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So wie hier in Gilching verkehren derzeit entlang der S 8 nur Busse. Die meisten Pendler nehmen die Unannehmlichkeiten gelassen hin.

Schienenersatzverkehr

Bus statt Bahn: So läuft’s entlang der S 8

Entlang der S 8 werden derzeit die Gleise erneuert. Zwei Wochen Schienenersatzverkehr (SEV) haben Pendler und Bahnreisende mittlerweile hinter sich, eine Woche folgt noch. Der Starnberger Merkur hat sich in den Bussen umgehört.

Landkreis – Eine Stunde früher aufstehen, das Frühstück ausfallen lassen oder gleich mit dem Radl fahren – Pendler aus dem westlichen Landkreis haben es zurzeit nicht leicht. Seit zwei Wochen sind sie zwischen Herrsching und Germering/Unterpfaffenhofen auf den Schienenersatzverkehr (SEV) angewiesen, also auf Busse statt S-Bahnen. Immerhin: Vom kommenden Montag, 9. April, an fährt die S 8 wieder bis Gilching-Argelsried. Und auch der Bahnübergang in Hechendorf ist wieder passierbar.

„Ich habe am ersten Montag gleich den Anschluss in Germering verpasst“, erzählt Jennifer Grünwald aus Gilching. Früher aufstehen will sie stattdessen aber nicht. „Ich lasse lieber das Frühstück ausfallen, um einen früheren Bus zu erwischen“, sagt sie. Problem: „Die Busse kommen oft nicht pünktlich. Ich bin sauer auf die Bahn, weil das nicht funktioniert. Ich glaube, man könnte das besser planen“, sagt sie.

Eine Stunde längere Fahrzeit

Auch Gabriel Buchholzer (19) aus Herrsching hat die S-Bahn schon mehrmals verpasst. „In dem Moment ist man natürlich sauer, aber man kann ja nichts machen“, sagt er. Der Auszubildende benötigt mit der S-Bahn normalerweise 80 Minuten in die Arbeit. Nun dauert es meistens eine Stunde länger – und dementsprechend steht der 19-Jährige auch eine Stunde früher auf. Denn für die Strecke zwischen Herrsching und Germering benötigt der Bus rund eine Stunde, während die S-Bahn das planmäßig in 26 Minuten schafft. Trotzdem zeigt Buchholzer Verständnis: „Es leuchtet mir ein, dass die Gleise irgendwann erneuert werden müssen,“ sagt er. Dazu kommt noch der Ausbau des S-Bahnhofs in Gilching-Argelsried.

Zu den Stoßzeiten kommt es jetzt schon mal zu unschönen Szenen an der Bushaltestelle. „Die Leute nehmen keine Rücksicht, viele treten einem auf die Füße. Ich wurde auch schon vom Bus weggedrängt“, beschreibt Dominik Penninger die Lage an der Haltestelle Gilching-Argelsried. Der 21-Jährige kam aber trotzdem noch nie zu spät zur Arbeit. „Bisher hat es immer geklappt. Aber das liegt wohl auch an den Ferien, weil weniger los ist“, sagt er. Nach den Ferien werde es wahrscheinlich zu wenig Busse für zu viele Kinder geben, befürchtet er (Infos dazu siehe Kasten). Nebes Liane (52) aus Gilching ist da optimistischer: „Ich glaube, die Bahn ist auch für die Schulzeit gut gerüstet“, sagt die Redakteurin.

Vorschlag: Expressbus ohne Zwischenhalt

Da ist sich Russell Boll (58) aus Herrsching nicht so sicher. Die Busse würden oft zu anderen Zeiten fahren als im Fahrplan angegeben. „Der SEV könnte besser organisiert sein“, sagt der Software-Ingenieur. Diese Meinung teilt Hildegard Wienholt (63) aus Herrsching. Sie fände es sinnvoll, einen Expressbus einzurichten, der direkt von Herrsching bis nach Germering bzw. Gilching fährt und nicht alle S-Bahn-Haltestellen der Reihe nach abklappert. „Ich habe aber zum Glück mehr Zeit, weil ich schon im Vorruhestand bin“, erklärt die 63-Jährige. Dass Pendler genervt sind, könne sie allerdings gut verstehen.

Aber nicht alle Pendler sind unzufrieden. Jonas Zelinke (18) aus Wörthsee findet den SEV gar nicht so schlimm. Er müsse nicht früher aufstehen, weil er trotz längerer Fahrtzeit noch pünktlich zur Arbeit kommt, sagt der Azubi. „Ich habe vorher etwa eine Viertelstunde gebraucht, jetzt dauert es ungefähr 25 Minuten. Das ist schon okay.“

Ende ist absehbar

Cornelia Dodeller (40) aus Gilching findet es gut, dass die größten Einschränkungen die Ferienzeit betreffen. Dennoch wird auch in der nächsten Woche noch gebaut. Bis Sonntag ist die Strecke Herrsching-Germering noch komplett gesperrt. Von Montag an betrifft die Sperrung den Streckenabschnitt zwischen Herrsching und Gilching-Argelsried. Am 16. und 17. April soll es nur noch zwischen Herrsching und Weßling zu Einschränkungen kommen. Bis dahin müssen die Pendler also geduldig sein. Marketa Klarmann (45) aus Herrsching kann das Ende des SEVs kaum erwarten. „Ich freue mich, wenn die Bauarbeiten schnell fertig sind“, sagt sie.

So soll die Schülerbeförderung funktionieren:

Etwa 350 Schüler aus dem Landkreis sind zwischen Herrsching und Germering auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Auch sie müssen in der nächsten Woche also den Schienenersatzverkehr nutzen. Für Schüler des Christoph-Probst-Gymnasiums (CPG) in Gilching bedeutet das: Abfahrt in Herrsching um 6.52 Uhr, in Seefeld-Hechendorf um 7.04 Uhr, in Steinebach um 7.11 Uhr und in Weßling um 7.21 Uhr. Ankunft in Neugilching ist dann um 7.28 Uhr. Für Schüler der Realschule Herrsching bedeutet das: Abfahrt in Gilching-Argelsried um 6.49 Uhr, in Neugilching um 6.56 Uhr, in Weßling um 7.03 Uhr, in Steinebach um 7.13 Uhr und in Seefeld-Hechendorf um 7.20 Uhr. Die Linie trifft um 7.32 Uhr in Herrsching ein. Diese Fahrzeiten hat die Verkehrsmanagerin des Landkreises, Susanne Münster, auf Anfrage des Starnberger Merkur mitgeteilt. Dann stünden auch die höchsten Kapazitäten in den Bussen zur Verfügung. „In den Hauptzeiten sind bis zu sechs Busse unterwegs, darunter auch Gelenkbusse“, sagt Münster. „Wir hoffen, dass wir dann alle Schüler in die Busse bekommen.“ Froh ist sie, dass der Bahnübergang in Hechendorf von Montag an wieder befahrbar ist. Von dessen Sperrung habe man im Landratsamt erst sehr kurzfristig erfahren, was einiges Kopfzerbrechen aufgrund der Linienführung und Wendemöglichkeiten der Busse nach sich gezogen habe. „Das ist derzeit eine große Belastung für unsere Fahrgäste“, sagt Münster. „Aber wir versuchen, das Beste aus dem Desaster zu machen.“ An der Schiene müsse aber nun einmal gearbeitet werden

Von Alicia Schmidbauer

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