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„Skills Center“ so voll wie nie: Promoting Africa zieht Zwischenbilanz

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Von: Andrea Gräpel

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Ausbildung dank Hilfe aus dem Fünfseenland: eine von vier Auszubildenden im Bereich Kfz-Mechaniker, die im „Skills Center“ von Promoting Africa einen Ausbildungsplatz gefunden hat.
Ausbildung dank Hilfe aus dem Fünfseenland: eine von vier Auszubildenden im Bereich Kfz-Mechaniker, die im „Skills Center“ von Promoting Africa einen Ausbildungsplatz gefunden hat. © privat

Der Breitbrunner Verein Promoting Africa legt einen Zwischenbericht vor. Das „Skills Center“ ist mit 96 Kindern so gut besucht wie nie zuvor. Erweiterungen sind in Planung.

Breitbrunn – Susanna Kiehling, Vorsitzende des Breitbrunner Vereins Promoting Africa, setzt die Tradition ihrer Vorgängerin Ruth Paulig fort, zum Jahreswechsel eine Zwischenbilanz über den Stand der Dinge in Kenia zu ziehen. Informationen erhält sie dabei aus erster Hand von ihrem Sohn Severin, der nicht nur Kassier ist, sondern seit gut eineinhalb Jahren in Kenia lebt und in einer deutschen Schule unterrichtet. Dort ist Sommer, eine Zeit, in der Corona typischerweise eine Pause einlegt. Seit gut zwei Wochen schnellten jedoch auch dort die Zahl der Infizierten nach oben.

Bisher, so Kiehling, seien circa 13 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft geworden. Die Lehrer im vereinseigenen „Skills Center“ in der Nähe von Nairobi hätten zwar alle ein Impfangebot erhalten, „was jedoch leider nicht alle wahrgenommen haben“. Studien wiederum zeigten, dass bereits circa 60 Prozent der kenianischen Bevölkerung Antikörper besitzen.

Im Child-Support-Programm, mit die der Verein 2009 seine Arbeit in Kenia aufnahm, ermöglicht aktuell 70 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Schul- oder Berufsausbildung. „Den Jüngsten und Verwundbarsten ermöglichen wir den Aufenthalt in einem Internat, das von unserem Partnerverein Youth Support Kenya betrieben wird“, schreibt Susanne Kiehling. Dank einer Förderung durch Sternstunden könne auf dem Gelände des Internats ein Gebäude mit Schlafräumen, einer Küche und einem Speisezimmer errichtet werden. Bisher schliefen die Kinder in Klassenzimmern, die noch nicht gebraucht wurden. Die Küche befand sich in einer Wellblechhütte, gegessen wurde im Freien oder im Klassenzimmer.

Das „Skills Center“ hatte durch den Neubau des „Mobility Centers“ bereits im Jahr 2019 einen großen Schritt gemacht: Die Berufsschule wurde durch die Lage an der Hauptstraße sichtbar, viele Schüler konnten im direkten Kundenkontakt bestmöglich auf ihren Beruf vorbereitet werden. „Ganz aktuell hat der Rotary Club Höchstadt die Finanzierung einer Wasserreinigungsanlage zugesagt. Diese wird wegen neuer Vorschriften bezüglich der Trinkwasserqualität notwendig, um auch die Bewohner Malaas mit Trinkwasser versorgen zu dürfen“, heißt es in dem Bericht weiter.

Der nächste große Schritt sei erst vor wenigen Wochen gelungen: „Unser Partnerverein hat in Kooperation mit Terre des Hommes ein neues Projekt gestartet, das auch das „Skills Center“ betrifft. In einem Ort nahe des Flughafens Nairobi, an dem viele Lastwagenfahrer Pause machen und an dem die Prostitution um sich greift, wurde ein von Terre des Hommes finanziertes Büro eröffnet. Es geht um Eindämmung der Prostitution von Minderjährigen, um Prävention und Kommunikation mit Eltern, Gastwirten und Lkw-Fahrern.“ Aktuell seien 53 Jugendliche von dort im „Skills Center“ angekommen. Vier Mädchen hätten sich mutig für die Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin, sieben zur Elektrikerin und zwei zur Solarinstallateurin entschieden.

In einer neuen Ausbildungsrichtung werden Elektrotechniker ausgebildet, spezialisiert auf die Reparatur von Elektrogeräten. Darüber hinaus strebe der Verein eine qualitative Verbesserung des pädagogischen Programms an. Der Verein wolle mehr Geld in Fortbildung und Ausstattung der Lehrkräfte investieren und mehr Soft Skills zum Bewerbungstraining der Jugendlichen anbieten. Den Jugendlichen soll auch an Wochenenden verschiedene Workshops zu Musik, Tanz und Sport, aber auch zur sexuellen Prävention angeboten werden, wie es 2021 sporadisch bereits durchgeführt worden sei.

„Mit 96 Schülern ist das Skills Center so voll wie noch nie“, freut sich Susanna Kiehling. Allerdings müsse deshalb auch ein bisschen improvisiert werden. So sei ein großer Klassenraum in einen Schlafsaal für die männlichen Schüler umgestaltet worden und die Mahlzeiten würden in einem Zelt eingenommen, da der Speiseraum als Klassenzimmer gebraucht werde. „Wir denken daher über einen Anbau von weiteren Schlafräume nach“, sagt Susanna Kiehling. Auch Severin Kiehling arbeitet neben der Schule am Aufbau eines Start-ups, über das er erfolgreich Bio-Tofu vertreibt und jenen, die eine Koch-Ausbildung absolviert haben, Jobs und damit einen sicheren Unterhalt bieten könnte.

Mehr Infos und die Möglichkeit zu spenden, gibt es online auf www.pomoting-africa.de.

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