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Ölfilter: Weltneuheit kommt aus Herrsching

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Von: Andrea Gräpel

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Natürliche Ölsperre: Werftleiter Florian Schmidt freut sich über die Idee von Frowin Puntsch (l.). Die geflochtene Ölsperre ist probeweise rund um den Tanksteg im Wasser verlegt.
Natürliche Ölsperre: Werftleiter Florian Schmidt freut sich über die Idee von Frowin Puntsch (l.). Die geflochtene Ölsperre ist probeweise rund um den Tanksteg im Wasser verlegt. © Andrea Jaksch

Mit Filterelementen aus Naturhaar will der Herrschinger Frowin Puntsch die Gewässerreinigung revolutionieren. Auf dem Betriebshof der AWA-Ammersee sind sie bereits im Einsatz. Am Freitag wurden in Stegen die erste „Schiffstankstelle“ damit gesichert.

Stegen/Herrsching – Als gebürtiger Herrschinger konnte Frowin Puntsch seit seiner Kinder schon immer bei Starkregenereignissen am Seeufer regenbogenfarbenen Schlieren ausmachen, die in den See flossen. Dem heute 60-Jährigen tut der Anblick seit jeher in der Seele weh. In der Zeitung las er dann vor zwei Jahren, wie Insulaner mit selbst gebauten Barrieren aus Naturhaar das Ökosystem um Mauritius vor einer Ölkatastrophe retteten. Das Prinzip sei so einfach wie genial, fand der Herrschinger, der früher im Marketingbereich arbeitete. Daraus hat er als „Quereinsteiger“ nun ein Naturhaarfilter entwickelt, das Öle, Alkohole, Tenside und andere Lösungsmittel aus dem Wasser filtern kann. Gerade erst hat sich Puntsch seine Entwicklung patentieren lassen. Eine internationale Patentanmeldung ist bereits erfolgt.

„Stellen Sie sich vor, es sind 90 Prozent weniger Schadstoffe in unseren Gewässern. Weltweit“, dieser Satz gefiel Puntsch so gut, dass er auf der Startseite seines Internetauftritts steht. Denn die Naturhaarfilter haben genau diese hohe Absorptionsfähigkeit und können bis zum achtfachen Eigengewicht hydrophobe (unlösliche) und amphiphile (wasser- und fettliebend) Schadstoffe aufnehmen und dauerhaft binden. Geflochten werden sie aus Tierhaaren. „Menschliches Haar würde auch funktionieren“, so Puntsch. Es muss nur mindestens drei Zentimeter lang sein. Das Haargarn für die Filter, die Puntsch in Stegen als Weltneuheit präsentierte, wurden in einer Spinnerei am Chiemsee gesponnen. „Ein 100-prozentiges Naturprodukt“, sagt er stolz, „regional und aus unbegrenzt nachwachsendem Rohstoff.“

Die Ammersee Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) in Herrsching haben tagein, tagaus mit Abwasser und deren Reinigung zu tun. Vorstand Maximilian Bleimaier gesteht, dass er am Anfang sehr skeptisch war, als Puntsch ihm von der Idee erzählte. Er ließ sich die Wirkung dann demonstrieren und war schließlich regelrecht begeistert, „wie gut das funktioniert“, sagt er. Für den AWA-Betriebshof wurden direkt Filter geordert. Auch die Ammerseeschifffahrt, ließ sich schnell überzeugen. „Das ist eine sehr gute Idee“, findet Stegens Werftleiter Florian Schmid. Als vorbeugende Sicherheitsmaßnahme zum Uferschutz hat die Seenschifffahrt deshalb probeweise einen Zopf entlang des Steges legen lassen, wo die Dampfer betankt werden.

Die Einsatzgebiete sind vielfältig, erzählt Puntsch stolz. Auch in Schwimmbädern, an Tankstellen, Klärwerken oder Verkehrsflächen sei der Einsatz denkbar, so der Herrschinger Tüftler. Am kommenden Dienstag ist er zu Gast im Umweltausschuss der Gemeinde Andechs, um das Prinzip und das Pilotprojekt Pro-Wasser dort vorzustellen. In der Klostergemeinde sollen die Filter in den Regeneinlässen verwendet werden, um das Straßenabwasser zu filtern, bevor es in den Kanal fließt. Vor allem im Bereich des Kienbachs. Der Gemeinde würden dafür Kosten in Höhe von weniger als 5000 Euro entstehen, rechnet Puntsch vor. Und der Bauhof könnte bei der jährlichen Reinigung der Schächte alte durch neue Filter ersetzen. Die Filter von Puntschs Firma Frischwasser.tech haben eine Lebensdauer von zwölf bis 18 Monaten. „Je nach Verschmutzungsgrad. Und sie sind kompostierbar, weil natürlich“, betont Puntsch.

Auch die Uni Weihenstephan ist auf die Filter aufmerksam geworden. Dort will man Schafswolle wieder salonfähig machen, sagt Puntsch. „Da kommen meine Filter gerade recht“, denn alles, was nicht verwendet werden kann, kann er verwenden – Hauptsache Haar. Aktuell verwendet Puntsch vornehmlich Schafswolle für sein Garn. Dieses wird verarbeitet „von Leuten, die mir zuarbeiten. Ein wenig Fingerfertigkeit reicht aus. Wenn man sich die Schuhe binden kann, kann man auch Filter herstellen“, sagt er. Dies geschieht in Schneckenform und Streifen – genäht an einer Industrienähmaschine oder als Zopf geflochten. Aktuell lässt er seine Filter durch Bekannte, aber auch in einer Behindertenwerkstatt produzieren. Mit der Justizvollzugsanstalt verhandele er noch. Puntsch freut sich: „Es ist so einfach. Ich wundere mich, warum vor mir noch kein anderer darauf gekommen ist.“

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