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Die ersten zwei Wochen standen gemietete Möbel im umgebauten Lokal, seit Freitag ist das neue Mobiliar da. Silke und Tom Zgank fühlen sich schon jetzt wie zu Hause am Ammersee. 

Gastronomie

Almauftrieb im alten Sportlerstüberl

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Die neuen Wirte im alten Sportlerstüberl in Herrsching  bringen viel neuen Schwung an die Seepromenade und machen aus derm Stüberl eine Alm.

Herrsching – Die Wörthsee Alm in Schlagenhofen hat seit diesem Monat eine Schwester am Ammersee. Das ehemalige TSV-Sportlerstüberl ist auf diese Weise zur Alm geworden, zur Ammersee Alm – ohne Alm natürlich, dafür mit See. Tom Zgank hat mit der Übernahme des Lokals direkt am Ammerseeufer seiner Frau Silke (53) einen Geburtstagswunsch erfüllt. Seit zwei Jahren betreibt das Ehepaar die Wörthsee Alm und ist „super, super, super zufrieden“. Aber die Wörthsee Alm lebt vom Wochenendgeschäft, das war dem 54-Jährigen zu wenig, seiner Frau auch.

Tom und Silke Zgank sind gemeinsam vor 20 Jahren aus völlig artfremden Berufen in die Gastronomie gewechselt. Er ist gelernter Fliesenleger und hatte ein eigenes Baustellengeschäft in Augsburg mit bis zu 50 Angestellten, sagt er. Sie war Managerin. Und gemeinsam wollten sie etwas Neues machen. Die Gelegenheit dazu fiel dem fröhlichen Fliesenleger bei einer Tour mit seinem Freund Rainer Lenk geradezu in den Schoß. Der Freund vertreibt Tiroler Spezialitäten und nahm ihn einfach mal mit – „hinterher gab’s Kässpatzen“. An dem Tag wurde sein Hobby zum Beruf, sagt Zgank. Er verkaufte seine Firma, seine Frau kündigte den Job, und zusammen eröffneten sie den Käse- und Weinstadl in Neusäß. Zwölf Jahre führten sie den kleinen Laden erfolgreich.

Schon damals war es seine Frau, deren Wunsch er folgte, als er die Wörthsee Alm entdeckte – im Internet. „Sie wollte eine Alm.“ Also wurde gesucht. Und zufällig war die Wirtschaft in Schlagenhofen vakant. Erst, als sich Zgank auf den Weg machte, stellte er fest, dass er gar nicht bis zum Wörthersee fahren muss. Dort, so dachte er, befinde sich die Wörthsee Alm. Vom Wörthsee hatte der Augsburger vorher noch nie etwas gehört. Als das Ehepaar aber das erste Mal da war, stand schnell fest: „Hier bleiben wir.“ Tom Zgank formuliert es auf seine eigene romantische Weise: „Ich fühle mich hier wie auf dem Ponyhof.“ Sprich: Für ihn ist es wie Urlaub.

Die Wörthsee Alm ist allerdings ein Saisongeschäft und in der Regel auch nur an Wochenenden frequentiert. „Man kann davon leben“, sagt Zgank, „aber von Montag bis Freitag stirbt man einen langweiligen Tod.“ Dabei hatte schon sein Vater ihm mit auf den Weg gegeben, „alles unter neun Stunden ist keine Arbeit“. Tom Zgank lacht, wie so oft, als er das erzählt.

Also bewarben sich die Zganks für das TSV-Vereinsheim in Herrsching, als sie erfuhren, dass ein neuer Pächter gesucht wird – und sie erhielten den Zuschlag. Drei Monate haben sie umgebaut. „Fast alles selbst gemacht“, betont der Handwerker. „Mit meinen Jungs“, die ihm sonst in der Küche helfen. Insgesamt war das sanierungsbedürftige Stüberl im Winter vier Monate geschlossen. Seit Anfang März ist wieder geöffnet. Die Wörthsee Alm haben die Zganks zum Start am Ammersee für vier Wochen geschlossen. „Sie dient uns gerade als Vorbereitungsküche“, sagt der quirlige Hobby-Koch. Die neuen Möbel kamen erst am Freitag, die Sitzkissen am Montag. Nun fehlt nur noch der Kiosk, den die Zganks draußen neu errichten. 13 Sorten Eis will Zgank dort anbieten, natürlich selbst gemacht.

Über Langeweile werden das Ehepaar und sein zehnköpfiges Team dann nicht mehr klagen können. Schon am ersten sonnigen Wochenende gab es einen Ansturm auf ihre bayerisch-südtiroler Küche und auf die selbstgebackenen Kuchen. „Sie sind zwar nicht schön, ich bin ja kein Konditor, aber sie schmecken halt“ – und wieder muss er, der Autodidakt, lachen. „Es macht uns eben unglaublich Spaß. Mein Hobby ist mein Beruf.“ Und am liebsten würde er jeden einzelnen Gast gern mit Handschlag begrüßen.

88 Sitzplätze hat die Ammersee Alm innen, außen 156. Bei schönem Wetter brummt’s dann. Ab April ist auch die Wörthsee Alm wieder geöffnet. Und weil Urlaub für die Zganks ein Fremdwort zu sein scheint – „das letzte Mal vor neun Jahren“ – ist an sieben Tagen in der Woche geöffnet, montags bis freitags „von 11 Uhr bis Ende“, samstags und sonntags ab 9.30 Uhr mit Frühstück.

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