Taucher im Ammersee
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Der Motor blieb verschwunden, dafür gibt es schöne Bilder vom Taucher.

Wasserwacht im Einsatz

Motor gesucht, Erkenntnisse gefunden

  • vonAndrea Gräpel
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Auch die fortgesetzte Suche nach einem kleinen Segelboot-Hilfsmotor in der Herrschinger Bucht blieb am Sonntag erfolglos. Für die Einsatzkräfte der Wasserwachten aus drei Landkreisen war sie dennoch erkenntnisreich und wichtig.

Herrsching – Den Wert des 10-PS-Motors hat die Suchaktion der Wasserwachten bei Weitem leicht überstiegen. Aber es war eine Erfahrung mehr, die die Helfer der Ortsgruppen rund um den Ammersee sowie der BRK-Kreiswasserwachten Landsberg, Starnberg und Weilheim mit ihrer technischen Ausrüstung machen konnten, denn im Ernstfall sind Sonar und auch Drohnen eine große Hilfe. Und da die Kreiswasserwacht Starnberg die Anschaffung eines Sonargerätes erwägt, war Andreas Fischer als Technischer Leiter deshalb zufrieden. Selbst wenn die Suche auch beim zweiten Mal ergebnislos blieb, war sie für ihn zumindest sehr erkenntnisreich.

Wie berichtet, hatte ein Segler vor mehr als zwei Wochen nicht weit entfernt vom Ufer, am Rande des Bojenfeldes in der nördlichen Herrschinger Bucht, seinen Hilfsmotor verloren. Der Segler war auf dem Weg nach Dießen, um sein Boot dort in einer Werft einzuwintern. Da sich der 10-PS-Motor ziemlich schnell verabschiedet hatte, hatte der Eigner die knapp acht Kilometer lange Strecke paddelnd zurückgelegt. Danach informierte er die Wasserwacht, denn in dem Hilfsmotor befinden sich Öl und auch Benzin.

Eine Aufgabe der Wasserwachten ist es, Umweltverschmutzungen vorzubeugen und zu beseitigen. Auch wenn von diesem kleinen Motor wohl keine allzu große Gefahr ausgehen dürfte, wenn er vom Grund des Sees tröpfchenweise Treibstoff diffundiert. Eine Verschmutzung ist es gleichwohl. „Der Segler war so anständig, es uns mitzuteilen“, sagt Fischer lobend. Zumal er die Suchaktion, zumindest den ersten Anlauf am Samstag vor einer Woche, selbst bezahlen musste. Schon dieser habe möglicherweise den Wert des Motors überstiegen, der bei einer Neuanschaffung um die 1000 Euro kosten dürfte. „Jetzt weiß man nicht, wie alt der Motor war.“, sagt Fischer. Für die erste Bergungsaktion mit vier Tauchern jedenfalls musste der Segler eine Pauschale entrichten. „Alles darüber hinaus ist unserem Ehrgeiz geschuldet und ist eine gute Übung.“

Das „darüber hinaus“ passierte am Sonntag. Mitglieder der Wasserwachten Utting, Dießen, Eching, Weilheim, Pilsensee, Buch und Herrsching trafen sich an der Station der Ortsgruppe Herrsching am Seespitz, von der aus Fischer den Einsatz mit drei Booten aus Herrsching und Utting koordinierte. An Bord jeweils ein Team – eines zuständig fürs Sonargerät, eines für die Unterwasserdrohne – und die Taucher.

