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Obdachlosenunterkunft zum Vorzeigen

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Von: Andrea Gräpel

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Die Rotarier vom Club Ammersee hatten ein Geldgeschenk dabei: Ludwig Darchinger (l.) und Präsident Bernhard Kern schauten sich die Zimmer an und überreichten (2.v.r.) zur Unterstützung der neuen Einrichtung einen Scheck in Höhe von 5000 Euro an Bürgermeister Christian Schiller (Mitte), über den sich auch Architekt Christoph Welsch (2.v.l.) und Bauamtsleiter Guido Finster freuten.
Die Rotarier vom Club Ammersee hatten ein Geldgeschenk dabei: Ludwig Darchinger (l.) und Präsident Bernhard Kern schauten sich die Zimmer an und überreichten (2.v.r.) zur Unterstützung der neuen Einrichtung einen Scheck in Höhe von 5000 Euro an Bürgermeister Christian Schiller (Mitte), über den sich auch Architekt Christoph Welsch (2.v.l.) und Bauamtsleiter Guido Finster freuten. © Andrea Jaksch

Als 2016 die Idee entstand, im Gewerbegebiet Herrsching einen Ersatzbau für die marode Obdachlosenunterkunft am Martinsweg aufzustellen, klang alles einfach, ganz schnell sollte es gehen. Ganz so einfach war es dann doch nicht. Sechs Jahre später konnte die neue Obdachlosenunterkunft nun aber eingeweiht werden.

Herrsching – Viele Hürden mussten genommen werden, sechs Jahre dauerte die Planung – am Dienstag endlich wurde in Herrsching die neue Obdachlosenunterkunft im Gewerbegebiet eingeweiht werden. Herrschings Bürgermeister Christian Schiller erinnerte an die Anfänge der Planung, daran, dass die bisherige Obdachlosenunterkunft, das sogenannte Hurlehaus neben der Christian-Morgenstern-Mittelschule, schon lange baufällig ist und einer Pausenhoferweiterung weichen sollte. Schon zwischen 2010 und 2016 häuften sich Reparaturen, bis die Zustände irgendwann nicht mehr tragbar gewesen seien. Der damalige CSU-Gemeinderat Willi Welte war es, der dann den neuen Standort am Gewerbegebiet ins Spiel brachte – schnell in Containerbauweise realisierbar, maximal 400 000 Euro teuer.

Abgesehen von Kritik aus der Nachbarschaft, von Schäferhundeverein und Kleingärtnern, nahm die Bauleitplanung mit diversen Gutachten das Tempo aus der Umsetzung schnell raus. Und am Ende entschied sich der Gemeinderat für einen soliden Bau, „keine Luxuswohnung“, wie Schiller unterstrich. Aber allen energetischen Anforderungen entsprechend in Holzständerbauweise mit acht Schlafräumen im eingeschossigen Bau, die für Familien auch miteinander verbunden werden könnten. Und mit jeweils eigenem Badezimmer und eigenen Eingängen von außen. „Hier hat jeder im Prinzip sein eigenes kleines Appartement. Dadurch, dass wir keinen Flur haben, haben wir auch eine Menge Platz gespart“, erklärte Architekt Christoph Welsch. Im Haus gibt es darüber hinaus einen Waschraum und einen Technikraum. Die Baukosten inklusive Erdarbeiten und Nebenkosten betragen 930 000 Euro. Eine Punktladung insofern, als dies auch die von Welsch schon 2020 errechneten Kosten waren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, davon überzeugten sich auch die Nachbarn aus Kleingarten und Schäferhundverein am Dienstag zahlreich. Zum Ende hin – nach Bauleitplanungsbremse und Corona – ging es zudem tatsächlich „ratzfatz“ (Schiller), denn erst im Februar war mit dem Bau angefangen worden.

Aktuell ist die Anlage für bis zu 16 Personen ausgerichtet, „wir hoffen, dass wir das nicht voll ausnützen müssen“, sagte Schiller. Aktuell gibt es keine Menschen in Herrsching, die dort untergebracht werden müssten. Ein Verdienst von Julia Schmidbauer (Abteilungsleiterin Soziales im Rathaus) und der Teamleiterin im Einwohnermeldeamt, Patricia Göser, lobte der Bürgermeister, stolz, so einen modernen Zweckbau vorhalten zu können. „Andere Gemeinden werden uns beneiden“, sagte er. Gleich nebenan in Seefeld zum Beispiel, die ihre marode Unterkunft abreißen lassen muss.

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