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Anfassen erlaubt: Die ausgestopfte Biber-Dame Bärbel bekam am Montag viele Streicheleinheiten. Bürgermeister Christian Schiller (l.) und Biberbeauftragter Franz Wimmer (2.v.l.) waren begeistert vom Interesse der Herrschinger.

Safari am Ammersee

Zu Besuch bei Herrschings Bibern

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Knapp 200 Herrschinger wanderten am Montagabend auf den Spuren des Bibers. Damit war die erste Biber-Safari der Gemeinde für die Veranstalter Christian Schiller und Franz Wimmer ein voller Erfolg – doch die Hauptdarsteller des Abends machten sich zunächst rar.

Herrsching – Sie nagen an Bäumen, bauen Erdlöcher aus Schlamm und Ästen im Ammersee, und dennoch haben Biber in der Gemeinde Herrsching offenbar viele Fans. Knapp 200 Bürger machen sich am Montagabend auf die Suche nach den Nagetieren – Bürgermeister Christian Schiller und Biberberater Franz Wimmer vom Landesbund für Vogelschutz hatten zur Biber-Safari in die Herrschinger Bucht eingeladen.

Bevor die Safari-Teilnehmer auf einem Privatsteg nach den Tieren Ausschau halten, erklärt Wimmer mithilfe von Präparat Bärbel alles, was man über die Stars des Abends wissen sollte. „Er wird bis zu 30 Kilo schwer und ist inklusive Schwanz bis zu 1,30 Meter lang“, sagt Wimmer. „Sein Körper ist an seinen Lebensraum im Wasser angepasst: torpedoähnlich geformt mit kurzen Armen und Beinen.“

Biber haben dichtes Fell, orangerote Vorderzähne und eine Putzkralle

Weitere Besonderheiten des Seebewohners: Er besitzt eine Putzkralle, mit der er sich kämmt, seine Vorderzähne sind orangerot und mit bis zu 23 000 Haaren auf einem Quadratzentimeter Haut hat er ein besonders dichtes Fell. Dieses Fell ist auch ein Grund, warum Biber gejagt und 1867 in Bayern sogar ausgerottet wurden. Nun ist das Tier im Landkreis aber wieder auf dem Vormarsch. „1966 hat man Biber aus Restbeständen aus Russland und Skandinavien ausgesetzt“, erzählt Wimmer. „Sie haben sich mittlerweile verbreitet.“ Vor 20 Jahren kehrten die Biber an den Ammersee zurück, seit zehn Jahren sind sie auch am Starnberger See wieder anzutreffen.

Genehmigte sich ein Schilfrohr: einer der Biber aus der Herrschinger Bucht.

„Derzeit gibt es im Landkreis so viele Biber wie noch nie“, sagt Wimmer. Rund 30 Familien – und damit schätzungsweise etwa 90 Tiere – bevölkern heute das Fünfseenland. In den kommenden Jahren wird die Ausbreitung in der Region aber vermutlich stagnieren oder sich zumindest verlangsamen. „Bald sind alle günstigen Biber-Reviere besetzt“, erklärt Wimmer. Die nächsten Biber-Generationen müssen deshalb auf Gewässer in benachbarten Landkreisen ausweichen. Denn sobald Biber-Nachkommen zwei Jahre alt sind, verscheuchen die Elterntiere sie aus dem Unterschlupf, und sie müssen sich ein neues Revier suchen. Jedes Biber-Paar bekommt zudem pro Jahr nicht mehr als zwei Kinder, und die Partner bleiben in der Regel ihr ganzes Leben lang zusammen. In jedem Biber-Revier leben maximal sechs Biber; die Elterntiere und die letzten beiden Jungtiergenerationen.

Sechs Biber zeigten sich am Montagabend in der Herrschinger Bucht

Eine der beiden Biber-Familien, die in der Herrschinger Bucht Reviere besetzen, taucht am Montag dann tatsächlich auf – zwar erst eineinhalb Stunden nach Beginn der Safari, dafür aber mit allen sechs Familienmitgliedern. Wer bis dahin am Ammersee ausgeharrt hat, wird für seine Geduld belohnt. Die Biber knabbern unweit des Steges an Schilfrohren und schwimmen munter umher.

Wer die Tiere in freier Wildbahn beobachten will, sollte zwischen 19 und 21 Uhr an der Herrschinger Bucht sein Glück versuchen. Weitere Biber-Familien befinden sich unter anderem im Herrschinger Moos und entlang der Würm. Wegen des großen Interesses planen Schiller und Wimmer bereits eine zweite Safari. Im September wollen sie den Bibern erneut einen Besuch abstatten.

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