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Die Bahnhofshalle in Herrsching war erst den Tauben ein Zuhause, dann den geschützten Rauchschwalben (r.). Beide Arten verdreckten die Halle (Foto l. unten) mit Vogelkot. Nachdem die Schwalben vermutlich erfolgreich in ihr Häuschen auf dem Bahnsteig (Foto l. oben) umgezogen wurden, können die Aufräumarbeiten beginnen.

Bahnhof Herrsching

Schwalben lieben neues Zuhause

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Herrsching - Der Umzug der Rauchschwalben von der Herrschinger Bahnhofshalle in das Schwalbenhaus auf dem Bahnsteig scheint geglückt. 

Die Schwalben am Herrschinger Bahnhof sind in ihrer neuen Unterkunft – so scheint es – tatsächlich sesshaft geworden. Bürgermeister Christian Schiller sinniert bereits freudig über eine Schönheitskur für das verdreckte Bahnhofsgebäude. Der Ornithologe Dr. Herbert Biebach ist zu sehr Wissenschaftler, als dass er sich schon freuen würde. Und doch freut er sich vorsichtig, denn „es gibt gute Gründe anzunehmen, dass das Pilotprojekt Schwalbenumzug erfolgreich ist“. Abschließend sei dies erst im nächsten Jahr zu sagen, wenn die Schwalben wieder zurückkehren und brüten.

Dr. Herbert Biebach hat schon als Grünen-Gemeinderat am Projekt Schwalben-umzug getüftelt. Die geschützten Rauchschwalben haben sich seit Jahren in der offenen Herrschinger Bahnhofshalle eingenistet und – sie gehörig verdreckt. In diesem Zusammenhang wurde die Idee geboren, die Vögel umzuziehen, was allerdings eine Rausschmissgenehmigung der Oberen Naturschutzbehörde erfordert hätte, weil Rauchschwalben auf der Roten Liste stehen. Der Umzugsversuch jedoch wurde gutgeheißen und wird als Pilotprojekt mit Interesse verfolgt.

Das erste Jahr war holprig, gesteht Biebach. Das Gestell, mit dem die Nester samt Altvogel und Brut ins neue Zuhause auf dem Bahnsteig geschoben werden sollte, musste modifiziert werden. Im zweiten Jahr konnten drei Nester mit 13 Jungen umgezogen werden. Biebach war zuversichtlich, auch wenn er von anderer Seite belächelt wurde. Dass es nur wenige Nester waren im zweiten Jahr, lag vor allem daran, dass 2015 weit weniger Zugvögel ankamen, also auch weniger Schwalben. „In diesem Jahr kamen sie auch stark verzögert wegen der Schlechtwetterlage“, erklärt Biebach. „Das haben sie aber aufgeholt.“ Insgesamt seien es nun zehn Nester, die umgezogen wurden. „Und zwei Paare haben freiwillig draußen gebrütet“, freut sich der Ornithologe. Er geht davon aus, dass im nächsten Jahr alle Nester draußen im Häuschen belegt sind. Aber gewiss sei es nie. Gefreut hat es ihn, dass die neue Bleibe weitgehend von größeren Schäden verschont geblieben sei. „Nur am Anfang haben Unbekannte ein dringendes Bedürfnis in den Nieschen liegen lassen. Dann haben wir ein Draht davor gemacht. Seitdem ist es gut.“

5000 Euro hatte die Gemeinde Herrsching für das Projekt im ersten Jahr genehmigt, noch einmal 12 000 Euro im vergangenen Jahr. Immer mit dem Ziel, die Halle vogelfrei zu bekommen. Aktuell gibt es in der Bahnhofshalle noch zwei Nester. „In denen wurde nicht gebrütet“, sagt Biebach. Diese würden demnächst entfernt, so dass die Gemeinde mit der Reinigung und Renovierung der Halle tatsächlich beginnen könnte.

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