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Neues Gymnasium Herrsching: Jetzt soll es ganz schnell gehen

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So soll das Gymnasium ausschauen, wenn es – laut Bauzeitenplan – 2024 fertig ist.
So soll das Gymnasium ausschauen, wenn es – laut Bauzeitenplan – 2024 fertig ist. © SCHÜRMANN DETTINGER ARCHITEKTEN/APRIL STUDIOS

Bereits in wenigen Wochen sollen die Bauarbeiten für das Gymnasium Herrsching beginnen, der erste Gymnasiumsneubau seit Jahrzehnten im Landkreis Starnberg. Allerdings ist der Zeitplan noch etwas wackelig, und der Landkreis nimmt Risiken in Kauf, um nicht fast ein Jahr zu verlieren.

Herrsching/Starnberg – Das ist eine Nachricht, auf die viele Eltern lange gewartet haben: Anfang kommenden Jahres sollen die Bauarbeiten für das Gymnasium Herrsching beginnen. Arbeiten für die Schule, nicht an der Straße davor. Dafür ebnen die Kreisgremien gerade den Weg, am Montag waren der Bau- und Schulausschuss dran, am morgigen Donnerstag ist es der Kreisausschuss, am Montag nächster Woche der Kreistag. Ganz risikofrei ist das nicht, denn weder ist der nötige Bebauungsplan fertig noch liegt eine Baugenehmigung vor.

Kreiskämmerer Stefan Pilgram legte diese Woche einen Zwischenbericht über den Stand vor, Termine inklusive. Bis 6. Dezember, vielleicht vorher, will der Herrschinger Gemeinderat die Abwägung der Einwendungen gegen den Bebauungsplan vornehmen. Es ist die dritte Runde des Verfahrens, vieles ist schon geklärt. Danach sei absehbar, ob noch Änderungen nötig sind. Pilgram zufolge rechnet die Gemeinde Herrsching mit einer Planreife nach der Abwägung. Ist die Planreife gegeben, ist eine Baugenehmigung möglich. Die soll, so Pilgrams Plan, um den Jahreswechsel vorliegen.

Rodungen nur bis 28. Februar möglich

Die Unterlagen sind soweit fertig, die weiteren Planungen laufen auf Hochtouren. Das Ganze ist zeitlich so auf Kante genäht, dass es auch schiefgehen kann. Denn: Damit sofort nach Vorliegen der Baugenehmigung mit Vorarbeiten für die Baugrube begonnen werden kann, muss das Biotop auf der Ostseite des Grundstücks mit einer Wand gegen Austrocknen gesichert werden. Dafür sind Rodungen erforderlich, und die dürfen nur zwischen 1. Oktober und 28. Februar vorgenommen werden.

Der Kreis plant nun, diese Arbeiten vorab auszuschreiben und zu vergeben – normalerweise müsste er auf die Baugenehmigung warten, was zeitlich aber nicht aufgeht. Von der Förderstelle, der Regierung von Oberbayern, hat sich Pilgram das Prozedere bereits absegnen lassen. Ohne Vorziehen von Rodung und Vergabe des Spezialtiefbaus – die Baugrube für das Gymnasium wird übrigens zehn Meter tief – laufe der Kreis Gefahr, neun Monate zu verlieren, was das Projekt unter Umständen wegen Baukostensteigerungen um Millionen teurer machen und den bisher publizierten Zeitplan über den Haufen werfen würde. Das käme bei den Eltern wohl nicht gut an.

Problem: Was, wenn der Bebauungsplan sich verzögert und die Baugenehmigung später kommt? Dann läuft der Landkreis Gefahr, von den Firmen zur Kasse gebeten zu werden, die sich an den Ausschreibungen beteiligt oder gar schon einen Auftrag erhalten haben – Aufwand für die Ausschreibungsteilnahme, entgangener Gewinn und anderes. Ersteres würde Pilgrams Schätzung nach rund 15 000 Euro pro Anbieter ausmachen – das kann sich summieren. Wäre der Auftrag schon vergeben für die Rodung (geschätzt 73 000 Euro), müsste der Landkreis unter Umständen 4000 Euro Ausgleich zahlen.

Erdsondenfeld wird erweitert

Zumindest dem Bau- und dem Schulausschuss war es das Risiko wert, beide stimmten am Montag zu. Klappt alles, würde ab Mitte Januar gerodet und Anfang März mit der Baugrube begonnen. Pilgram stuft das Risiko als überschaubar ein, denn für die Baugenehmigung sind die meisten Dinge bereits geklärt. Sie setzt exakt auf dem Bebauungsplan auf, in dessen Verfahren fast alle Details geprüft wurden.

Neben diversen anstehenden Vergaben für weitere Planungsleistungen holte sich Pilgram auch die Zustimmung zu einer Umplanung des sogenannten Erdsondenfeldes. Im Prinzip ist das Geothermie, die Sonden reichen 100 Meter in den Boden und saugen warmes Wasser an die Oberfläche, was zur Energieversorgung verwendet wird. In den Ur-Planungen sind die Sonden – 66 an der Zahl – nur unter dem Sportplatz der Schule angeordnet. Pilgram und sein Team haben ein brandneues Förderprogramm gefunden, das angesichts der generell energiesparenden Bauweise des Gymnasiums etwa 6,7 Millionen Euro einbringen könnte – wenn man das Feld vergrößert. „Das macht für uns viel Sinn“, sagte der Kämmerer mit Blick auf den Baukostenrahmen von derzeit 87 Millionen Euro.

Die Erweiterung kann unter Sporthalle und Sportplatz sein, unter Sportanlagen und Schule oder unter allem inklusive Vorplatz. Die Verwaltung empfiehlt eine Lösung unter Sportanlagen und Gebäuden, nicht unter dem Vorplatz – der ist unterirdisch bereits voll. Mit der größeren Erdwärme-Version ließen sich 75 Prozent des Jahreswärmebedarfs der Schule decken (alte Planung: 65 Prozent). Auch das ist nicht ganz ohne Risiko, denn bei einem Defekt einer Sonde unter dem Schulgebäude ist diese verloren – man kann ja schlecht das Haus abreißen. Die Technik sei aber sehr zuverlässig. Auch dem stimmten die Ausschüsse zu.

Vierzügigkeit noch nicht genehmigt

Die vom Kreistag beschlossene, aber schulaufsichtlich nicht genehmigte Vierzügigkeit ist beantragt, ein Ergebnis gibt es noch nicht. Die Vierzügigkeit wird auch für Fördermittel eingesetzt, der bisherige Antrag mit drei Klassen pro Jahrgangsstufe wurde deswegen gestoppt. Lange hatte der Kreis ein Förderprogramm mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) angestrebt, was in einer ersten Stufe auch funktioniert hat und 120 000 Euro einbrachte. Mehr wird es nicht – die DBU lehnte eine weitere Förderung ab, weil sie schon viele Projekte am Laufen hat. Ursprünglich sollte bei dem Projekt ein Wissensgewinn erzielt werden, etwa bei der Holzbauweise. Die DBU rechnet nun aber mit „nur wenig neuen Forschungserkenntnissen beim Neubau Gymnasium Herrsching“.

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