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Das Beweisfoto: Benito Serravalle mit dem 1,70 Meter großen Waller, den er nachts vom Ufer aus dem Ammersee gezogen hat.

Bei Wartaweil

Rekordverdächtiger Riesen-Fang am Ammersee: Eine Stunde kämpfen Angler und Fisch

  • vonAndrea Gräpel
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Einen 1,70 Meter großen Waller hat Benito Serravalle aus dem Ammersee gezogen – vom Ufer aus dürfte das ein Rekord am See sein. Fast eine Stunde dauerte der Kampf zwischen Angler und Fisch, doch der Herrschinger gab nicht auf. Vom Fang hatten auch seine Nachbarn etwas.

Wartaweil/Herrsching – Als er seinen ersten Waller angelte, wurde Benito Serravalle aus Herrsching von seinen Anglerkollegen nur müde belächelt. 80 Zentimeter maß der Fisch, den er von seinem Lieblingsplatz am Ammersee bei Wartaweil an Land gezogen hatte. Das war im vergangenen Jahr – aber der Ehrgeiz war geweckt. In der vergangenen Woche hatte er Glück: Er hatte wieder einen Waller am Haken, diesmal 1,70 Meter lang und 23 Kilo schwer. „Das hat am Ammersee noch keiner geschafft“, freut er sich.

Wenn der passionierte Hobbyangler erzählt, klingt es ein bisschen wie in Ernest Hemingways Geschichte vom alten Mann und dem Meer. Nun ist Serravalle kein alter Mann, sondern erst 53 Jahre alt, und gezogen hat er den Waller aus dem Ammersee – vom Ufer aus, nicht von einem Boot. Und das ist das Besondere, denn der ein oder andere große Waller ist auch den Dießener Fischern schon ins Netz gegangen. Fischer Simon Rauch aus Dießen hatte 2011 innerhalb von zwei Wochen gleich zwei im Netz. Der erste war 1,77 Meter lang, der zweite 1,85 Meter und 28 Kilogramm schwer. Eine Sensation.

Irgendwann gab der Fisch auf, „dann war er platt“.

Eine Sensation war sein eigenes Erlebnis mit der Angel vom Ufer aus für Serravalle auch. Vor allem ein Abenteuer: 50 Minuten habe es gedauert, denn der Waller schwamm natürlich um sein Leben. Aber Serravalle hatte ihn fest am Haken. Immer, wenn der Fisch eine Pause machte, holte er die Schnur wieder ein, bis der Waller wieder losschwamm. Dieses Kräfte zehrende Spiel wiederholte sich einige Male. Irgendwann gab der Fisch auf, „dann war er platt“.

Serravalle ging dann ins Wasser und griff ihm in den Unterkiefer. Mit diesem „Wallergriff“ zog er den Fang an Land. „Ein einziger Adrenalinkick“, sagt der Hobbyangler. Und das mitten in der Nacht, denn Waller sind Nachtjäger. Wer vom Ufer aus einen fangen will, muss sich dem anpassen.

Serravalle angelt seit seinem 16. Lebensjahr. Sein Lehrer hatte ihm damals den Angelschein spendiert. Seitdem steht der Bauzeichner jede freie Minute an der Angel. „Das ist mein Workout“, sagt er. Dieses Mal trifft das auf jeden Fall zu. Serravalle steht meist am Ufer, nur manchmal angelt er auch vom Boot aus. Der Ammersee sei dafür zu groß, „da braucht man ein Echolot“. Vom Ufer aus mit einer 30 bis 40 Meter langen Schnur sei es einfacher. In dieser Nacht hatte Serravalle zwei Ruten im 45-Grad-Winkel am Ufer aufgebaut. Angebissen hat der Waller um 0.30 Uhr.

Der Angler brauchte Hilfe - und ein Beweisfoto

Als beide erschöpft an Land waren, sowohl Waller als auch Angler, rief der Herrschinger seine Freundin Katrin Weißmann an. „Ich brauchte Hilfe, um ihn wegzuschaffen.“ Und jemanden, der das Beweisfoto macht. Etwa eine Stunde war der Fisch aus dem Wasser, bevor Serravalle ihn dann zu Hause in die Badewanne legte. „Nach 15 Minuten fing er wieder an zu atmen“, erzählt Serravalle. Das sei nicht ungewöhnlich. Waller seien zäh. Zumeist werden Waller als Welse bezeichnet, sie sind die größte reine Süßwasserfischart in Europa. In Osteuropa erreichen Waller eine Größe von bis zu drei Metern. Waller ernähren sich von Würmern, Schnecken, Insekten, Krebsen und Fischen sowie mit zunehmender Größe auch von Fröschen, Mäusen, Ratten und sogar Vögeln.

Am nächsten Tag nahm Benito Serravalle den Fisch aus, zerlegte ihn und verschenkte ihn an Nachbarn. „Das fördert die Nachbarschaft“, sagt er lachend, außerdem isst der passioniere Angler selbst keinen Fisch. Natürlich hat er auch seinen Anglerfreunden im Angelshop an der Bahnhofstraße stolz von dem nächtlichen Abenteuer berichtet. Er grinst: „Da hängt jetzt mein Foto. Das erste in der Hall of Fame.“

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