Auch bei täglicher Leerung, quillen die Mülleimer an der Herrschinger Seepromenade über.
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Auch bei täglicher Leerung, quillen die Mülleimer an der Herrschinger Seepromenade über.

406 Kubikmeter Abfall

Scheint die Sonne, quillt der Müll über

  • vonAndrea Gräpel
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Das vergangene Jahr hat der Gemeinde Herrsching einen traurigen Rekord beschert: Noch nie musste der Bauhof so viel Müll beseitigen, wie im Jahr eins der Pandemie. „Man braucht sich aber nicht wundern, wenn man runter schaut und die Massen an Leuten sieht“, sagt Bauhofleiter Hermann Sontheim mit Blick Richtung Uferpromenade.

Herrsching - Als FDP-Gemeinderat Alexander Keim in der Gemeinderatssitzung am Montag darum bat, dass der Bauhof bitte auch sonntags Mülleimer leeren sollte, musste Bürgermeister Christian Schiller fast lachen. Der Rathauschef weiß natürlich, dass seine Bauhof-Mitarbeiter bei schönem Wetter schon seit März täglich unterwegs sind – auch samstags und sonntags. „Wir würden uns ja selbst keinen Gefallen tun, wenn nicht“, sagt Sontheims Stellvertreter Josef Mörtl. Nur wenn es regnet, lassen die Bauhof-Mitarbeiter am Wochenende auch mal alle fünf gerade sein. Aber das sei eher selten.

Rund 130 Mülleimer sind im Gemeindegebiet Herrsching verteilt – von Wartaweil bis Breitbrunn. Sie werden regelmäßig geleert. Sontheim, seit 34 Jahren im Bauhof beschäftigt, kann sich erinnern, dass im Winter früher alle sechs Wochen „Müll gefahren“ wurde. „Mittlerweile ist es dreimal die Woche und jetzt gerade täglich“, sagt er. Sobald die Temperaturen steigen, seien er und seine 14 Mitarbeiter im Einsatz. Morgens um sieben, auch an den Wochenenden. „Wir haben schon fast kein freies Wochenende mehr“, sagt Sontheim.

Mörtl zeigt Fotos, die er am vergangenen sonnigen Wochenende gemacht hat. Jeder Mülleimer überfüllt, drum herum stapeln sich Berge von Pizza-Schachteln. „Sonntags früh schaut es so aus“, sagt Mörtl, „das ist alles To-go-Zeug.“ Er zeigt durchaus Verständnis, da sich die Gastronomie ja irgendwie über Wasser halten muss, wenn sie schon nicht öffnen darf. Die Müllberge machen ihn dennoch immer wieder Staunen.

Innerhalb einer Woche sammelt sich auf dem Bauhof Müll, der zwei, wenn nicht drei Container füllt. Ein Container fasst jeweils sieben Kubikmeter. Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 406 Kubikmeter zusammen, inklusive Arbeitsstunden habe dies die Gemeinde knapp 100 000 Euro gekostet. 2019 waren es noch 378 Kubikmeter Müll.

Drei bis vier Stunden sind die Mitarbeiter unterwegs, um den Müll einzusammeln, „je nachdem, wie viel wir zusammenklauben müssen“. Denn mit Müllsack-wechseln ist es meist nicht getan, zu viel liegt neben her. „Wir tun, was wir können“, sagt Mörtl. Sontheim sagt ganz offen: „Es macht keinen Spaß mehr. Ich bin froh, wenn ich in Rente geh.“ Auch deshalb, weil die wenigsten Leute die Arbeit des Bauhofs schätzen. „In der heutigen Zeit sind wir ja schon froh, wenn wir nicht geschimpft werden“, selten komme ein Lob. Und noch etwas: Dem Bauhofleiter lagen die Grünanlagen immer am Herzen. „Die waren wie mein Heiligtum“, sagt er. „Es tut weh, wie mittlerweile alles nur noch zusammengetrampelt wird.“ Wie zur Aufmunterung liegen bei den beiden Chefs tütenweise Gummibärli auf dem Schreibtisch, auf die jeder zugreifen kann. Nervennahrung. In der Hoffnung, dass sich mit Ende der Pandemie alles wieder entspannt, auch die Müllsituation, werden die Bauhof-Mitarbeiter weiter täglich nach dem Rechten schauen und auf Mülltour gehen.

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