Kirchenpflegerin Rose Marie Müller und Pfarrer Simon Rapp in der alten Nikolauskirche
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Würden die Alte Kirche gerne wieder nutzen: Kirchenpflegerin Rose Marie Müller und Pfarrer Simon Rapp. Aktuell sind im Kirchenschiff die Glocken gelagert, die im irgendwann sanierten Kirchturm in Inning aufgehängt werden sollen.

„Festsaal Alte Nikolauskirche“

Rapps Visionen

  • vonAndrea Gräpel
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Herrschings Pfarrer macht Werbung für eine außergewöhnliche Idee für die Alte Nikolauskirche in Herrsching

Herrsching – Als Pfarrer Simon Rapp auf sich zukommen sah, dass die Kirchenverwaltung in Herrsching drei Kirchen sanieren muss, stellte er die Grundsatzfrage: Braucht Herrsching drei Kirchen – die alte und die neue Nikolauskirche sowie die barocke Martinskirche? Schon kurz nachdem er vor fünf Jahren die Pfarrei übernahm, hatte die alte Nikolauskirche geschlossen werden müssen, weil die Decke abzustürzen drohte. Aktuell werden in der noch immer geschlossenen Kirche Innings neue Glocken gelagert, bis diese das alte Geläut dort ersetzen. Wie sich herausstellte, reichen also die neue St. Nikolauskirche und St. Martin völlig aus.

Rapp trieb der leer stehende Raum in der alten Kirche trotzdem um. Gerne hätte er einen Ort, an dem man eine Kinderkirche ermöglichen kann, ein Osterfrühstück oder auch ein kleines Konzert. So entstand die Idee, die alte Nikolauskirche einer neuen Verwendung zuzuführen – als „Festsaal Alte Nikolauskirche“.

Der Vorschlag kam beim Bistum an, sagt Rapp. „Es war das erste Mal, dass eine Pfarrgemeinde von sich aus überlegt hat, eine Kirche einer neuen Nutzung zuzuführen“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Also gab es einen kleinen Architektenwettbewerb. Die Umsetzung der ersten Planung hätte fünf Millionen Euro gekostet, die Sanierung der Kirche allein koste 800 000 Euro. „Fünf Millionen waren nicht finanzierbar, sodass das Bistum diese Planung abgelehnt hat“, gesteht Rapp. „Deshalb haben wir umgeplant.“

Die abgespeckte Planung würde 2,9 Millionen Euro kosten. Die Finanzierung bleibt aber auch damit das Problem. „Das Bistum lässt sich auf das Projekt erst ein, wenn die Kirchengemeinde einen Finanzierungsplan vorlegen kann“, sagt Rapp und weiß, dass sie selbst eine Million Euro auftreiben muss.

Der Pfarrer, der die Idee – damals war es noch die große Lösung – schon vor einem Jahr dem Herrschinger Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt hatte, hat dort nun erneut vorgesprochen. Wieder nicht öffentlich. Denn wieder zu Spenden aufrufen, will er nicht. Eine solche Aktion ist gerade erst für die Heilig-Geist-Kirche in Breitbrunn erfolgreich gelaufen, auch in Inning unterstützen die Gemeindemitglieder die Sanierung des Glockenturms fleißig. Einen dritten Spendenaufruf hatte Rapp für St. Martin starten müssen (wir berichteten). Und die neue Nikolauskirche muss auch saniert werden. Jede Maßnahme bedarf eines Eigenanteils der Kirchenstiftung. Deshalb schlägt Rapp einen anderen Weg ein, wohlwissend, dass der Gemeinde Herrsching ein barrierefreier Kulturraum fehlt.

Rapp stellte sein Projekt also erneut vor: „Das Kirchenschiff wird ausgeräumt und mit einem ebenen Fußboden großräumig nutzbar gemacht. Die Empore soll entfernt, Lüftungs- und Heizungsfragen müssen geklärt, Sanitärräume eingebaut werden. Damit entsteht ein vielfältig nutzbarer Raum, der größere Gruppengottesdienste und Kinderkirchen genauso ermöglicht wie kleinere Konzerte, Vorträge, Gemeindeversammlungen, Stehempfänge nach einem Gottesdienst oder ein Osterfrühstück.“ 110 Plätze seien möglich. Rapp verweist aber darauf, dass immer berücksichtigt werden müsse, dass der Raum jahrhundertelang den Gottesdiensten vorbehalten war.

Die alte Nikolauskirche wurde 1216 erstmals erwähnt. Älter ist noch die Martinskirche, deren Erstnennung bis ins Jahr 1065 zurückreicht. Das neue Gotteshaus St. Nikolaus wurde 1990 feierlich eingeweiht. „In der alten Kirche stecken viele Erinnerungen“, sagt Rapp. Deshalb bleibt auch der Chorraum als Kapelle bestehen.

Der Gemeinderat war schon vor einem Jahr begeistert gewesen. Bürgermeister Christian Schiller hatte im Wahlkampf sogar mit den neuen Möglichkeiten in der alten Kirche geworben. Rapp hofft nun, dass das Gremium das Vorhaben in seiner mittleren Finanzplanung berücksichtigt und wartet deswegen gespannt auf die Haushaltsberatung am kommenden Montag (Sitzungsbeginn: 19 Uhr) in der Martinshalle. Sicher wird es keine Million Euro sein, aber Rapp hat weitere Ideen, wie möglicherweise auch durch Benefizveranstaltungen Geld in die Kasse kommen könnte. Letztlich brauche es aber ein paar großzügige Sponsoren.q

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