Niedrigwasser war für den Breitbrunn Bootseigner ein Glück.

Aus dem Gerichtssaal

Schifferlversenken unter Nachbarn

Ein Nachbar, dem das Fenster durch ein Boot auf einem Hänger verstellt war, hat seine eigene Art gefunden, seinen Unmut darüber loszuwerden: Er hat es angebohrt.

Breitbrunn– Ein 65-jähriger Industriekaufmann aus Jesenwang musste sich vor Gericht verantworten, weil er in das Segelboot seines früheren Nachbarn heimlich Löcher gebohrt und es teilweise zum Sinken gebracht hatte. Motiv: Rache, Sachschaden mindestens 2000 Euro. Der momentan wegen eines Diebstahlsdelikts in der Justizvollzugsanstalt Bernau einsitzende, mehrfach vorbestrafte Angeklagte zeigte sich in der Gerichtsverhandlung geständig und beschönigte auch nichts.

Weil der Nachbar, Betreiber eines Bootsservices in Breitbrunn, im Juni 2015 ein sieben Meter langes Boot direkt vor das Wohnzimmerfenster des zur Miete wohnenden Kaufmanns gestellt hatte, sei es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, so der 65-Jährige. „Das aufgebockte Boot hat mir in kompletter Länge meines Fensters die Sicht verdeckt und alles verdunkelt“, beschrieb er seine damalige Not. Erst habe es geheißen, „nur für ein paar Tage“, dann seien Wochen und Monate draus gewor-den. Mehrfache Versuche, den Bootsbesitzer zu einem anderen Abstellplatz auf dessen Grund zu bewegen, waren fruchtlos gewesen. „Sonst nur kiesiger Untergrund“, so die Begründung.

Als sich die Stimmung zwi-schen dem Bootsservice-Betreiber und dem Mieter ähnlich eintrübte wie die Zimmeraussicht und dem Mieter ein schriftliches Grundstücks-Betretungsverbot in die Wohnung flatterte, schritt der in einer August-Nacht in alkoholisiertem Zustand zur Rache-Aktion: Mit einem Spiralbohrer bohrte er einige vier Millimeter große Löcher in den Bootsrumpf – die Folgen bekam der Bootseigner dann Ende September zu spüren, als er das Boot erstmals wieder zu Wasser ließ. Das Boot ging nur deshalb nicht ganz unter, weil der See gerade Niedrigstand hatte. „Es stand mit dem Kiel im Dreck, ich musste es innen nochmal komplett herrichten“, berichtete der Geschädigte, der das Boot danach nur noch zum halben Preis verkaufen konnte.

Obwohl der Angeklagte komplett geständig war und sich beim Ex-Nachbarn entschuldigte, hielt ihm der Staatsanwalt vor: „Für so was san S’ echt z’oid!“ Die Strafe erhielt er für „gefährlichen Eingriff in den Schiffsverkehr und Sachbeschädigung“. Die laufende Vollzugsstrafe von vier Monaten wurde auf neun verlängert: Im Juristen-Deutsch heißt das Gesamtstrafenbildung. Der Anklagevertreter bestand zudem noch auf „formloser Einziehung des Spiralbohrers als Tatwerkzeug“.      Thomas Lochte

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