Entlastung im Alltag: Tagespflegeeinrichtungen unterstützen Angehörige und Pflegebedürftige.
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Entlastung im Alltag: Tagespflegeeinrichtungen unterstützen Angehörige und Pflegebedürftige.

Tagespflegeplätze

Schnellste Lösung, beste Lösung

  • vonAndrea Gräpel
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Die Bedarfsermittlung zu Tagespflege- und Kurzzeitpflegeplätzen im Landkreis wird in Herrsching seit 2019 erwartet und liegt nun endlich vor. Senioren- und Behindertenbeirat hatten bereits 2019 „Alarm“ geschlagen, parteiübergreifend haben 17 Gemeinderäte im März nachgelegt mit einem gemeinsamen Antrag, Tagespflegeplätze in Herrsching zu schaffen.

Herrsching - Bürgermeister Christian Schiller hatte für die Gemeinderatssitzung am Montag Friedrich Büttner dazu geladen. Der Leiter des Fachbereichs Sozialwesen im Landratsamt erläuterte die Situation in Landkreis und Gemeinde. H Herrsching ist eine von vier Gemeinden im Landkreis, die bislang keine Tages- beziehungsweise Kurzzeitpflege anbieten. Sowohl Senioren-als auch Behindertenbeirat hatten schon 2019 beantragt nachzubessern, denn nicht nur der Anteil der über 80-Jährigen ist groß in der Ammerseegemeinde, sondern auch der Anteil der behinderten Mitbürger ist landkreisweit mit 11,88 Prozent bei Weitem der höchste. Für beide Bereiche ist die Tendenz steigend. „Dem muss man Rechnung tragen“, fand auch Büttner.

Entsprechend dem im Februar veröffentlichtem Gutachten Pflege für Bayern sind für den Landkreis 153,6 förderfähige Tagespflegeplätze möglich. 103 gibt es, weitere entstehen in Gauting und Andechs. 20 bleiben auch danach vakant. Herrsching könnte sich darum bewerben, wenn Grundstück und Träger gefunden wären. Büttner machte deutlich, dass der zuerst mahlt, der zuerst kommt. Soll heißen, dessen Plätze würden zuerst gefördert, der sie zuerst beantragt. Ist die Höchstzahl 153 erreicht, gibt es keine Förderung mehr.

Dies war insofern von Belang, als das Bayerische Rote Kreuz (BRK) bereits Interesse angemeldet hatte. Wie berichtet, beabsichtigt das BRK die Unterbringung seiner Rettungswache auf einer Fläche im Herrschinger Gewerbegebiet. Kreis-Geschäftsführer Jan Lang hatte bei der Vorstellung der Pläne bereits gesagt, dass die Einrichtung von Tagespflegeplätzen dort ebenfalls denkbar sei. Und Büttner meinte am Montag nicht zu viel zu verraten, dass von 18 bis 20 Plätzen die Rede sei. „Das liegt über die Bauleitplanung aber in Ihren Händen“, sagte der den Gemeinderäten. Aktuell sei das BRK mit dem Grundstückseigentümer in Verhandlung, wusste Bürgermeister Schiller.

Es sei die Frage, ob die Gemeinde zusätzlich Plätze einrichten wollte, stellte Büttner als Frage in den Raum, als Christiane Gruber (BGH) einwarf, dass auch andere Träger in den Startlöchern stünden, der Herrschinger Hilfsdienst zum Beispiel. Mit ihr plädierte auch Alexander Keim (FDP) für Alternativen. Dies wäre möglich, wenn die Gemeinde bei der geplanten Schaffung von bezahlbarem Wohnraum Platz dafür am Mitterweg ließe. Schiller ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass er die BRK-Lösung vorziehen würde. „Wir können uns eigentlich glücklich schätzen, sonst würden uns am Mitterweg 200 bis 250 Quadratmeter Wohnraum fehlen.“ Für die Gemeinde wäre es deshalb kostengünstiger mit dem BRK, außerdem könne man ein langwieriges Ausschreibungsverfahren umgehen, bei dem am Ende auch nicht sicher sei, welcher Betreiber den Zuschlag erhält. Anke Rasmussen (Grüne) sprang Schiller zur Seite, als sie daran erinnerte, dass das BRK-Angebot nicht überraschend komme. Schon im Andechser Hof habe es Pläne gegeben, auch an der Keramikstraße sei mit dem Bau von Tagespflegeplätzen geliebäugelt worden, „was wir dort nicht wollten“.

Nicht glücklich mit dem nun gewählten Standort im Gewerbegebiet war Christoph Welsch (Grüne). „Mit dem BRK habe ich kein Problem, nur mit dem Standort.“ Der Platz sei eigentlich für etwas anderes gedacht, nämlich Gewerbe. „Es gibt Flächen, die geeigneter wären“, sagte Welsch und dacht an die Schindlbeck-Klinik, wenn es zu einer Klinik Zusammenlegung mit Seefeld kommt. Eine Untersagung im Gewerbegebiet sei aber rechtlich nicht möglich, sagte Schiller.

Am Ende machte Thomas Bader (CSU) Tempo: „Wir wollen schnellstmöglich eine Tagespflege haben, wir sollten keine Zeit verlieren.“ Und dies funktioniert eigentlich nur mit dem BRK und seinen Plänen im Gewerbegebiet. Die Unterzeichner des interfraktionellen Antrags einigten sich schließlich darauf, ihren Antrag vorerst zurückzuziehen und sich die Pläne des BRK in einer der nächsten Sitzungen vorstellen zu lassen.

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