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Ingrid Frömming gestorben: Sie war die Grande Dame der CSU im Landkreis

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Von: Peter Schiebel

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Ingrid Frömming zwei Tage vor ihrem 90. Geburtstag im November vergangenen Jahres. Weil es die Pandemie damals nicht zugelassen hatte, wollte sie am 18. Juni groß nachfeiern.
Ingrid Frömming zwei Tage vor ihrem 90. Geburtstag im November vergangenen Jahres. Weil es die Pandemie damals nicht zugelassen hatte, wollte sie am 18. Juni groß nachfeiern. © Dagmar Rutt

Die große alte Dame der Landkreis-CSU ist tot. Ingrid Frömming aus Herrsching ist am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben. Weggefährten verneigen sich voller Dankbarkeit vor der ehemaligen Vizelandrätin und Parteivorsitzenden.

Herrsching – Die Einladungskarten waren bereits verschickt. Am 18. Juni wollte Ingrid Frömming im Andechser Hof in Herrsching ihren 90. Geburtstag nachfeiern. Familie, Freunde und Weggefährten sollten mit ihr ein paar Stunden beisammen sein. Corona hatte es unmöglich gemacht, die Feier an ihrem Jubeltag, dem 28. November, auszurichten. Nun wird nichts mehr daraus. Am Freitagabend ist die ehemalige CSU-Kreisvorsitzende, Vizelandrätin, Bezirks-, Kreis- und Gemeinderätin nach kurzer, schwerer Krankheit im Krankenhaus in Seefeld gestorben. Sechs Wochen nach dem Tod von Altlandrat Heinrich Frey verliert die CSU damit eine weitere große Persönlichkeit.

„Das ist ein großer Verlust“, sagt Altlandrat Karl Roth, der seit Jahrzehnten mit Frömming freundschaftlich verbunden war. Geboren in Ostpreußen, musste sie nach dem Krieg ihre Heimat verlassen. Ingrid Frömming verbrachte lange Jahre in Namibia, lernte dort als sogenannte Hausdame ihren späteren Ehemann Hans kennen, der zwei Farmen in dem Land verwaltete. 1965 kehrte die Familie, zu der mittlerweile die Söhne Heinrich und Fritz gehörten, nach Deutschland zurück. Für ein paar Jahre lebten sie in Breitbrunn, später in Herrsching, wo sie eine bis heute bestehende Handelsvertretung aufbauten. 1972 kam in Starnberg der dritte Sohn, Dietrich, zur Welt.

Nebenher war die Politik die große Leidenschaft Frömmings. 1978 wurde sie erstmals in den Herrschinger Gemeinderat gewählt, dem sie 25 Jahre lang angehören sollte. 1987 übernahm sie, als erste Frau überhaupt, den Vorsitz der Landkreis-CSU. 1990 kam sie in den Kreistag, wurde sechs Jahre später für eine Wahlperiode die Stellvertreterin des damaligen Landrats Heinrich Frey.

Ingrid Frömming und der damalige Landrat Heinrich Frey: Sechs Jahre lang, von 1996 bis 2002, war sie Freys Stellvertreterin im Landratsamt. Frey ist vor sechs Wochen, am 7. April, im Alter von 82 Jahren gestorben. „Ihr Geist weht weiter“, sagt Altlandrat Karl Roth über die beiden großen CSU-Persönlichkeiten.
Ingrid Frömming und der damalige Landrat Heinrich Frey: Sechs Jahre lang, von 1996 bis 2002, war sie Freys Stellvertreterin im Landratsamt. Frey ist vor sechs Wochen, am 7. April, im Alter von 82 Jahren gestorben. „Ihr Geist weht weiter“, sagt Altlandrat Karl Roth über die beiden großen CSU-Persönlichkeiten. © Archiv

„Sie war eine Pionierin für die Sache der Frauen“, sagt die amtierende Vorsitzende der Herrschinger CSU, Fromuth Heene. Bis zum Schluss sei sie „interessiert, klar und freundlich“ gewesen. Als „unglaublich diszipliniert und mit einer klaren Haltung zu politischen Themen“ bezeichnet die vor kurzem gewählte CSU-Kreisvorsitzende Dr. Ute Eiling-Hütig die Verstorbene. Frömming sei „eine wahnsinnig faszinierende Persönlichkeit“ gewesen, die über einen unglaublichen Erfahrungsschatz verfügt habe.

„Ingrid Frömming war die personifizierte weibliche Kommunalpolitik“, sagt Herrschings Bürgermeister Christian Schiller. Auch wenn sie politisch nicht immer einer Meinung gewesen seien, so hätten sie trotzdem ein sehr inniges Verhältnis gehabt und sich bis zuletzt ausgetauscht. Vor allem im sozialen und im Bildungsbereich habe Frömming bleibende Spuren hinterlassen, sagt Schiller und erinnert an ihren Einsatz für den Neubau der Christian-Morgenstern- Grund- und Mittelschule und an die Gründung des Freundeskreises und Fördervereins Krankenhaus Seefeld, an dem sie maßgeblich beteiligt war. „Sie hat zwar ihren eigenen Willen gehabt, aber immer versucht, ein Miteinander zu schaffen“, sagt Schiller. „Streitbar und toll“ – Ingrid Frömming werde als Persönlichkeit unvergessen bleiben. Er sei sehr dankbar, dass er sich am Freitag noch von ihr im Krankenhaus habe verabschieden dürfen.

„Wir hatten bis zum Ende einen guten Draht zueinander“, sagt Landrat Stefan Frey. Frömming sei nicht nur eine enge Wegbegleiterin seines Vaters gewesen, sondern habe auch seine eigene Entwicklung mitgeprägt und seinen Wahlkampf bis unmittelbar vor der Pandemie unterstützt. Sie habe „intensiv, mit Überzeugungskraft und viel Empathie“ gewirkt. „Sie hat stets den richtigen Ton getroffen“, so Frey. Auch bei Karl Roth. Es sei nicht zuletzt Ingrid Frömming gewesen, die ihn Mitte der 1990er-Jahre unterstützt und gefördert habe, als er Bürgermeister von Andechs wurde, sagt er. Als er 2002 als ihr Nachfolger Vizelandrat wurde, habe sie ihn „ein bisschen an die Hand genommen und gezeigt, wie die Kreispolitik so läuft“. Mit Ingrid Frömming, der Grand Dame der CSU, und Heinrich Frey habe die Partei binnen weniger Wochen zwei große Persönlichkeiten verloren. „Aber ihr Geist weht weiter und wird noch sehr lange präsent sein“, sagt Roth.

Wann und in welchem Kreis Ingrid Frömming beerdigt wird, steht noch nicht fest. „Es wird bestimmt recht groß werden“, sagt ihr Sohn Fritz Frömming.

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