Gemeindehaus Widdersberg
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Das Gemeindehaus soll nächstes Jahr abgerissen und neu gebaut werden.

„Eng gestrickt“: Haushalt 2021

Raus aus der Warteschleife

  • vonAndrea Gräpel
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Trotz Gewerbesteuereinbruchs steht die Gemeinde Herrsching mit einem soliden Haushalt da, findet Kämmerin Miryam Goodwin. In der Gemeinderatssitzung am Montag verwies sie auf das gute finanzielle Polster, das sich die Gemeinde angespart hat – immerhin sechs Millionen Euro. Eindrucksvoll stellt sich auch der Schuldenstand der Ammerseegemeinde im nächsten Jahr dar, der unter eine Million Euro sinkt. Damit sind Kapazitäten frei, die beim Streichkonzert im Mai in die Warteschleife gerieten.

Herrsching – Zum Beispiel für das Kinderhaus am Fendlbach, das Gemeindehaus in Widdersberg und die Obdachlosenunterkunft. Trotz hoher Kreisumlage von 8,8 Millionen Euro sind hohe Investitionen möglich, auch wenn die Kämmerin vorsichtig bleibt: „Der Haushalt ist eng gestrickt.“

Nachdem sich der Gemeinderat Herrsching bereits in einer neunstündigen Klausurtagung ausführlich mit dem Haushalt und den rechtlichen Grundlagen auseinandergesetzt hatte, nahm es nicht Wunder, dass der Entwurf für das kommende Jahr am Montag im Galopp erklärt und genehmigt werden konnte. Das Haushaltsvolumen, das sich in der Doppik-Haushaltsführung an den Ausgaben misst, beträgt rund 30 Millionen Euro für die viertgrößte Gemeinde im Landkreis, die an der 11 000-Einwohner-Marke kratzt. „Ich finde es mutig, was wir machen“, sagte Christiane Gruber (BGH). Sie freute sich, dass an den Zuschüssen für die Vereine festgehalten werden konnte. Sie lobte ihre Ratskollegen und die Kämmerin für „einen gelungenen, runden Ansatz. Mit Priorität auf dem Gemeinwohl“.

Mutig sind auch die Pläne in der Finanzplanung der kommenden Jahre. Dort steht 2022 als ambitioniertestes Projekt die Schaffung bezahlbaren Wohnraums an. Dafür und für den Bau des Kinderhauses am Fendlbach wird 2022 ein Kredit von mehr als 4 Millionen Euro notwendig.

Die meisten Ausgaben im anstehenden Jahr schluckt weiterhin die Christian-Morgenstern-Volksschule. Noch einmal werden vor allem für die Sanierung des Altbaus 638 000 Euro fällig. Die Kostenbeteiligung für das Gymnasium Herrsching fällt mit 300 000 Euro jährlich zumindest im Jahr 2021 vergleichsweise gering aus. Allerdings stehen für die Sanierung der Volksschule auch noch Zuschüsse aus. Die Gewerbesteuereinnahmen steigen nach Schätzung der Kämmerin marginal über den Stand dieses Jahres auf 7,2 Millionen Euro. Im Coronajahr brach diese Einnahmenquelle von zuvor 9,3 Millionen auf 6 Millionen runter. Natürlich hat auch Miryam Goodwin für Herrsching beim Bund Kompensationszahlungen beantragt. Sie hofft auf eine Finanzspritze von etwa einer Million Euro. Die Beteiligung an der Einkommenssteuer blieb im Vergleich mit 8 Millionen Euro in diesem Jahr stabil. Für 2021 hofft die Kämmerin auf 8,5 Millionen Euro.

Als stellvertretende Vorsitzende der Volkshochschule Herrsching warnte Anke Rasmussen (Grüne) am Ende der Haushaltsentscheidung, dass die VHS nächstes Jahr Unterstützung brauche, nachdem erneut alle Präsenzkurse abgesagt werden mussten. Bürgermeister Christian Schiller als Vorsitzender meinte sogar, dass die Unterstützung noch heuer möglich sei, Einzelheiten nannte er aber noch nicht.

Der Etat 2021 wurde gegen die Stimmen von Alexander Keim und Johannes Puntsch (beide FDP) verabschiedet. Sie stimmten deshalb nicht zu, weil ihnen die Planungen für Gemeindehaus Widdersberg und Obdachlosenunterkunft zu weit weg von der ursprünglichen Idee waren und der bezahlbare Wohnraum, der neben der Nikolauskirche errichtet werden soll, für den teuren Grund unverhältnismäßig erscheine.

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