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Landtagsabgeordnete in der Realschule: Dr. Ute Eiling-Hütig von der CSU beantwortete Fragen der Herrschinger Schüler. Zuvor waren diese selbst als Abgeordnete in einem Rollenspiel gefragt.

Planspiel

„Einfach ran an die Politik“

Beim Planspiel „Der Landtag sind wir“ durften Schüler der Herrschinger Realschule für einen Tag in die Rolle eines Politikers schlüpfen. Wie im echten Landtag war die Videoüberwachung ein Streitthema.

Herrsching – Aufgeregtes Gemurmel ist in den Reihen der Abgeordneten zu hören, als Landtagspräsident Lukan Steipe die Plenarsitzung in der Herrschinger Realschule eröffnet. Aber seit wann sprechen Landtagspräsidenten in Schulklassen? Und seit wann sind die Abgeordneten Jugendliche? Das Planspiel „Der Landtag sind wir“ macht’s möglich.

Rollentausch für die Schüler der Klassen 10a und 10f: Einen Tag lang waren sie am Freitag Politiker. Zu Beginn wurden die jungen Politiker per Zufallsprinzip einer Partei zugewiesen. Lukan durfte daher nicht, wie sein Vater, der Gilchinger Kreis- und Gemeinderat Peter Unger, zu den Grünen. Stattdessen musste er sich in seine Rolle als CSU-Politiker einfinden. „Das ist für mich kein Problem“, sagte Lukan. „Nur weil mein Papa Grüner ist, bin ich das ja nicht automatisch auch.“ Die anderen Planspielteilnehmer waren ebenfalls zufrieden mit ihrer Partei – es konnte losgehen mit den Debatten. Zur Diskussion stand das Thema Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen. Einen Gesetzesentwurf der CSU galt es zu überarbeiten. Dafür fanden sich die Fraktionen in Ausschüssen zusammen.

Am späten Vormittag stellten die Fraktionssprecher ihre Ergebnisse im Plenum vor. Die CSU forderte, Kameras an öffentlichen Plätzen aller Orte mit über 30 000 Einwohnern zu installieren. Die Grünen wollten Überwachung nur in Städten mit mehr als 80  000 Einwohnern. Umstritten war unter den Schülern auch, wie lange das Videomaterial gespeichert werden soll.

Der Landtag einigte sich darauf, die Daten drei Monate zu speichern und Kameras in Orten mit über 80 000 Einwohnern zu installieren – kleinere Städte sollten Kameras beantragen können.

Nachdem die „Abgeordneten“ das „Gesetz“ verabschiedeten, beantwortete eine echte Landtagsabgeordnete Fragen. „Ich bin beeindruckt vom Engagement der Jugendlichen. Bei manchen Aussagen habe ich mich tatsächlich im Plenarsaal gesehen“, lobte Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU).

Diese Meinung teilt Julian Woijtachna vom Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilian-Universität München. „Die Schüler haben super mitgearbeitet“, sagt er. Mit seinem Kollegen Simon Kirnberger organisiert er im Auftrag des Bayerischen Landtags Planspiele an Schulen in ganz Bayern, um Jugendlichen Politik näherzubringen.

„Ich finde es gut, dass man in die Rolle eines Politikers reinschnuppern kann“, sagte Lea Preisinger (15) aus Inning. Sie interessiere sich für Politik und diskutiere mit ihren Eltern über politische Themen. Politisch Interessierten rät Eiling-Hütig, sich die Jugendparteien anzusehen. „Einfach ran an die Politik“, ermutigt sie die Schüler. Den ersten Schritt in Richtung Politik haben die Jugendlichen mit dem Planspiel „Der Landtag sind wir“ schon gemacht.

Alicia Schmidbauer

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