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Eine Variante (Ost) hangseitig.

Verkehr

Variationen eines Radwegs

  • VonAndrea Gräpel
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Entlang der Staatsstraße zwischen Breitbrunn und Herrsching gibt es wohl keinen Quadratzentimeter mehr, der nicht vermessen ist. Benjamin Neudert vom gleichnamigen Herrschinger Ingenieurbüro stellte die Ergebnisse in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor. Die Bestandsvermessung war zur Vorbereitung eines staatsstraßenbegleitenden Radweges in Auftrag gegeben worden. Allein die dafür erforderlichen Grundstücksverhandlungen bleiben ein Problem.

Herrsching/Breitbrunn – Schon Generationen von Gemeinderäten haben sich um notwendigen Grunderwerb für einen Radweg entlang der Staatsstraße bemüht. Bislang vergeblich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und die Alternative über das hochgelegene Rausch ist selbst bei E-Bike-Besitzern nicht nur beliebt. Auch darum wurde die Bestandsvermessung trotzdem in Auftrag gegeben.

Für eine Radweg-Variante Ost, hangseitig, wären demnach 12 550 Quadratmeter Fläche notwendig, für eine Variante West, talseitig, unwesentlich weniger, nämlich 12 250 Quadratmeter. Nach Auskunft von Bauamtsleiter Guido Finster gehöre ein Teil der Flächen dem Freistaat. Problematisch sind die Privatflächen – bei der Ostvariante seien es 4100 Quadratmeter, bei der Westvariante 5500 Quadratmeter. Und es gibt nicht nur einen, sondern eine Vielzahl von Eigentümern, sagt Finster. Doch nur der neue Eigentümer des Perger-Geländes in Breitbrunn hat signalisiert, dass er Grund abtreten würde (wir berichteten). Das hatten die Breitbrunner damals mit Freuden vernommen, denn bereits vom Winkelweg bis zum Sportplatz gibt es keinen sicheren Weg. „Das sollte bald geschehen“, sagte Thomas Bader (CSU). „Ich fahre dort so oft. Ich finde es für mich schon gefährlich“, meinte auch Anke Strobl (BGH). Wie gefährlich sei es dann erst für Kinder. Neudert deutete an, dass einem zeitnahen Baubeginn an dieser Stelle nichts im Wege stünde: „Da sind wir eigentlich soweit.“

Die Folien, die Neudert präsentierte, betrafen aber nicht nur den Bereich zwischen Winkelweg und Sportplatz, sondern insgesamt eine Fläche von 110 000 Quadratmetern auf rund 4000 Meter Länge und 30 Meter Breite zwischen dem Ortsausgang Herrsching und dem Ortseingang Br

eitbrunn und umgekehrt. Jeder Baum in Höhe und Breite, jeder Strauch und jeder Stein ist nach modernster Methode gescannt worden. Maßband und Meterstab gehören zu den Relikten vergangener Tage. Und deshalb konnte Neudert bereits in der Sitzung exakt sagen, wie viele Bäume gefällt werden müssten, wenn es doch zu einem Ausbau käme: hangseitig 420 und talseitig 380. Auch dies dürfte Diskussionen nach sich ziehen. Doch selbst Rita Mulert (Grüne) als bekennende Naturschützerin meinte, ein Radweg an der Straße „wäre gut“. Denn auch sie gehört zu jenen Radfahrern, die die Rausch-Alternative lieber meiden.

Benjamin Neudert favorisierte eine Radwegvariante hangseitig, da Radfahrer auf einem höher gelegenen Weg weniger geblendet würden. Charmant fände er auch einen zurückversetzten Weg hinter Baumreihen. Talseitig gab der Ingenieur zu bedenken, dass unter Umständen mehr Fläche verbraucht würde, je weiter runter ins Tal der Radweg gesetzt würde. Auch Spritzwasser sei bei der talseitigen Variante ein Thema.

Alles entscheidend sei am Ende aber der Untergrund, „das muss man untersuchen“, unterstrich Neudert. „Das sind Kostenfaktoren, die nicht unerheblich sind.“ Darauf verwies auch Alfred Ploetz (FDP). Er ist einer der Grundeigentümer und kennt sich mit den Bodenbeschaffenheiten gut aus. Talseitig, meinte er, sei ein Radweg besonders schwierig realisierbar.

Dass ein Bodengutachten notwendig sei, das leuchtete auch Willi Welte (CSU) ein, „aber bitte erst, wenn wir uns mit den Grundeigentümern einig sind“. Bekanntermaßen beäugt der CSU-Fraktionssprecher Notwendigkeit und hohe Ausgaben für Gutachten grundsätzlich skeptisch.

Einig war sich die Ratsrunde, für das nächste Jahr Planungskosten im Haushalt bereitzuhalten. Und zu allererst soll in die Grundstücksverhandlungen mit dem neuen Eigentümer der Perger-Fläche in Breitbrunn eingetreten werden.

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