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An einer Genzübergangsstelle endete für das Paar aus Herrsching die Reise in die eigene Wohnung.

Irritierendes Erlebnis in Kiefersfelden

Sie wollten in ihre eigene Ferienwohnung: Paar an Grenze zu Österreich rigoros abgewiesen

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Ein Herrschinger Paar will nach der eigenen Ferienwohnung sehen, wird aber an der Grenze zu Österreich zurückgewiesen. Nach dem Corona-Test, der für die Einreise verlangt wird, wurden die Herrschinger nach eigener Aussage gar nicht gefragt. 

Herrsching – Skifahren im Winter, Mountainbiken im Sommer: Dafür ist die Ferienwohnung eines Herrschinger Paars in Kirchberg in Tirol das ideale Basislager. Regelmäßig und dann auch für mehrere Tage sei sie mit ihrem Mann dort, berichtet eine Leserin dem Starnberger Merkur. Die Frau, die lieber anonym bleiben möchte, schildert nun aber ein irritierendes Erlebnis an der Grenze zu Österreich in Kiefersfelden. Das Paar sei auf rigorose Art von einem Grenzbeamten abgewiesen und anschließend von der Polizei zurück auf deutschen Boden eskortiert worden – und das, obwohl sich Deutschland und Österreich auf eine Sonderregelung geeinigt hatten für jene, die im Nachbarland Liegenschaften besitzen.

Beide Bundesinnenministerien hatten am Freitag und Samstag Lockerungen an den Grenzen öffentlich gemacht, die Pressemitteilungen wurden prominent auf den Internetseiten platziert. Das Wesentliche aus der gemeinsamen Absichtserklärung, die auch mit der Schweiz vereinbart wurde: Bürger dürfen die Grenze wieder für wichtige Familienanlässe überqueren oder um Verwandte oder Lebenspartner zu besuchen. Ausnahmen gelten auch für Menschen, die Tiere versorgen müssen und für „Besitzer von selbst genutzten Liegenschaften und Schrebergärten sowie von Landwirtschafts-, Jagd- oder Forstflächen“.

Poller vor dem Auto und „ungutes Gefühl“

Für das Herrschinger Paar war ein Bericht im Münchner Merkur über die Lockerungen der Anlass, endlich mal wieder nach der Ferienwohnung in Kirchberg zu sehen – nach Monaten. Letztlich saßen die beiden aber umsonst mehr als vier Stunden im Auto. „Uns wurde ein Poller vor das Auto gestellt, wir hatten ein ungutes Gefühl“, berichtet die Frau von ihrer Grenzerfahrung in Kiefersfelden.

Der Grenzbeamte sei souverän aufgetreten und habe sich gewählt ausgedrückt. „Er hat von einem Chaos in der medialen Kommunikation gesprochen und gesagt, dass die Regierungen von Deutschland und Österreich nicht miteinander reden würden“, sagt die Herrschingerin. Das Paar habe einen Wohnsitznachweis und die „Selbstdeklaration“ ausgefüllt dabei gehabt. In der Erklärung, die jeder auf der Homepage der Bundespolizei herunterladen kann, kreuzte das Paar an, zu „Pflege, Unterhalt oder Nutzung“ der Zweitwohnung einreisen zu wollen. Auch die Adresse der Ferienwohnung gab es an.

Mit ihren Unterschriften versicherten die Herrschinger, sich an die nationalen gesundheitspolizeilichen Regelungen zu halten. „Der Grenzer hat behauptet, das Dokument gelte nicht für Österreich“, schildert die Frau. Auch andere Autos mit deutschem Kennzeichen seien abgewiesen und zurück eskortiert worden.

„Einreise von Liegenschaftsbesitzern nicht vorgesehen“

Auf Nachfrage des Starnberger Merkur verweist das österreichische Innenministerium auf die allgemeine Erklärung vom Wochenende. Einen Passus markiert der Pressesprecher: Liegenschaftsbesitzer müssten nach wie vor „ein ärztliches Zeugnis (negativer SARS-CoV-2 Test, nicht älter als vier Tage)“ mitführen. Ein solches hatte das Paar nicht dabei – „aber wir wurden überhaupt nicht danach gefragt. Das war nicht der Grund für die Zurückweisung“, betont die Herrschingerin. Der Ministeriumssprecher räumt ein, dass Grenzbeamte die aktuellen Bestimmungen kennen sollten, betont aber auch: „Die Einreise von Liegenschaftsbesitzern ist momentan noch nicht vorgesehen.“ Der Subtext: Nur mit einem negativen Test kann man sie quasi erzwingen. Die Situation werde sich laut dem Sprecher aber im Zuge der sukzessiven Lockerungen bald verändern.

Die Herrschingerin hatte sich ans deutsche Innenministerium gewandt, bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe am Dienstagabend aber keine Antwort erhalten. Übrigens: Laut der Bundespolizeidirektion München ist es für Österreicher kein Problem, die Ferienwohnung in Deutschland zu besuchen. Systematische Grenzkontrollen gibt es laut einem Sprecher ohnehin nicht mehr. 

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