Der Smartbus soll die Region um den Ammersee vernetzen
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Der Smartbus soll die Region um den Ammersee vernetzen

Smartphone-App

Plan für Smartbus am Ammersee

  • vonAndrea Gräpel
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Es gab schon zahlreiche Anläufe, den öffentlichen Personennahverkehr rund um den Ammersee landkreisübergreifend zu vernetzen. Das Thema steht seit der Gründung auch auf der Agenda der Ortsgruppe Ammersee der proeuropäischen Partei Volt. Christoph Klein befasst sich damit seit einem Jahr ganz konkret. Dabei stieß er auf ein Smartbus-System, das vom Max-Planck-Institut in Göttingen entwickelt wurde.

Herrsching - Gemeinsam mit Mobilitätsmanager Michael Patscheke hat Klein dieses System nun auf den Ammersee zugeschnitten. Am Montag, 8. Februar, will Volt Ammersee es diskutieren.

„Ich hab mir über ein Jahr lang viele Rufbus-Systeme angeschaut“, erklärt Klein. In Städten gebe es davon eine ganze Menge. Im ländlichen Raum dagegen so gut wie gar nicht – lediglich ein Pilotprojekt, das vom Max-Planck-Institut entwickelt und im Harz durchgeführt wurde. Klein nahm Kontakt mit dem Verkehrsexperten dort auf. „Wir haben mittlerweile etwas erarbeitet, wie es rund um den Ammersee funktionieren könnte“, freut er sich.

Ziel sei es, über eine Smartphone-App den kleinsten Weiler mit einem abgelegenen Aussiedler verbinden zu können, vor allem Strecken, die durch den Linienverkehr aktuell nicht abgedeckt werden. „Die bessere Zubringung könnte am Ende auch dazu führen, dass bestehende Buslinien besser ausgelastet werden.“

Die Idee klingt genial, hat aber einen Haken. Zumindest am Ammersee. Der See grenzt an drei Landkreise, ein vierter – Fürstenfeldbruck – ist so nah dran, dass auch er nicht ausgelassen werden sollte. „Und jeder Landkreis unterhält seinen eigenen Öffentlichen Personennahverkehr“, so Klein. Ihm ist bewusst, dass diese Systeme finanziell erstmal gestemmt werden müssten. Und das Smartbus-System, das er gemeinsam mit Patscheke entwickelte, gibt es natürlich nicht kostenfrei. 2,5 Millionen Euro würde das Defizit in einem Jahr betragen, haben sie errechnet. „Bei 85 000 Menschen, die in der Region leben, wären das 30 Euro im Jahr“, sagt Klein.

Bedient würden alle Orte rund um den Ammersee mit zunächst einmal 14 Kleinbussen à acht Personen. Die Region wäre in vier Bereiche eingeteilt, die Busse kämen zu jeder Zeit an jeden Ort, an dem ein Auto halten und Fahrgäste sicher aussteigen lassen könne – unabhängig von Buslinien, Haltestellen und Fahrplänen. Bei Eingabe von Abfahrts- und Zielort suche die App automatisch die beste Verbindung. „Das kann auch der Weg zu einer bestehenden Buslinie sein“, erklärt Klein. Oder die Fahrgäste werden von einem anderen Smartbus der Flotte übernommen, der dasselbe Ziel habe.

Auch die Schifffahrtsverbindung gehöre dazu. Studenten hätte für die LAG schon einmal Elektroboote als Beförderungsmittel ins Spiel gebracht. Auch Klein findet den Gedanken sehr sympathisch. Die Umsetzung macht es nicht einfacher. Überzeugt werden müssen von der Idee viele Bürgermeister mit ihren Gemeinderäten, ganz abgesehen von den vier Landkreisen. „Wir würden nur die Software liefern“, erklärt Klein. Die Hardware müssten die Kommunen stellen oder vergeben.

Kleins Arbeit für Volt Ammersee stellt er bei einer Videoschaltung des Ortsverbandes am kommenden Montag vor. In der Hoffnung, dass auch Gemeindevertreter begeistert werden können. Starnberg Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster hat Klein eingeladen, ihren Kollegen aus Landsberg ebenso. Eine Zusage hat er noch nicht. Die Videokonferenz wird über meet.jit.si geschaltet. Getroffen wird sich ab 19.30 im Konferenzraum MeetandGreetVoltAmmersee.

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