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Auf einmal stand die Familie vor dem Landratsamt. Geschickt haben will sie aber niemand.

Asyl

Schiller: „Ich habe die Flüchtlinge nicht ins Taxi gesetzt“

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Herrsching/Starnberg - Die Geschichte sorgte am Dienstag für Aufsehen: Der Bürgermeister von Herrsching, Christian Schiller, setzte angeblich eine Flüchtlingsfamilie ins Taxi zum Landratsamt. Jetzt behauptet Schiller: „Ich war das nicht, die Idee kam von Landrat Karl Roth.“

Die Stimmung Christian Schillers als gereizt zu beschreiben, trifft es nicht ganz, als er sich in der Redaktion des Starnberger Merkur meldet. Er fühlt sich zu Unrecht als Buhmann hingestellt. Was ist passiert? Ein syrischer Familienvater hatte nach Anerkennung seines Flüchtlingsstatus den Antrag gestellt, seine Familie nach Deutschland zu holen. Der Helferkreis hatte Geld gesammelt und die Flugtickets gekauft. Am Dienstagmorgen stand die Familie dann im Herrschinger Rathaus auf der Matte (wir berichteten). 

Schiller: Roth war es

Ab da gehen die Darstellungen weit auseinander. Fakt ist, dass die Familie in ein Taxi gesetzt und zum Landratsamt in Starnberg gefahren wurde. Wer allerdings die Idee dazu hatte, daran schieden sich gestern die Geister. Schiller behauptet, die Anregung sei von Landrat Karl Roth gekommen. „Ich habe ihn angerufen und den Fall geschildert, ihm dann angeboten, die übernächtigte und erschöpfte Familie in die Asylunterkunft des Landkreises in Breitbrunn bringen zu lassen. Roth sagte daraufhin, ich solle sie ins Taxi setzen und ins Landratsamt schicken. Da würde man die Sache öffentlich machen“, erzählt der Herrschinger Bürgermeister. Dass ihm nun die Aktion angelastet werde, findet er zum – Schiller verwendet ein drastisches Schimpfwort. „Damit wird Lobbyarbeit auf dem Rücken von Flüchtlingen gemacht“, stellt Schiller klar. Er verstehe auch nicht die vorgebliche Verwunderung Roths: „Er wusste seit Mai, dass das Problem besteht. Ich habe das in jeder einzelnen Bürgermeisterberatung angesprochen.“

Dazu hieß es gestern aus dem Landratsamt: Schiller habe bei all den Sitzungen keine Gelegenheit verstreichen lassen anzukündigen, dass er, falls die ersten Familien bei ihm eintreffen, diese umgehend im Taxi nach Starnberg schicken werde.

Roth: Schiller war es

Landrat Karl Roth gab sich durchaus diplomatischer, blieb aber in der Sache bei seiner Darstellung: „Ich habe das Taxi weder bestellt, noch jemanden zu der Aktion aufgefordert und schon gar nicht die Fahrt bezahlt“, sagte er. Die Darstellung Schillers, er habe die ganze Aktion initiiert, um Druck auf die Regierung Oberbayerns zu machen „muss ich entschieden von mir weisen“.

Aber darum gehe es auch gar nicht, so Roth. Sondern darum, dass das Problem endlich geklärt werden müsse. Und zwar so, dass weder Landkreis noch Gemeinden auf den Unterbringungskosten für die anerkannten Flüchtlinge und ihre Familien sitzenbleiben. „Derzeit steuert der Bund nur 30 Prozent zu den Unterbringungskosten bei. Ein Gesetzentwurf, wonach Berlin für drei Jahre die Kosten in voller Höhe übernimmt, liegt zur Unterschrift bei Finanzminister Wolfgang Schäuble“, meinte er.

Zudem fordert Roth, dass die Regelungen zum Familiennachzug überarbeitet werden müssen. In den ersten drei Monaten nach Anerkennung müsse dieser Antrag genehmigt werden. „Wir müssen dahin kommen, dass der Antrag erst genehmigt wird, wenn der Antragsteller nachweist, dass er Arbeit und entsprechenden Wohnraum hat, um seine Familie unterzubringen“, so Roth.

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