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Diese Profil eines möglichen Radweges hatte Planer Benjamin Neudert bereits voriges Jahr dem Gemeinderat vorgestellt. Es sieht einen hangseitige Lösung auf den rund vier Kilometern zwischen Herrsching und Breitbrunn vor.

Verkehr

Neue Hoffnung auf Radweg

  • VonAndrea Gräpel
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Generationen von Herrschinger Gemeinderäten haben dafür gekämpft, immer wieder scheiterte der Bau eines Radweges zwischen Herrsching und Breitbrunn aber an den Grundstücksverhandlungen. Völlig unerwartet erscheint nun ein „Licht am Tunnelende“. So lauteten die Worte von Bürgermeister Christian Schiller am Montagabend im Gemeinderat.

Herrsching – Das Bauamt Weilheim hat nicht nur signalisiert, ein Planfeststellungsverfahren einleiten zu wollen, möglicherweise übernimmt es sogar die Kosten für den Bau der vier Kilometer langen Strecke. In Stein gemeißelt ist die Entscheidung jedoch nicht.

Die Gemeinderäte hatten die Hoffnung nie aufgegeben, dass entlang der Staatsstraße zwischen Herrsching und Breitbrunn irgendwann ein Radweg entstehen könnte. Er ist Bestandteil des Verkehrskonzeptes. Wenigstens ein Teilabschnitt in Breitbrunn soll realisiert werden, nachdem der neue Eigentümer des Perger-Geländes Grund zur Verfügung gestellt hat (wir berichteten). Das Vorhaben stand bereits auf der Tagesordnung der jüngsten Bauausschusssitzung, wurde aber zurückgestellt, weil sich eine Richtungsänderung im Bauamt angedeutet hatte. Insofern, als die Behörde die Teilstrecke möglicherweise selbst bauen möchte. Am Montag reichte die frohe Botschaft noch weiter. Demnach betreffe dies nicht nur den Abschnitt beim Sportplatz in Breitbrunn, sondern die gesamte Strecke zwischen dem Ortsteil und Herrsching. „Das wäre genial“, freute sich Rita Mulert (Grüne).

Laut Bauamtsleiter Guido Finster schließt das Bauamt eine Kostenübernahme nicht aus – und auch nicht ein Planfeststellungsverfahren. Das würde im Zweifelsfall eine Enteignung für den noch fehlenden Straßengrund ermöglichen und am Ende die Kosten rechtfertigen, die die Gemeinde in Kauf genommen hatte, um die gesamte Strecke zu vermessen.

Wie berichtet, hatte das Herrschinger Büro Neudert mit moderner Technik eine Fläche von 110 000 Quadratmetern auf rund 4000 Metern Länge und 30 Metern Breite zwischen den beiden Ortschaften gescannt. Jeder Baum in Höhe und Breite, jeder Strauch und jeder Stein wurden erfasst. Neudert hatte im Oktober jeweils eine Variante talseitig sowie hangseitig vorgelegt, wobei die Gemeinderäte die hangseitige Variante mit einem höher gelegten Weg favorisierten. Er konnte sogar die Anzahl der Bäume beziffern, die zugunsten eines Radweges weichen müssten: 420. Böse Stimmen hatten von Steuergeldverschwendung für Gutachten gesprochen, die nicht umsetzbar seien.

Das Thema soll laut Finster in der nächsten oder übernächsten Gemeinderatssitzung auf der Tagesordnung stehen. Unterdessen sei Neudert in Absprache mit dem Bauamt mit einer weiteren Variantenanalyse beauftragt worden. Außer der vorgesehenen Querungsinsel wünscht sich die Behörde zumindest die Prüfung einer Unterführungs-  oder Ampellösung am Sportplatz in Breitbrunn. Bei aller Euphorie bittet Schiller um Geduld: „Das alles kann Jahre dauern.“

So sieht es auch der zuständige Bereichsleiter in Weilheim, Raphael Zuber. „An uns wurde in jüngster Vergangenheit immer wieder die Bitte herangetragen, den Bau eines Radweges dort noch einmal zu überprüfen“, sagte er. In Abstimmung mit dem Landratsamt erwäge das Bauamt deshalb zwei große Projekte im Landkreis – ohne das zweite beim Namen zu nennen. Zuber spricht von einer gemeinschaftlichen Sache. Ob nur eines oder beide angepackt würden, könne er noch nicht sagen. „Derzeit stimmen wir uns noch ab, und nur im Notfall würden wir ein Planfeststellungsverfahren durchführen.“

Egal, welches Projekt realisiert wird: „Zunächst müssten wir richtig planen und uns im Falle von Breitbrunn für eine hang- oder talseitige Variante entscheiden. Dann würden wir noch mal freihändige Grunderwerbsverhandlungen versuchen. Ein Planfeststellungsverfahren wäre das letzte Mittel.“ Das könnte auch Enteignung bedeuten. Raphael Zuber verspricht eine zeitnahe Entscheidung. ANDREA GRÄPEL

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