Herrschinger Schindlbeck-Klinik
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Die Herrschinger Schindlbeck-Klinik: Das BRK vermutet, dass das Virus über einen Patienten von dort ins Pflegeheim gelangte.

Die schwere Suche nach der Ursache

18 Tote im Pflegeheim: Woher kam Corona-Patient 0?

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Wer ist Patient 0 im BRK-Schloss in Garatshausen? Nachdem das Rote Kreuz einen ehemaligen Patienten der Schindlbeck-Klinik in Herrsching vermutet, weist Geschäftsführer Dr. Robert Schindlbeck diesen Verdacht entschieden zurück.

Herrsching/Garatshausen – Diese Vermutung hat ihnen keine Ruhe gelassen: Kann es wirklich so gewesen sein, dass ein ehemaliger Patient der Schindlbeck-Klinik in Herrsching nach seiner Verlegung ins BRK-Schloss Garatshausen in dem Pflegeheim einen Corona-Ausbruch ausgelöst hat, der binnen vier Wochen 18 Menschen das Leben gekostet hat? Die Verantwortlichen des BRK um Kreisgeschäftsführer Jan Lang hatten diese Vermutung geäußert – und damit bei Personal und Chefs in Herrsching Verwunderung, Verärgerung und Arbeit ausgelöst.

„Wir haben noch mal 500 bis 600 Patientenakten durchgeschaut“, erklärt Klinik-Geschäftsführer Dr. Robert Schindlbeck im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember ist überhaupt nur ein Patient von uns nach Garatshausen verlegt worden. Und der war negativ.“ Dieser Patient sei am 17. November aus einer psychosomatischen Einrichtung nach Herrsching gebracht worden, sagt Schindlbeck. Gleich danach sei er mittels eines PCR-Tests, dem bislang sichersten Testverfahren, auf das Virus hin überprüft worden. Ergebnis: negativ. In den folgenden zwei Wochen sei der Mann internistisch behandelt worden. Am 1. Dezember sei bei dem Patient vor seiner Verlegung nach Garatshausen erneut ein PCR-Test vorgenommen werden. Ergebnis: wieder negativ.

„Er kann bei uns nicht positiv gewesen sein“, leitet Schindlbeck aus den Ergebnissen ab und sagt: „Es wird uns ein Rätsel bleiben, wie das BRK auf seine Vermutung kommt.“ Er und seine Chefärzte glauben eher, dass sich der Mann in Garatshausen infiziert hat.

Das wiederum kann sich Marcus Wicke nicht vorstellen. Er ist BRK-Pflege-Bereichsleiter und in dieser Funktion auch mit der Aufarbeitung des Vorgangs in Garatshausen beschäftigt. „Natürlich überlegen wir, wo das Virus her sein kann“, sagt er. „Und natürlich sind Vermutungen nur Vermutungen. Aber wir lassen keine Angehörigen ins Haus und hatten zu der Zeit keinen positiv getesteten Mitarbeiter.“ Einziger Neuzugang sei der Patient aus Herrsching gewesen. Er könne sich erinnern, dass bei dessen Einlieferung ein negatives Testergebnis vorgelegen habe, sagt Wicke. „Das ist aber immer nur eine Momentaufnahme.“ Für ihn und seine Kollegen beim BRK sei die Spur nach Herrsching von daher „die naheliegendste Vermutung“.

Dr. Robert Schindlbeck ist Geschäftsführer der Herrschinger Klinik.

Wicke will das im Übrigen nicht ansatzweise als Kritik oder Vorwurf gegenüber der Arbeit von Medizinern und Pflegekräften in Herrsching verstanden wissen. „Wir wollen auf niemanden mit dem Finger zeigen“, sagt er. Es habe zu dem Zeitpunkt vonseiten des BRK auch keinen Grund gegeben, die Aufnahme des Mannes zu verweigern. „Wenn wir gewusst hätten, dass es an der Schindlbeck-Klinik einen Corona-Ausbruch gibt, hätten wir den Herrn vielleicht gar nicht aufgenommen, aber zumindest isoliert“, sagt er. Dieser Corona-Ausbruch mit insgesamt mehr als 50 infizierten Mitarbeitern und zehn Todesfällen ist aber erst am 8. Dezember bekannt geworden, also eine Woche nach der Verlegung des Mannes.

Die Klinik wurde daraufhin komplett heruntergefahren und nimmt erst seit voriger Woche wieder Patienten auf. Vier von fünf Stationen seien wieder in Betrieb, 50 bis 60 Patienten würden versorgt, sagt Schindlbeck. Die sieben Betten der Intensivstation seien komplett belegt. Seit Weihnachten habe es keine Neuinfektion mehr gegeben.

Seit Beginn der Pandemie seien in Herrsching rund 100 Covid-Patienten behandelt worden – „mit hervorragenden Erfolgen“, sagt Schindlbeck. Am heutigen Freitag beispielsweise könne ein Mann wieder entlassen werden, der zuvor „furchtbar schlecht beieinander“ gewesen sei und beatmet werden musste. „Das sind Erfolgsmeldungen, die auch unser Personal dringend braucht.“

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