+
Wall gegen Wildparker: Seit Kurzen verhindern Aufschüttungen an der Staatsstraße nach Breitbrunn, dass Surfe r dort ihre Autos abstellen. Hintergrund sind teils chaotische Szenen an Tagen mit gutem Wind. Die Surfer drängen auf eine andere Lösung. 

Erde statt Beschilderung

Nach Horror-Tag im Mai: Surfer sauer über Anti-Park-Wälle

Surfer sind sauer, Polizisten beunruhigt, und bei der Gemeinde klingeln die Telefone: Mit Erdwällen hat das Staatliche Bauamt auf Order des Landratsamts Parken an der Straße Herrsching-Breitbrunn unmöglich gemacht. Hintergrund ist die Furcht vor schweren Unfällen, Auslöser war ein Tag im Mai.

Herrsching– Zustände wie am 24. Mai hat Alexander Gebhardt, Sachbearbeiter Verkehr der Herrschinger Polizei, in 30 Jahren nicht erlebt. An jenem Sonntag herrschte ein außerordentlich guter Wind, was viele Surfer und Kite-Surfer an den Ammersee lockte. Irgendwo müssen die ja parken, also stellten viele, teils auswärtige Wassersportler ihre Fahrzeuge links und rechts der Straße Herrsching-Breitbrunn unweit des Ortsschildes ab. Ergebnis: Der Verkehr stockte, weil zwei Autos nicht mehr aneinander vorbeikamen, der Linienbus kam nicht mehr durch. „Die Staatsstraße war lahmgelegt“, sagt Gebhardt auf Basis der Berichte seiner Kollegen, die an diesem Tag versuchten, das Chaos zu bändigen. Der Polizei macht auch Sorgen, dass dort viele Fußgänger mit Surfbrettern herumlaufen. Nicht auszudenken, wenn dort ein Auto mit den erlaubten 100 Sachen heranrauscht oder ein Radfahrer – zu gefährlich, stellten die Beamten fest und schalteten das Landratsamt ein. Das handelte – und zog sich den Zorn der Surfer zu.

Parken auf Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften ist prinzipiell verboten. Daneben darf man stehen, wenn Platz ist. Im besagten Bereich fehlt der oft, weswegen Autos teils halb auf der Straße standen. Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hat von „gefährlichen Situationen“ gehört, die Sache falle aber nicht in Zuständigkeit der Gemeinde.

Teils wildes Parken im Landschaftsschutzgebiet

Eine Beschilderung wäre möglich, die Wirkung zweifelhaft. Bei einer Besprechung mit beteiligten Behörden wurden Maßnahmen gegen die wilden Parker erörtert, das Ergebnis waren die Wälle. Das Staatliche Bauamt ließ sie links und rechts der Straße aufschütten, was Parken dort völlig unmöglich macht. Das Landratsamt war auch tätig geworden, weil dort teilweise wild im Landschaftsschutzgebiet geparkt worden sei, sagte Sprecherin Barbara Beck. Das gilt mehr für die Bereiche am See. Die Maßnahmen sind noch nicht abgeschlossen. Verkehrsregelungen an Staatsstraßen sind immer Sache des Landratsamtes als Untere Verkehrsbehörde.

Alexander Gebhardt betont, man wolle den Surfern ihren Sport nicht vermiesen, aber die Wildparkerei habe überhand genommen. Erschwerend kommt hinzu, dass es dort einen Weg bis an den See gibt, der zeitweise durch einen massiven Baumstamm blockiert war – den räumten Unbekannte quasi umgehend weg, um wieder bis ans Wasser fahren zu können. Schiller weiß von Internet-Foren, in denen der Ammersee an dieser Stelle angepriesen wird, auch dass man ans Wasser fahren könne, und in denen vor Polizeikontrollen gewarnt werde. Eine Rolle spielt sicher auch, dass viele Wassersportler wegen der Corona-Krise im Land blieben und bleiben und deswegen der Druck auf die Region gestiegen ist.

