Wirtin im Seehof Herrsching
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Gerda Reichert in den Räumen, die bei der Testung als Einbahnstraße genutzt werden können.

Private Initiative

Schnelltest im Seehof

  • vonAndrea Gräpel
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Getestet wird ab Montag: Innerhalb von einer Woche haben zwei Herrschinger Elternpaare ein Schnelltest-Zentrum in Herrsching aus dem Boden gestampft – ärztlich geführt, aber diesmal komplett privat.

Update: Früher als erwartet, kann das Schnelltestzentrum im Hotel Seehof in Herrsching nun schon ab Montag starten. Auch Terminvereinbarungen sind damit früher, nämlich ab sofort möglich unter www.coronaschnelltest-herrsching.de. Getestet werden können 60 Personen in einer Stunde. „Der Test an sich dauert nur maximal fünf Minuten. Das Corona-Schnelltest-Zentrum garantiert den Einsatz geprüfter, qualitativ hochwertigster Schnelltests“, so die leitende Ärztin Corinna Rittinghausen. Für die Durchführung des Tests und die Bedingungen wird ein hoher hygienischer Standard gewährleistet. Sie gelten auch entsprechend der neuen Vorgaben, für die man beim Einkauf im Einzelhandel ab kommender Woche einen zertifizierten negativen Test vorweisen muss.

Ursprungstext:

Herrsching - Mitgebracht hat diese Idee Julia Magenau aus Herrsching. Die 44-Jährige war zu Besuch bei einer Freundin in Flensburg– noch vor Kurzem ein Corona-Hotspot. Dort würden aktuell überall Selbsttests angeboten, um dem Virus die Stirn zu bieten. „Ich bin da so oft getestet worden“, erzählt die Mutter von zwei Kindern im Alter von vier und sieben Jahren. Unter anderem auch bei ihrer Freundin, die in einer Privatinitiative ein Wohnmobil auf einem Supermarktparkplatz aufgestellt hat, in dem kostenlos Schnelltests angeboten werden. Als Julia Magenau nun zurückkehrte und sich auch in Herrsching testen lassen wollte, bekam sie keinen Termin – weder in der Nikolaus-Apotheke, die Tests anbietet, noch bei Ärzten. Alle waren schon ausgebucht. So entstand die Idee, Testungen ähnlich wie in Flensburg privat zu ermöglichen und damit mehr Freiheiten zu gewinnen. Denn auch Julia Magenau als Inhaberin von „Elternglück“, einem Projekt, das Eltern von der Schwangerschaft bis in die ersten Lebensjahre der Kinder begleitet, darf seit einem Jahr nicht arbeiten und wünscht sich nichts mehr, als bald wieder öffnen zu können. Denn „mein Verein ist mein Lebenswerk“.

Aus dem Kindertreff, wo die jüngste Tochter von Julia und Lars Magenau betreut wird, kennt das Ehepaar Corinna und Hans Rittinghausen, Eltern von drei kleinen Kindern. Er ist Geschäftsführer des gleichnamigen Pharmaunternehmens in Inning, und sie Ärztin. Beide waren sofort bereit, diese Initiative zu unterstützten. Sogleich wurden Helfer angeworben.

Als zentrale Schaltstelle erwies sich durch Zufall Bürgermeister Christian Schiller. Ihn hatten die beiden Elternpaare auf der Suche nach Räumlichkeiten kontaktiert. Und weil auch Gerda Reichert, Wirtin vom Seehof in Herrsching, schon bei ihm angeklopft hatte, fügte sich eines zum anderen. Unabhängig von der Initiative hatte Gerda Reichert den Apotheken in Herrsching angeboten, ihre Räumlichkeiten kostenlos zu nutzen. Es bestand kein Bedarf. Gerda Reichert informierte Schiller, falls er von einem Bedarf erführe. Das tat er durch Julia Magenau und die schwärmt nun von einer „ganz tollen Kooperation“.

Auch der Seehof ist momentan geschlossen. „Wir wollen ja alle, dass die Gäste wieder zu uns kommen dürfen“, sagt die Gastronomin. Darum reagierte sie, nachdem sie einen Radiobeitrag zu Schnelltest gehört hatte. „Das ist mein Beitrag für die Allgemeinheit“, sagt die 44-Jährige. Und schneller als von allen erwartet soll es am Mittwoch, 14. April, schon mit dem ersten privaten „vom Gesundheitsamt beauftragten, ärztlich geführten Schnelltest-Zentrum“ losgehen. Einmal pro Woche ist auch dort künftig eine kostenlose Testung möglich, Termine sind ab Samstag, 10. April, unter www.coronaschnelltest-herrsching.de zu vereinbaren.

Über soziale Medien wurde das Projekt bereits beworben, rund 70 Menschen meldeten sich, vorrangig medizinisches Personal, das schon geimpft ist und in Teil-, Vollzeit oder als 450-Euro-Kraft mithilft. Die beiden Elternteile nehmen für das Projekt 70 000 Euro aus der eigenen Tasche in die Hand. Geld, das ihnen von Krankenkassen und Staat zurückerstattet werden sollte. „Wenn’s gut läuft, dann verdienen wir auch ein bisschen“, sagt Julia Magenau ehrlich. „Aktuell ist aber alles ehrenamtlich.“

Schon am Wochenende beginnen die Schulungen in zwei Gasträumen des Seehofs, die bei den Tests als Einbahnstraße genutzt werden können. Durch den einen geht es von der Terrasse aus hinein und durch den Gartensaal wieder hinaus. Ergebnisse seien 15 bis 30 Minuten später per App oder im Internet zu erfahren. Geöffnet sein soll montags bis freitags von 7 bis 14 Uhr und von 16 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr. Das Ziel: „Dass die Getesteten bald wieder ins Restaurant und Café gehen oder Dampfer fahren können.“

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