Tanzstudio-Betreiberin Nina Fritzsche hat die Aktion initiiert.
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Tanzstudio-Betreiberin Nina Fritzsche hat die Aktion initiiert.

Klein-Studio-Betreiber

Sehnsucht nach dem Wohlfühlmoment

  • vonAndrea Gräpel
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Der Yoga-, Gesundheits- und Bewegungs-Boom ist am Landkreis Starnberg nicht vorbeigezogen. In den vergangenen Jahren sind überall kleine Studios mit individuellen Angeboten aus dem Boden geschossen. Allein in Herrsching gebe es mindestens 50 Trainer und Trainerinnen schätzt Nina Fritzsche, Betreiberin des Tanzstudios Eastcoast in Herrsching. Gut ein Dutzend Studio-Betreiber und Trainer haben sich in Herrsching nun zusammengeschlossen, um auf sich aufmerksam zu machen und in Erinnerung zu rufen. Ihre Nachricht: „Wir sind noch da – nur mit Euch“.

Herrsching - Trainiert werden durfte seit dem ersten Lockdown unter strengen Hygieneauflagen nur in fünf der vergangenen zwölf Monate, darunter zwei üblicherweise ohnehin wenig genutzte Sommermonate. Mehr als 50 Prozent der Schüler sei seither weggebrochen. Die Verbliebenen besuchen die Online-Kurse, auf die alle Anbieter unterdessen übergehen mussten. „Manche von uns musste die eigenen Räume aufgeben. Das hat Folgen für viele freie Trainer in Herrsching. Denn sie hängen an den Studios, die noch gehalten werden können“, sagt Nina Fritzsche. Der ein oder andere versuche sich mit kurzfristigen Alternativen in anderen Bereichen über Wasser zu halten, vielen sei das Geld ausgegangen. „Manche von uns haben neben den treuen Kunden auch staatliche Hilfen, Mieterleichterungen bekommen, aber vor allem funktionierende Online-Konzepte“, erklärt die Studiobetreiberin. Aber es werde mühsam. „Den Trainern fehlen nicht nur Einnahmen, sondern auch der menschliche Kontakt, die physische Begegnung, der gemeinschaftliche Sport, die Begeisterung und die Erfolge ihrer Kunden.“

Ergänzend zu den Sportvereinen und der VHS trainierten in den kleinen Studios zu normalen Zeiten rund 1000 Herrschinger wöchentlich, sagt Nina Fritzsche. Sie und ihre Kollegen sind froh über jeden Schüler, der ihnen die Treue hält, Beiträge zahlt. Aber Studiobetreibern und Trainern gehe allmählich doch die Luft aus, weshalb sie sich zu dieser ungewöhnlichen Aktion entschieden, mit der sie auf der großen Gemeindeplakatwand an der Bahnhofstraße hinweisen. Die Botschaft: „Wir brauchen euch, bleibt uns treu. Vergesst uns nicht, wenn es behutsam wieder losgeht.“

Studios und ihre Innenräume bleiben in Bayern vorerst geschlossen, eine konkrete Öffnungsstrategie gibt es zunächst nicht. Verstöße werden auch nach dem jüngsten Gipfel in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung als Ordnungswidrigkeit erwähnt, bei der ein hohes Bußgeld droht. Ein Zugeständnis wurde gemacht – unter freiem Himmel, wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt. Ein guter Zeitpunkt also, sich in Erinnerung zu rufen.

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