1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Herrsching

Rehragout-Originalort als Galerie

Erstellt:

Kommentare

Fröhliche Runde: Festival-Leiterin Sabine Thomas (v.l.), Galerist Dr. Ulrich von Weidenbach, Rita Falk, Bürgermeister Christian Schiller und der Schauspieler und Synchronsprecher Hans-Jürgen Stocherl.
Fröhliche Runde: Festival-Leiterin Sabine Thomas (v.l.), Galerist Dr. Ulrich von Weidenbach, Rita Falk, Bürgermeister Christian Schiller und der Schauspieler und Synchronsprecher Hans-Jürgen Stocherl. © Andrea Jaksch

Eberhofer-Autorin platziert dritte Kunst-Ausstellung am Krimi-Rechercheplatz in Herrsching.

Herrsching – Für normale Menschen mag es stressig sein, von 100 Zuhörern umringt zu werden. Die Bestseller-Autorin Rita Falk (Eberhofer-Krimis) genoss die Ausstellungseröffnung ihrer Werke in heimeliger Runde in Herrsching wie einen Wellness-Aufenthalt. Sie hat es auch schon anders erlebt: „Da steigen Fans sogar am Klo noch über die Trennwände, um ein Autogramm zu erhaschen, und sagen: Frau Falk, ich möcht’ ja nicht stören. Dann sag ich: schon passiert“, erzählt sie. Diese Gschnappigkeit ist es, die dicht bei Monika Gruber läge, würde Rita Falk als drittes Talent die Kabarettbühne betreten. Doch in Herrsching war sie am Freitag erst mal „nur“ wegen ihrer Zweitbegabung: der Malerei.

„Ursprünglich sah ich das Schreiben als Hobby, bis mir beim dritten oder vierten Buch mein Mann sagte: Das Schreiben ist ab jetzt deine Arbeit.“ So erinnert sich Falk im Fragen-Ping-Pong, das Galerist Dr. Uli Weidenbach statt einer Laudatio an den Beginn stellte. „Und dann dachte ich, wenn Schreiben nun meine Arbeit ist, dann brauch’ ich jetzt ein neues Hobby.“ Locker-witzig ging es weiter, vom ersten Bild „Tulpenfeld“, das Falks verstorbener Mann damals als weibliche Detaildarstellung missinterpretierte – bis hin zur Zeiteinteilung mit Schreiben tags, Malen nachts. Denn: „Schlaf wird sowieso überbewertet.“ Hohen Wert hatte es für Falk hingegen, dass sie über die Leiterin vom Krimifestival München, der Herrschingerin Sabine Thomas, den Kontakt zu Uli Weidenbach fand. Denn der Galerist und Jäger rückte prompt in den Fokus der Krimi-Autorin, als sie für ihr neues Werk „Rehragout-Rendezvous“ recherchierte. „Da suchte ich einen Experten für dieses Rezept und rief in Herrsching an.“

Weidenbach rückte das Rezept nicht ohne Probe-Essen heraus. Der zweieinhalbstündige Schmaus in der Villa Carosa habe sich auf Seite 292 des neuen Eberhofer-Krimis niedergeschlagen, inklusive Rezept. „Jedes Küchengeheimnis habe ich aber nicht verraten“, so der Herrschinger schmunzelnd. Umso offenherziger lüftete er die Jalousien seines Kunstpavillons, worin 71 Werke von Rita Falk zu sehen sind. Die wenigen gegenständlichen Bilder zeigen Frauenfiguren mit stark vereinfachten Formen, manchmal etwas maskenhaft, manchmal mythisch, manchmal angelehnt an Gauguin. Die abstrakten Gemälde überwiegen und erinnern bisweilen an die Kunst der 50er Jahre. Falks Untergrund ist mal türkis-, mal petrol-, mal silberfarben; da werden die tanzenden Farbfelder mal rhythmisch im Pinselstrich gewischt, mal wie Regenbogenwolken ausgefüllt. Andernorts sind dicke Farbaufträge in Anthrazit und Braun so im Pinselstrich verzittert, als wären sie Spiegelungen auf welligem Wasser.

Ein mit sonnenblumengelben, pastosen Querstreifen gestaltetes Bild erinnert, mit etwas Abstand gesehen, ebenfalls an Spiegelungen im Wasser: vielleicht an einen Sonnenaufgang über dem Ammersee. Bürgermeister Christian Schiller griff jedenfalls zu und erwarb das Gemälde für die Gemeinde.

Noch ein weiteres Werk Rita Falks wechselte unter dem wohlwollenden Blick von LKA-Präsident Harald Pickert an diesem Abend den Besitzer: Ein mit vielen Farbreflexen an eine nächtliche Großstadtszenerie erinnernde Abstraktion wurde an den emeritierten Rechtsmedizin-Professor Wolfgang Eisenmenger übergeben, der das Bild bei einem Krimifestival-Event zugunsten des Vereins Münchner Blaulicht versteigern will, der sich den Bürgerbegegnungen in der Polizeiarbeit widmet. Somit blieb das Krimifestival Ausgangspunkt und Organisationsrahmen der Ausstellung.

Andreas Bretting

Die Ausstellung

„FülleVollerFühleFarben“ ist bis 28. August zu sehen, geöffnet Freitag, Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr in der Galerie Carosa, Gachenaustraße 53.

Auch interessant

Kommentare