zuzugehen“, erklärt sie. Im vergangenen Jahr hatte sie das Café gerade mal rund sechs Monate geöffnet. Nachdem sie aber sehr bald begeisterte Mitstreiter finden konnte, fiel es leichter. Der Gewerbeverein WIR ist bereits aufgesprungen und hat die Aktion in den sozialen Medien bekannt gegeben. Im Rathaus wollte Birge Frommann auch nachfragen, ob Interesse besteht, sah dann aber, dass im Sitzungssaal ohnehin bereits eine Ausstellung zu sehen ist – aktuell mit Werken von Dr. Burkhard Ziegler.

Ab dem heutigen Montag sind nun in den Schaufenstern von Birge Frommann Bilder und Zeichnungen von Stefanie Pietsch, Elke Jordan und Gregor Netzer zu sehen. Am Wochenende wurde gehängt. Ebenso bei den Geschäftsleuten, die sich bereits angeschlossen haben. „Zieht euch warm an und spaziert mal vorbei“, lädt Stefanie Pietsch ein.

Außer den drei Künstlern, die die Schaufenster von Birge Frommann gestaltet haben, beteiligen sich Roland Althammer, Moni Roll, Gesine Dorschner oder auch Susanne Hauenstein aus Andechs an der Aktion. „Ich fände es schön, wenn ein bisschen Farbe und Kunst in die Fenster kommt, auch wenn momentan bei vielen die Nerven blank liegen“, sagt Birgit Frommann. Sie hofft auf weitere Mitstreiter, die sich bei ihr telefonisch im Konturwerk melden können, denn immer ist sie dort auch nicht anzutreffen. Zu erreichen ist sie unter z (0 81 52) 9 17 22 23 oder über die Internetseite konturwerk.com.

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