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Das alte Wohnheim für Obdachlose an der Christian-Morgenstern-Volksschule.

Gemeinde plant Neubau im Gewerbegebiet

Neue Obdachlosen-Unterkunft in Herrsching: Details zur Planung nun bekannt

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Gemeinde Herrsching plant eine neue Obdachlosen-Unterkunft im Gewerbegebiet. Wie sie aussehen könnte, zeigte ein Entwurf im Bauausschuss. Derzeit muss die Gemeinde allerdings nur einen Obdachlosen unterbringen.

Herrsching – Seit der Bauausschusssitzung am Montagabend kann man sich gut vorstellen, wie die geplante neue Obdachlosen-Unterkunft im Herrschinger Gewerbegebiet aussehen könnte. Christoph Welsch, Architekt und seit Mai Grünen-Gemeinderat, stellte einen Vorentwurf für das Gebäude mit 200 Quadratmeter Grundfläche vor. Er enthielt für das frühe Stadium der Planung bemerkenswert viele Details, wie Bürgermeister Christian Schiller anmerkte. Einstimmig segnete das Gremium den Vorentwurf ab. Welsch, der vor der Wahl als Planer beauftragt worden war, durfte nicht mitstimmen.

Die Gemeinde sucht schon länger eine Alternative für das so genannte Hurle-Haus, die Unterkunft neben der Christian-Morgenstern-Volksschule. „Das kann man eigentlich nur noch abreißen“, sagte Schiller gestern auf telefonische Nachfrage. Weil der Standort an der Schule nicht ideal ist, hatte CSU-Gemeinderat Willi Welte einst eine Alternativlösung am Ortsrand vorgeschlagen. Und die wurde im Herbst 2017 auch auf den Weg gebracht. Unstimmigkeiten bei Lärmschutzmaßnahmen zwischen Gemeinde und Landratsamt hatten das Projekt aber verzögert. Doch nun scheint es wieder voranzugehen.

Acht Zimmer mit je zwei Schlafplätzen und eigenem Bad

Acht Zimmer mit je zwei Schlafplätzen, Glastüren als separate Eingänge und Einbau-Nasszellen, die komplett fertig geliefert werden. So stellt sich Welsch das Gebäude mit Flachdach unter anderem vor. Er zeigte auch Entwürfe mit einem zentralen Eingang, einem langen Flur und Gemeinschaftswaschräumen. „Umso weniger die Bewohner gemeinsam nutzen, desto besser“, lautete Welschs Meinung. Widerspruch von den Ausschussmitgliedern bekam er nicht. Der Planer merkte aber auch einen möglichen Nachteil der vielen Eingänge an. Stichwort Sicherheitsbedürfnis. „Die Bewohner sollten nicht das Gefühl haben, in eine dunkle Ecke zu müssen.“ Es gelte, das Haus außen ordentlich zu beleuchten.

Die Einrichtung der nach derzeitiger Planung 13,7 Quadratmeter großen Zimmer: ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle, eine Schrank- Kühlschrankkombination mit Schließfach. Einzelne Räume sollen bei Bedarf zusammengeschaltet werden können – falls eine Herrschinger Familie auf der Straße steht. Außerdem sind Räume für Lager, Technik und Waschmaschinen vorgesehen.

Erste Kostenschätzung für Obdachlosen-Unterkunft: 540 000 Euro

Samt Außenanlagen und Innenausstattung schätzt Welsch die Kosten für den Bau auf 540 000 Euro. Ob das Gebäude eine Massivholzdecke bekommt und wie und wo mit Holz oder Stahlbeton gearbeitet wird, werden die weiteren Beratungen zeigen – laut Schiller sollen sie im Herbst sein.

Nur einen Obdachlosen muss die Gemeinde Herrsching derzeit unterbringen. Und der lebt laut Sozialamtsleiterin Julia Schmidbauer in einer Pension in Fürstenfeldbruck. Dort hatte man Zimmer angemietet – wegen der Bauarbeiten zur Schulerweiterung neben dem Hurle-Haus. Die alte, baufällige Einrichtung wird laut Schmidbauer immer noch gewartet und sei bewohnbar. Die Obdachlosenzahl sei nur eine Momentaufnahme, aber eine Tendenz sei erkennbar. Im Jahr 2015 zum Beispiel seien zeitgleich 20 Menschen in Herrsching wohnungslos gewesen. „Wir haben die Prävention verstärkt“, sagt Schmidbauer und meint den Kontakt zu Vermietern, Sozialhilfeträgern oder Jobcenter, wenn Menschen ihr Zuhause zu verlieren drohen. In Zeiten, in denen gerade finanziell Schwächere nach einer Eigenbedarfskündigung nur schwer wieder etwas finden, begrüßt sie die flexible Planung der neuen Unterkunft. „Denn wir wissen ja nicht, was kommt.“

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