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Das sternförmige Schulgebäude auf dem MIS-Gelände in Buchhof bekommt eine der größten Solaranlagen des Landkreises. Eine ähnliche Anlage soll auf der geplanten Vierfachturnhalle nebenan entstehen. 

Große Solaranlage für MIS in Starnberg

Schleppende Energiewende: Deshalb stehen Bauherren in der Kritik

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Bauherren, Kommunen und Architekten vergessen Solaranlagen oft in ihren Planungen: Das beobachtet die Energie-Genossenschaft Fünfseenland. Sie ist nun erneut verantwortlich für ein Großprojekt: Die Munich International School in Starnberg wird energetisch saniert.

Landkreis Der Name „Energiewendezentrum“ klingt nicht nach einem kleinen Laden mit einer Döner-Bude nebenan. Ein Aktenschrank, ein Flyer-Ständer und eine Küchenzeile: Seit nun sechs Jahren ist die Energie-Genossenschaft Fünfseenland (EGF) an der Seestraße in Herrsching zuhause. Rund 450 Mitglieder helfen mit ihren Darlehen dabei, regenerative Energie zu nutzen und zu fördern.

Mehr als 200 Dachbesitzer hat die EGF bei der Umsetzung von Photovoltaik(PV)-Anlagen beraten. Die Projekte mit Bürgern, Firmen und Kommunen werden größer. Ein Heizblockkraftwerk und eine PV-Anlage versorgen seit etwa einem Jahr das Schulzentrum in Gilching. Genauso wie Rathaus, Schule und Kindergarten in Andechs. Über ein Nahwärmenetz in Seefeld verhandelt die EGF gerade, die die Anlagen teilweise selbst finanziert, bauen lässt und betreibt.

Die Bauarbeiten für das nächste Großprojekt beginnen in den Osterferien, wie EGF-Vorsitzender Gerd Mulert gestern mitteilte: Die Munich International School (MIS) auf dem Gut Buchhof in Starnberg wird energetisch saniert. Auf dem sternförmigen Gebäude mit Klassenräumen im Süden wird eine der größten Solaranlagen im Landkreis installiert. Das Dach hat Turnhallenformat. Die Anlage leistet 200 Kilowatt – und damit doppelt so viel wie die am Schulzentrum Gilching. Im Sommer sollen die Hauptarbeiten – inklusive eines von zwei Blockheizkraftwerken – abgeschlossen sein. Durch weitere, kleinere Arbeiten, die sich über fünf Jahre verteilen, sollen die CO2-Emissionen fast halbiert werden.

Photovoltaik gibt‘s oft nur, wenn Gemeinderäte nachhaken

Mehr als 500 000 Euro haben die EGF-Mitglieder laut Mulert schon als Darlehen bereitgestellt, 700 000 Euro seien das Ziel. „Das nachhaltige Umfeld sorgt für eine Riesenmotivation auf beiden Seiten“, sagt Mulert. Die MIS, die 1300 knapp Schüler aus 65 Nationen besuchen, hat die Nachhaltigkeit 2016 offiziell in die Schulstrategie geschrieben. Es gibt ein Umweltkomitee, das der Geschäftsführer Roman Friemel persönlich leitet. Vom Plastikverzicht über Blühwiesen bis zur Infrastruktur: „Wir schauen, was jeder einzelne und was die Gebäude tun können, um einen ökologischen Beitrag zu leisten“, sagt Friemel. Die MIS mietet die Anlagen von der EGF.

Die Begeisterung, die der EGF-Chef Mulert bei dem Schulprojekt verströmt, teilt er nicht, wenn man ihn auf den Stand der Energiewende im Landkreis anspricht. 2035 soll sie laut Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2005 vollzogen sein, der Landkreis also vollständig aus regenerativen Energien versorgt werden. Dieses Ziel könne aber nur „in einem anderen Tempo“ erreicht werden. „Wir laufen viel zu langsam – und nicht alle in die gleiche Richtung“, sagt Mulert. Obwohl Kapital und Know-How vorhanden seien, klemme es bei der Energiewende. „Bauherren, Kommunen und Architekten vergessen die PV-Anlagen oft in ihren Plänen oder haben sie nicht auf dem Schirm.“ Oft sei es einzelnen Gemeinderäten zu verdanken, die nachhaken und fragen: Wie wär’s eigentlich mit Solarenergie?

Mulert nennt die Feuerwehrhäuser in Herrsching und Hechendorf. In beiden Fällen habe man sich erst im Nachhinein – und nicht während der Planungen – auf eine PV-Anlage geeinigt. Die spätere Umsetzung mache nicht nur mehr Aufwand, sondern koste auch mehr Geld. Mulerts Fazit: Im Landkreis gibt es noch viel zu tun. Seine Vision existiert in Nachbarlandkreisen bereits: ein kommunaler Unternehmensverbund für Energie, Mobilität, Wasser und Co.

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