Feuerwehr kam an manchen Stellen nicht mehr durch

In den Foren werden die neuen Maßnahmen kritisiert. Dort ist auch die Rede davon, dass Anwohner sich beschwert hätten – es gibt dort aber keine. Aber woanders: An der Franz-Zell-Straße in Herrsching etwa hatte die Gemeinde ein Halteverbot erlassen, allerdings schon 2019. Die Straße war oft zugeparkt, Auslöser für das Verbot war aber, dass die Feuerwehr nicht mehr durchkam – die Straße ist Zufahrt zum nördlichen Teil der Seepromenade. Erst vor Kurzen habe man die Lage mit Anwohnern erörtert, sagt Schiller, die Feuerwehr habe mit Löschfahrzeugen das Problem demonstriert. Das hätten die Anwohner auch anerkannt.

Surfer melden sich zu Wort

Die Surfer führen ins Feld, dass es nur an 20 bis 30, vielleicht 40 Tagen im Jahr guten Wind gebe. Jürgen Flickinger, Surfer aus Germering, ist schon aktiv geworden, hat die Behörden angeschrieben und eine Petition an den Landtag abgeschickt. Er regt an, sich noch einmal über die Parkplatzsituation zu unterhalten. Die vorhandenen Parkflächen reichten nicht aus, in Wohngebieten wolle man auch nicht unbedingt parken. Die wenigen Parkplätze am Dampfersteg in Breitbrunn seien oft voll, ähnliches gilt für Stegen. Und Stellen, an denen die Surfer ans Wasser kommen, gebe es nicht so viele. Früher sei das nie ein großes Problem gewesen, „durch Corona hat sich das geändert“, sagt er. Zudem sei, meint er aus Sicht der regionalen Surfer, die Herrschinger Bucht inzwischen bundesweit bekannt. Ja, an manchen Tagen sei es eng gewesen, das Argument der Gefahr erkennt er an. Vielleicht, regt er an, könnte man die neuerdings aufgeschütteten Wälle einebnen und so einige Parkplatz neben der Straße schaffen – und das Tempo auf 60 reduzieren.

Wälle sorgen für Ruhe

Ein Dorn im Auge ist vielen auch, dass Wohnmobile und andere Fahrzeuge dort bis zum See fahren – und über Nacht bleiben. Das stört auch die Surfer, denn sie finden bisweilen Glasscherben am Strand, auf dem sie selbst barfuß unterwegs sind.

Wälle am Straßenrand sind selten, aber nicht unbedingt neu. Alexander Gebhardt erinnert sich an Parkchaos-Zeiten in Oberndorf am Wörthsee. Als dort Wälle aufgeschüttet wurden, war schnell Ruhe.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Sprayer toben sich an Erlinger Schule aus - „Da blutet einem das Herz“
Wände, Türen und sogar Metallboxen wurden an der Erlinger Schule von Sprayern verschmiert. Bürgermeister Georg Scheitz ist sauer und hofft auf die Bevölkerung.
Sprayer toben sich an Erlinger Schule aus - „Da blutet einem das Herz“
Lego-Boxen für den Boden - zum Schutz des Grundwassers
Die Arbeiten an der Lagerfläche für den Bau des B 2-Tunnels machen sichtbare Fortschritte, ein Teil ist bereits in Betrieb. Hintergrund für die aufwendigen Boxen und …
Lego-Boxen für den Boden - zum Schutz des Grundwassers
SARS-CoV-2: Ein neuer Fall am Mittwoch
Die Lage in der Corona-Pandemie im Landkreis Starnberg bleibt unsicher. Am Mittwoch kam ein Fall dazu, ein Reiserückkehrer.
SARS-CoV-2: Ein neuer Fall am Mittwoch
Regen, Wärme, Sonnenschein: Ernte stimmt Bauern zufrieden
Nach zwei besonders trockenen Jahren könnte heuer die Ernte wieder etwas besser ausfallen. Das Getreide wird schon dieser Tage eingeholt, auch beim Blick auf Mais und …
Regen, Wärme, Sonnenschein: Ernte stimmt Bauern zufrieden

Kommentare