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Gelebte Inklusion: Sozialministerin Kerstin Schreyer (Mitte im schwarzen Hosenanzug) war beeindruckt vom Schullandheim in Wartaweil.

Hoher Besuch

Ministerin Schreyer im Schullandheim Wartaweil: „Sie müssen wirklich etwas leisten“

Sozialministerin Kerstin Schreyer besuchte das Schullandheim Wartaweil. Sie war begeistert und wird auf jeden Fall wieder kommen. 

Wartaweil – „Toll! Sie machen hier eine richtig schöne Arbeit“, zeigte sich Kerstin Schreyer nach einem Rundgang am Montagabend durch Wartaweils Schullandheim begeistert von der gelebten Inklusion in der Bildungs- und Begegnungsstätte am Ammersee. Die bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales besuchte zudem das dreitägige Seminar „Mehrwertdemokratie“, in dem syrischen, afghanischen und pakistanischen Jugendlichen die Bedeutung der Demokratie nähergebracht wurde – in Form von Poetry Slam oder einem Vortrag über den demokratiegefährdenden Extremismus von rechts, links oder salafistischer Seite sowie einer Ideenwerkstatt.

Untergebracht waren die neun jungen Männer und Frauen in einem Trakt mit barrierefreien Schlafzimmern. Die CSU-Ministerin bekam einen momentan nicht belegten Trakt zu sehen und war von der durchdachten, barrierefreien und inklusiven Architektur schwer beeindruckt: verstellbare Betten oder Badewannen, Badezimmer mit Platz für Rollstühle und überall Haltegriffe. Das wiederum bestärkte Rainer Salz, der im Vorfeld betonte, dass Inklusion für die Sozialministerin ein Thema sei. Salz ist Geschäftsführer des Dachverbandes des Schullandheimes „Landesverband Bayern für körper- und mehrfachbehinderte Menschen“ (lvkm). Schüler konventioneller Bildungseinrichtungen und Förderschüler werden in Wartaweil auch an Bildungsangebote wie Gesundheit, Umwelterziehung, soziale Kompetenz oder Schwimmwochen herangeführt. lvkm-Vorsitzende Konstanze Riedmüller ist selbst Mutter eines Sohnes mit einer Mehrfachbehinderung und schwärmte geradezu für die Angebote in der Einrichtung.

Lesen Sie auch: Nach vier Jahren: Seezugang für Schullandheim Wartaweil

In dem Entspannungsraum für Pfleger oder Angehörige, den die Ministerin bewunderte, wäre sie am liebsten gleich eine Weile in dem weißen Doppelbett versunken. „Sie müssen wirklich etwas leisten“, sagte Schreyer in Richtung Riedmüller und Beate Bettenhausen, Vorstandsmitglied vom lvkm und ebenfalls Mutter eines Sohnes mit einer Behinderung. Auf dem 2,7 Hektar großen Gelände mit Seezugang lebten Schüler aller Altersklassen fast Tür an Tür mit Förderkindern und lernten den ungezwungenen Umgang miteinander, berichtete Bettina Simmerl, Geschäftsleiterin des Schullandheimes. Ein Wert, den sie im Rahmen der Eröffnung der Special Olympics erlebt habe, so Schreyer. Dabei habe sie erneut das ehrliche Wesen der Sportler mit einer geistigen Behinderung schätzen gelernt. Im Speisesaal endete die Reise durch das Schullandheim. Den Ammersee bekam Schreyer nicht zu sehen – dafür war es bei ihrer Ankunft schon zu dunkel. Als kleine Entschädigung überreichte ihr Salz einen Ordner mit Fotos des Hauses inklusive Seeblick. Sozusagen zum Schwelgen.

Sie komme auf jeden Fall wieder, versprach die Ministerin. Auch dem 50. Geburtstag des Vereins Helfende Hände werde sie nach Möglichkeit beiwohnen. Die Einladung überreichte ihr Sebastian, der vom Verein betreut wird und die Runde im Rollstuhl miterlebte.

MICHÈLE KIRNER

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