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Mit Tablet und Handy auf Suche nach Leck

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Von: Andrea Gräpel

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Nach zehn Stunden war der Spuk an der Rieder Straße vorbei: Mit dem Bagger konnte das unterspülte Loch weiter ausgegraben werden, sodass die Arbeiter an die Schadstelle gelangen konnten. Diese wurde ausgeschnitten und durch ein neues Leitungsstück ersetzt.
Nach zehn Stunden war der Spuk an der Rieder Straße vorbei: Mit dem Bagger konnte das unterspülte Loch weiter ausgegraben werden, sodass die Arbeiter an die Schadstelle gelangen konnten. Diese wurde ausgeschnitten und durch ein neues Leitungsstück ersetzt. © Dagmar Rutt

Rohrbrüche geschehen im Bereich der Wasserversorgung Vierseenland im Schnitt einmal die Woche. Es sind meist kleine, schnell zu behebende Ereignisse. Der Rohrbruch in Herrsching dagegen blieb nicht verborgen. 4000 Haushalte waren betroffen (wir berichteten). Statt einen sonnigen Valentins-Sonntag genießen zu können, waren 13 von knapp 50 Mitarbeitern der Ammersee Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) deshalb im Einsatz – „plus Unterstützer“, sagt Maximilian Bleimaier.

Herrsching - Der AWA-Vorstand selbst und auch der stellvertretende Technische Leiter der Wasserversorgung, Robert Enthaler, waren mittendrin bei der Suche. Mehr als zehn Stunden kam es zu Einschränkungen in der Trinkwasserversorgung. Dass es bei einem Vorfall dieser Schadensgröße nicht länger gedauert hat, sei einer „tollen Zuarbeit“ aller Sparten zu verdanken – von AWA, Feuerwehr, Gemeinde, Bundesbahn, Baufirma und Polizei, sagt Bleimaier.

Dem Kommunalunternehmen Wasserversorgung gehören sechs Gemeinden an. Das Leitungsnetz ist 550 Kilometer lang, davon entfallen 30 Kilometer allein auf Herrsching. Die Rohre sind zum Teil sehr alt und von unterschiedlicher Qualität. Pro Jahr wird deshalb ein Prozent der Leitungen im Versorgungsgebiet erneuert. Auch die Leitung, in der es am Sonntag zu einem Schalenbruch kam, ist um die 50 Jahre alt. Bei der Suche nach Lecks und Schiebern ist den Mitarbeitern der AWA das Geo-Informations-System behilflich, in dem alle Leitungen verzeichnet sind. Die wichtigsten Werkzeuge der Wasserwerker waren am Sonntag deshalb Tablet und Handy.

„Wahrscheinlich war es Materialermüdung“, sagte Bleimaier gestern. „An der Muffe ist zu erkennen, dass das Wasser ziemlich lang angeschlagen haben muss.“ Leck geschlagen ist das Rohr wohl irgendwann am frühen Sonntagmorgen. Schon gegen 7 Uhr war der Hochbehälter fast leer. Knapp zwei Millionen Liter Wasser traten aus der Leitung zwischen Bahngleisen und Gewerbegebiet aus. Da das Rohr rund 1,50 Meter tief im Boden liegt, sei bereits vieles dort versickert, bevor es an die Oberfläche trat, erklärt Enthaler. Und bis die richtigen Schieber den Fluss abriegelten, stand der Fuß- und Radweg auf einer Länge von 100 Metern unter Wasser. Dort, wo das Leck war, wurde ein rund drei Quadratmeter großes Loch ausgespült, das sich unter den Weg bohrte und glücklicherweise nicht unter die Bahngleise, wie zunächst befürchtet.

Schon ab 8 Uhr stand das Bereitschaftstelefon nicht mehr still. Wenigstens 250 Anrufe gingen ein, schätzt Bleimaier. Nicht nur vom Krankenhaus, das ohnehin Priorität bei der Sicherstellung der Versorgung hat, sondern auch von gastronomischen Betrieben, die Vorbestellungen zum Valentinstag zubereiten wollten. Gegen 10.30 Uhr konnte die Versorgung der Schindlbeck-Klinik sichergestellt werden, während die Bürger weiter über Internet und Radio aufgefordert wurden, keine großen Mengen Wasser zu nutzen, wenn es ihnen möglich war. Denn der Hochbehälter füllte sich nur langsam. Mittags hatte der Pegel erst 0,2 von 4,5 Meter erreicht.

Nachdem die Schadstelle ausgeschnitten und durch ein neues Rohrstück ersetzt werden konnte, war die Versorgung Herrschings gegen 18.30 Uhr wieder komplett gewährleistet auch wenn es hier und da, vor allem in den höher gelegenen Ortsbereichen, noch zu Druckschwankungen kommen konnte. Wassermeister Martin Geiger, der morgens als Erster vor Ort war, behielt die Wasserkammern im Hochbehälter noch bis in den späten Abend im Blick.

Bleimaier schätzt den Schaden für Baustelle und Einsatz am Sonntag auf 20 000 Euro zuzüglich Arbeitskosten seiner Mitarbeiter. Die Freude über das gelungene Zusammenspiel in diesem Notfall macht die hohe Summe aber wohl ein bisschen wett.

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