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Der Blick aus Richtung Panoramastraße zeigt: Das Herrschinger Gymnasium wird teilweise in den Hang gebaut. 

Planungsteam im Kreistag

Neues Gymnasium in Herrsching kostet 78 Millionen – oder sogar mehr

Das Gymnasium Herrsching wird fast 80 Millionen Euro kosten – oder sogar mehr. Das Planungsteam stellte dem Kreistag gestern drei Entwürfe vor, unter denen in den kommenden Wochen eine Vorzugsvariante ausgewählt werden soll. Die Kosten schrecken die Mehrheit des Kreistages nicht.

Landkreis/Herrsching– Bei den Baukosten für das Gymnasium Herrsching wurde einigen Kreisräten unübersehbar mulmig. Kreiskämmerer Stefan Pilgram nannte 78 bis fast 80 Millionen Euro ausdrücklich als Schätzung, je nach Variante. 10 bis 13 Millionen sollen Fördermittel sein, 6,8 Millionen beträgt der Zehn-Prozent-Anteil der Gemeinde Herrsching. Der Kreis wird also rund 60 Millionen Euro auf den Tisch legen müssen – Preissteigerung, Mehrkosten und Ausstattung nicht mitgerechnet. „Die Zahlen sind ernüchternd“, sagte selbst Landrat Karl Roth. „Aber wir wussten, was wir bauen.“

Gleich zu Beginn der gestrigen Kreistagssitzung versuchte Bernhard Sontheim (Freie Wähler) erneut, den Bau zu verschieben. Die Kosten stiegen dermaßen, dass die Gemeinden eines Tages wegen der Kreisumlage sich nichts mehr leisten könnten, sagte er. Der Kreis steuere mit Gymnasium, Fachoberschule (FOS) und dergleichen auf eine 150-Millionen-Euro-Verschuldung zu, was „komplett verantwortungslos“ sei. Deswegen solle man den Bau verschieben, bis die Baupreise wieder ein normales Niveau erreicht hätten. Diese Zeiten, konterte Manfred Herz (CSU), würden nie kommen. Außer Sontheim stimmte nur Bürgermeister-Kollege Rainer Schnitzler (Freie Wähler) aus Pöcking für eine Verschiebung.

Kosten bereiten Kopfzerbrechen

Die Kosten fürs Gymnasium indes bereiten einigen Kopfzerbrechen. Vor allem den Freien Wählern, die die Schule schon immer kritisch gesehen haben. Aber auch der FDP. Dr. Oswald Gasser: „Das muss man erst mal verdauen. Wir brauchen eine Sparkommission.“ Auch Eva-Maria Klinger (CSU) mahnte, man müsse dringend auf die Kosten schauen. Und Max Stürzer (CSU) forderte, die vom Kreistag vorgesehene Holzbauweise auf den Prüfstand zu stellen, weil diese zehn bis 15 Prozent teurer sei. Auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hofft auf Einsparungspotenziale. An der grundlegenden Zustimmung zur Schule änderte das nichts: Bis auf Sontheim stimmte der Kreistag geschlossen dafür, in Ausschüssen die gestern vorgelegten Varianten genauer zu betrachten und eine auszuwählen. Die soll der Kreistag dann beschließen.

Woher kommen die Kosten? Sie sind auf Basis von Erfahrungswerten geschätzt, mehr nicht. Mehr geht auch nicht beim jetzigen Planungsstand. Die Kosten entstehen durch vom Kreistag beschlossene Eckdaten: Holzbauweise, besonderes pädagogisches Raumkonzept, Sporthalle und einiges mehr. 3,5 Millionen Euro kosten die Verkehrsanlagen (Kreisel, Umbau der Straße). Allein der reine Bau – ohne Nebenkosten, Außenanlagen und dergleichen – rangiert zwischen 45,7 und 47,8 Millionen Euro. Je nach Entwicklung der Baupreise, hat Pilgram berechnet, könnten die Kosten um bis zu zehn Millionen Euro steigen. In den Endsummen eingerechnet ist schon eine spätere Erweiterung auf vier Züge, am Anfang sollen es drei Klassen je Jahrgangsstufe sein. Die Vierzügigkeit hat der Kreistag nicht explizit beschlossen, räumte Roth auf Nachfrage der Freien Wähler ein, aber im Raumprogramm gebilligt. Maximal soll die Schule 800 Schüler haben.

Drei Entwürfe vorgestellt

Im Beisein der meisten Herrschinger Gemeinderäte und vieler Anwohner des Bauplatzes stellten die Planer um Ellen Dettinger und Prof. Felix Schürmann die drei Entwürfe vor, die sich vor allem in der Bauform der Schule unterscheiden. „Eine Schule zu bauen ist mehr, als ein Haus zu bauen“, sagte Schürmann, es sei vielmehr eine Bühne für junge Menschen, sich zu erproben. Vorgegeben waren so genannte Cluster, also zusammenhängende Bereiche für die Klassen 5 bis 7 mit festen Klassenzimmern und für die oberen Klassen ohne solche, dafür mit Mehrzweck- und Fachräumen. Die Schule ist auf Inklusion und Ganztagesunterricht ausgerichtet.

Sobald sich die Kreisräte auf eine Variante verständigt haben, beginnen die Detailplanungen. Parallel läuft das Bebauungsplanverfahren mit der Gemeinde Herrsching. Nach dem aktuellen Zeitplan kann der Unterricht frühestens im Herbst 2022 beginnen.

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Die Liste der Landratskandidaten füllt sich: Die SPD präsentierte am Freitag Christiane Kern, die 2018 schon für den Landtag kandidiert hatte. Die Polizistin ist inzwischen nach Starnberg gezogen und will auch in den Kreistag und in den Stadtrat.

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