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Surflehrer Lutz Schilling hat die Station in Herrsching nach dem Tod von André Weidner erstmal allein am Laufen gehalten.

Surfschule Herrsching

Neffe will in Onkels Schlaufen treten

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Nach dem plötzlichen Tod von Surfschule-Betreiber André Weidner, muss die Gemeinde Herrsching über die Nachfolge entscheiden. Einen Bewerber gibt es schon.

Herrsching – Die Wassersport-Spots am Kreuz und am nördlichen Ende der Herrschinger Uferpromenade sind bei Surfern wie Kitesurfern seit Jahrzehnten beliebt. Eine Surfschule gab es aber in der Ammerseegemeinde nicht. Bis André Weidner vor vier Jahren kam. Seit 14 Jahren hatte er bis dahin bereits eine Surf- und Segelstation in Chieming am Chiemsee betrieben und bot sich nun an, auch in Herrsching einzusteigen. Die Gemeinde fand ein Grundstück und Weidner stellte seine Materialhütte drauf. Seitdem gibt es an der Keramikstraße gleich neben dem BRK-Heim eine Surfschule. Im Juli dann die traurige Nachricht: Der erst 49-jährige Surfstation-Betreiber verstarb unerwartet. Sein Neffe David Mayer (25) übernahm kurzfristig das Ruder – sowohl am Chiemsee als auch am Ammersee. Bis zum Saisonende am kommenden Wochenende hält er den Laden am Laufen – und würde das auch gerne weiterhin tun.

„Der Tod meines Onkels im Juli kam für uns alle überraschend. Damit hatte keiner gerechnet“, erzählt David Mayer. Also hat er überlegt, wie es weitergehen kann, ob es ihm überhaupt taugt, die Geschäfte zu übernehmen. Der junge Chieminger ist selbstständig als Investment-Unternehmer und Web-Designer. Alles im Home-Office. „Darum bin ich flexibel. Das lässt sich machen.“ Trotzdem musste er erstmal in den Gemeinden nachhaken, ob eine Pachtverlängerung auf seinem Namen überhaupt möglich ist. In Chieming war schnell klar – ja. In Herrsching muss erst der Gemeinderat darüber entscheiden. Üblicherweise erfolgt dies in nichtöffentlicher Sitzung. Aber Bürgermeister Christian Schiller rechnet dem jungen Geschäftsmann gute Chancen ein.

Zwei Möglichkeiten gäbe es. Entweder die Pacht wird auf den 25-jährigen Neffen des Vorpächters übertragen oder sie wird komplett neu ausgeschrieben. „Wir haben bereits ein Gespräch mit Mayer geführt“, so Schiller. Die Pläne klangen in den Ohren des Bürgermeisters vernünftig, darum werde die Verwaltung vorschlagen, die Pacht auf David Mayer zu überschreiben, sagt er. Alles andere sei aufwändig, „und was passiert mit der Hütte? Würde der neue Pächter eine neue bauen wollen, würde die Gemeinde das wollen?“, fragt sich Schiller.

David Mayer würde die Hütte freilich lassen wie sie ist. Er würde seinen Firmensitz aber gern vom Chiemsee an den Ammersee verlegen. „Das Potenzial ist hier, glaube ich, durch die Nähe zu München viel größer“, sagt er und spricht gleichzeitig vom Geschäft in seiner bestehenden Firma. Der Jungunternehmer will die Surfstationen zusammen mit seiner 24-jährigen Freundin Julia Egger weiterführen. In diesem Winter haben sie vor, alle erforderlichen Lizenzen nachzuholen – sowohl als VDWS-Lehrer als auch VDWS-Stationsleiter. Der VDWS ist der größte Verband Deutscher Wassersport-Schulen. Die Mitarbeiter seines Onkels, wie zum Beispiel Windsurflehrer Lutz Schilling aus Herrsching, so hofft er, werden ihn auch weiter unterstützen. Das Geschäft mit den Boards jedenfalls boomt. Vor allem die Stand-Up-Paddel(SUP)-Boards finden reißenden Absatz beziehungsweise sind immer vermietet.

Weiterführende Pläne hat das Paar auch schon geschmiedet. Sie wollen SUP-Events anbieten, SUP-Yoga-Kurse, Sundowner-Paddling und solche Sachen. „20 bis 30 neue Angebote haben wir im Kopf“, sagt David Mayer. Und als erste Station im Fünfseenland würde David Mayer auch gern Kite-Material vermieten. „Das wurde in diesem Jahr ganz häufig nachgefragt.“ Er selber will so einen Kite auch noch in diesem Winter beherrschen lernen – in Marokko.

Nun liegt es am Gemeinderat. Bürgermeister Schiller hat der junge Stationsleiter schon auf seiner Seite, nicht erst seitdem dieser vor einigen Wochen zusammen mit seiner Frau, seinen Söhnen und Freunden an der Keramikstraße erstmals ein XXL-SUP-Board für bis zu acht Personen ausgeliehen und „Riesenspaß“ damit hatte.

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