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Nisthilfen auf der Streuobstwiese

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Von: Andrea Gräpel

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Gemeinsam mit Freunden und Nachbarn hat Kathrin Greimel (auf der Leiter) Nisthilfen auf der Streuobstwiese am Jaudesberg angebracht.
Gemeinsam mit Freunden und Nachbarn hat Kathrin Greimel (auf der Leiter) Nisthilfen auf der Streuobstwiese am Jaudesberg angebracht. © A. Jaksch

Sie hat so ziemlich alles zusammengetrommelt, was zusammenzutrommeln war: Dank der Hilfe von Bund Naturschutz, Familie, Freunden, Nachbarn und Spenden in Höhe 1010 Euro hat Kathrin Greimel am Samstag auf einer Streuobstwiese in Breitbrunn 27 Vogelnistkästen und Futtersäulen aufgehängt sowie ein Zuhause für einen Turmfalken unterhalb des Jaudesbergs geschaffen.

Breitbrunn – Rechtzeitig vor dem Frühling hatte Kathrin Greimel aus Breitbrunn diese Aktion gestartet – ein gemeinschaftlicher Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz. Ihre Schwiegermutter Eva Greimel beobachtet schon lange stolz, dass die 53-Jährige ein Händchen für die Natur hat. Davon zeugen nicht nur die Hühner im eigenen Garten und neuerdings ein paar Hasen. Schon seit einiger Zeit haben Kathrin und ihr Mann Uli Greimel auf dem Gelände der eigenen Baufirma an der Einfangstraße Nisthilfen für Mehl- und Rauchschwalben installiert, die zur Freude der beiden auch fleißig bewohnt werden.

„Im Naturhaushalt spielen Vögel eine wichtige Rolle, zum Beispiel als Blütenbestäuber, Samenverbreiter und gegen Schädlinge. Weltweit sind aber 30 Prozent aller Vogelarten in ihrem Bestand gefährdet, viele davon sogar vom Aussterben bedroht“, schrieb sie in einer Brandmail an alle Freunde und Nachbarn, die sie in ihrem Verteiler fand. Zeilen – nicht von ungefähr.

Kathrin Greimel hat sich in die Materie eingelesen, professionelle Hilfe beim Bund Naturschutz gesucht und in Person des Gautingers Richard Gebendorfer gefunden. Er hat sich im Kreisverband der Vogel- und Fledermauswelt angenommen hat und steht ihr beratend zur Seite. Gebendorfer bestätigte ihr, dass man in den Wäldern und Landschaften heute nurmehr selten geeignete Bäume und Höhlen zum Brüten finde. Umso mehr begeisterte ihn die Aktion in Breitbrunn, denn durch künstliche Nisthilfen werde den Vögeln geholfen. In der Hauptsache seien dies verschiedene Meisen, wie Blaumeise, Kohlmeise, Tannenmeise und der Kleiber. Die mardersicheren Nistkästen, die er Kathrin Greimel empfahl, eigneten sich aber auch für seltene Arten wie Gartenrotschwanz, Wendehals und Trauerschnäpper. Vielleicht sogar für Fledermäuse. „Die Umgebung mit den Obstbäumen, den Wiesen und dem nahen Wald ist für diese Arten als Lebensraum gut geeignet“, freut er sich.

Auf Begeisterung stieß die Idee auch beim Pächter der Streuobstwiese, bei Timo Friesland. Der 39-jährige Starnberger, dessen Eltern in Breitbrunn leben, betreibt „Natürlich“-Plantagen, früher „Natürlich Ammersee“ und davor Perger. Er durfte am Samstag nicht fehlen und freute sich. Auch ihm gehe es im Kern um Arten- und Klimaschutz. Dieser Aspekt spiele schon lange eine Rolle, darum biete seine Ammersee Obstbau GmbH Unternehmen Flächen an, mit denen diese wiederum ihren ökologischen Fußabdruck zertifizieren lassen können. „Mitsubishi zum Beispiel“, erzählt Friesland. Auch das Münchner Immobilienunternehmen Accumulata ist Partner auf den Flächen von „Natürlich“. „Wir stehen noch ganz am Anfang, wollen das gerne ausweiten“, sagt er.

Die Breitbrunner Streuobstwiese ist nur eine Fläche von vielen, die zu seiner GmbH gehören und deren Bio-Obst bei einer Genossenschaft für Obstbauern in Rohrdorf bei Rosenheim gepresst wird, wenn sich nicht die Breitbrunner bedienen. Selbstpflücken ist ausdrücklich erlaubt, ein Obolus dafür an einer Kassenstation am Rand der Streuobstwiese willkommen. Fußabdruck und Vogelnistkästen – die Aktionen ergänzen sich nach Meinung Frieslands wunderbar. „Wir experimentieren viel, auch auf dem Grünland, um artenreicher gestalten zu können“, verrät der passionierte Obstbauer, der BWL und Psychologie studiert hat und im Hauptberuf im Softwarebereich arbeitet. Er nennt sich selbst einen landwirtschaftlichen Quereinsteiger, „als solcher kann ich aber auch anders draufschauen“.

Genauso geht es Kathrin Greimel, die im Hauptberuf Sportlehrerin ist. Sie freute sich riesig, als am Samstag rund 20 Freunde und Nachbarn kamen, die nicht nur spendeten, sondern mit anpackten. Für alle stand Kaffee und Kuchen bereit, als kleines Dankeschön schon vorab und fürs gute Miteinander, dass nicht unter Beweis gestellt werden musste. Ihre Worte „wir müssen Breitbrunn lebenswerter machen“, stießen bei den Freunden und Nachbarn auf offene Ohren. Gemeinsam wurden also auf Empfehlung des Sachverständigen vom Bund Naturschutz jeweils neun jeweils sechs Kilo schwere Nistkästen an Bäume in drei Karrees in der „Einflugschneise Süd-Ost“ aufgehängt.

Das Zuhause für den Turmfalken wurde am Schluss auf einer fünf Meter hohe Stange installiert, damit dieser später einen guten Überblick hat und zum Beispiel Wühlmäuse von der Streuobstwiese fernhält. Den ersten Sturm hat die Behausung überstanden. Kathrin Greimel wiederum behielt am Samstag den Überblick am Boden. Und als sich so umschaute, meinte sie lachend, „wir sind fast zu viele Leute“. Am Ende passte es perfekt. Um die Futterspende werde sie sich kümmern, versprach sie überglücklich über den Erfolg ihres Projekts: „Die befüll ich immer.“ Die gefiederten Gäste können also kommen.

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