Dass der Bootseigner ziemlich genau zu wissen meinte, wo er den Motor verloren hatte, hatte sich schon vor einer Woche als unzutreffend herausgestellt. Am Sonntag fuhren die neun Wasserwachtler die GPS-Koordinaten erneut an – Reiner Socher und Christian Feigl von der Kreisgruppe Weilheim mit deren Sonargerät voran. Auf sogenanntem Streifenkurs, auf dem das Boot die genannte Markierung im großen Umgriff abfährt, suchten sie den Seegrund nach Gegenständen ab und markierten die Stellen dort mit kleinen Bojen, wo sie Auffälligkeiten ausmachten. Im Anschluss hätte das Drohnenteam mit Michael und Matthias Kaiser aus Utting und Eching sowie Florian Schwenk aus Dießen das neue Gerät der Kreiswasserwacht Landsberg hinterherschicken sollen. Zunächst gab es aber ein technisches Problem, sodass Fischer entschied, sogleich einen der beiden Taucher, Urs Schmid von der Ortsgruppe Pilsensee, ins Wasser zu schicken.

Die Landsberger haben rund 3300 Euro Erspartes in die Anschaffung der Unterwasserdrohne investiert. Es ist die erste, die für die Wasserwachten im Umkreis im Einsatz ist. Das Team dafür wird erst aufgebaut. Erstmals genutzt wurde die Drohne bei der spektakulären Bergung des Zweimasters „Sir Sheckleton“ vor Dießen im Sommer. Mit dem Joystick über eine Kabeltrommel verbunden, kann die Kamera den Grund des Sees absuchen. „Wer Playstation spielt, tut sich definitiv leichter“, sagt Schwenk. Das Sichtfenster der Kamera ist im Vergleich zum Ortungsfenster des Sonargeräts allerdings kleiner. Während das Sonargerät im 45-Grad-Winkel den Boden abtastet und bei einer Tiefe von zum Beispiel sieben Metern den Grund auf 14 Meter Breite absuchen kann, zeigt die Drohne einen Bereich von nur etwa vier Metern.

Die Reihenfolge der Einsätze ist insofern logisch: erst Sonar, dann Drohne, dann Taucher. Bei einem technischen Problem an der Drohne wie in diesem Fall kommt der Taucher halt schneller zum Einsatz. Schmid ist über eine „Telefonleine“ mit Einsatzleiter Fischer per Funk verbunden. In der Vollmaske des Tauchers gibt es eine Sprecheinrichtung. Und oben an Bord ist immer ein zweiter Taucher, der für den Notfall bereitsteht. In diesem Fall Christian Feigl.

Als Urs Schmid an der ersten markierten Boje abtauchte und in sechs Meter Tiefe den Grund erreichte, konnte er Fischer deshalb in Echtzeit mitteilen, dass er „erfolgreich einen fetten Ast“ gefunden habe. Ein Sonar kann ja nur erkennen, dass da etwas ist, aber nicht, was es ist. Darum waren es in der Folge auch nur Christbäume und weitere Hölzer, aber kein Hilfsmotor weit und breit. Auch die Drohne, die später doch noch zum Einsatz kam, konnte im unaufgewühlten See bei bester Sicht nur schöne Aufnahmen von Taucher Schmid machen.

Für Fischer hat sich der Einsatz dennoch gelohnt. Er wechselte zwischendrin das Boot, um sich das Sonar der Weilheimer noch mal anzuschauen. Geräte wie dieses kosten etwa 5000 Euro. Die Weilheimer hatten es heuer dreimal im Einsatz. Bei der Suche unter Wasser wollen sie die Technik nicht mehr missen. Überzeugt ist davon auch Andreas Fischer, der sich als technischer Leiter der Kreiswasserwacht Starnberg für die Anschaffung eines eigenen Sonargerätes stark machen will. Und irgendwann vielleicht auch für eine Unterwasserdrohne.

Technische Ausstattung

Für die technischen Ausstattungen sind die BRK-Wasserwachten an den Seen im Fünfseenland dankbar für jede Spende. Wie diese Übung zeigte, arbeiten Kreis- und Ortsgruppen im Ernstfall perfekt zusammen und ergänzen sich. Einzelheiten gibt es im Internet auf brk-starnberg.de/wasserwacht oder www.kww-landsberg.wasserwacht.de.

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