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Flott unterwegs: Stierkalb Pius tobt sich aus. Katharina Braun, eine Freundin der Hofbesitzerin Annette Drexl, passt auf das quirlige Jungtier auf. 

Landwirtschaft

Pius, das rasende Stierkalb

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Pius trägt zu drei Viertel Gene der extrem gefährdeten Rinderrasse Murnau-Werdenfelser in sich.  Nicht nur deshalb zählt das Stierkalb zur Familie. 

Schlagenhofen– Er ist 90 Zentimeter groß, etwa 100 Kilo schwer und schnell wie der Wind: Die Rede ist von Pius, dem rasenden Stierkalb aus Schlagenhofen. Vor acht Wochen erblickte Pius auf dem Bauernhof der Familie Drexl das Licht der Welt. „Ich war bei seiner Geburt dabei und bin die halbe Nacht im Stall gestanden“, erzählt Hofbesitzerin Annette Drexl (48). Seitdem hat Pius bereits ordentlich zugelegt. Am liebsten frisst das Stierkalb Heu, Silage und Zuckerrübenschnitzel. Neben dem Schlemmen hat Pius aber auch Spaß an Bewegung.

„Er gibt gerne Gas und rennt am liebsten durch den Garten“, erzählt Drexl. „Da hüpft er dann auch über Baumstümpfe oder springt quer über die Wiese.“ Katharina Braun, eine Freundin der Familie, begleitet Pius auf seinen Erkundungstouren durch den Garten. Wenn Pius besonders aufgedreht ist, lässt die Musikpädagogin ihn an einer Leine im Kreis laufen. Für Spaziergänge durchs Dorf ist Pius jedoch nicht zu haben. „Davor hat er zu viel Angst“, sagt Drexl. Er habe sich aber schon einmal bis zum Buswartehäuschen getraut, berichtet die 48-Jährige stolz. „Das hat ihn wohl interessiert.“ Weil Pius ein wenig ängstlich ist, braucht er viel Zuwendung. „Er liebt es, wenn man ihn unter dem Kopf krault, mit ihm spricht und mit ihm durch den Garten spaziert“, erzählt die Hofbesitzerin. „Dann schnüffelt er gerne alles in seiner Umgebung an.“

Auf den ersten Blick macht Pius den Eindruck eines ganz normalen Stierkalbes. Aber Pius ist tatsächlich außergewöhnlich: Er stammt von einem Murnau-Werdenfelser Rind ab und ist selbst zu 75 Prozent Murnau-Werdenfelser. Diese robuste alte Rinderrasse aus Oberbayern gehört auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen zur Kategorie „extrem gefährdet“.

Drexl versucht bereits seit acht Jahren, ein reinrassiges Murnau-Werdenfelser Rind zu züchten. Zur Geburt ihres Sohnes Ludwig machte ihr Mann der 48-Jährigen ein besonderes Geschenk: Er organisierte die Besamung einer der elf Kühe am Familienhof durch einen Murnau-Werdenfelser Stier. Heraus kam das Kalb Penelope. Es wurde selbst dann von einem Vertreter der seltenen Rinderrasse besamt, sodass Pepsi, die Mama von Pius, auf die Welt kam.

Pius ist nun schon die dritte Generation, die die Gene des Murnau-Werdenfelser Rindes in sich trägt. Um einen reinrassigen Murnau-Werdenfelser zu züchten, muss aber vier Generationen in Folge ein weibliches Rind auf die Welt kommen. Pius ist jedoch ein Bub und bisher der einzige Nachwuchs von Pepsi. Für die Murnau-Werdenfelser-Zucht macht er Familie Drexl daher einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem ist die ganze Familie vernarrt in das junge Stierkalb.

Weil der Stall auf dem Drexl-Hof nicht vergrößert werden kann, musste Pius jetzt umziehen. „Mir ist es wichtig, dass unsere Tiere genug Platz haben und dass es ihnen gut geht“, betont Drexl. Deshalb hält die Familie nicht mehr als elf Kühe. Pius ist jetzt auf einem Bauernhof in Breitbrunn zuhause. „Es tut immer weh, wenn eines unserer Tiere geht“, erzählt Drexl. Beim Abschied habe sich Pius verhalten wie ihre Kinder: „Er hat sich nicht mal nach mir umgedreht“, sagt Drexl und lacht.

Vermutlich hat Pius gewusst, dass es kein Abschied für immer gewesen ist. Denn er und die Drexls bleiben in Kontakt. In zweieinhalb Jahren soll Pius beim Ochsenrennen in Münsing starten, angefeuert von seiner Familie. 

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