Auf der Tour steht am Wegesrand ein Prachtexemplar eines Weißdornbaumes.
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Auf der Tour steht am Wegesrand ein Prachtexemplar eines Weißdornbaumes.

Waldwanderung

„So habe ich die Bäume noch nie gesehen“

  • VonAndrea Gräpel
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Die Natur wird immer mehr als Rückzugsort entdeckt. Waldbaden und Geomantie sollen die Sinne für sie schärfen. Der Starnberger Merkur nahm teil an einer besonderen Waldwanderung.

Herrsching – Ramsee ist für die Geomantin Angela Mazur-Schaar kein Ort der Freude oder des Wohlfühlens. Die Breitbrunnerin befasst sich seit 20 Jahren mit der Wahrnehmung der Natur und ihrer Kraftorte. Am Samstag führte sie eine Gruppe durch den Wald zwischen Andechs und Wartaweil, dort, wo bis 1860 das Dorf Ramsee stand.

Für die Breitbrunnerin ist es eine Herzensangelegenheit, Menschen für die Natur zu sensibilisieren – ob nun unter dem Begriff Geomantie oder dem des Waldbadens. Auch dies ist Teil dieser Wanderungen, die bis zu sechs Stunden dauern können. Am Samstag war die Gruppe vier Stunden unterwegs, um unter der Anleitung der Geomantin Augen zu öffnen und Sinne zu schärfen.

Geomantie wird als eine Form des Hellsehens definiert, Angela Mazur-Schaar verwendet lieber die Definition, „aus der Natur lesen, sie spüren“. Sie versichert: „Wahrnehmen kann jeder“. Bei jedem Menschen sei das mehr oder weniger ausgeprägt. Aber man könne es lernen, „wenn man es zulässt“. Mit ihren Wanderungen will sie dies unterstützen und zugleich zum heilenden Waldbaden einladen. „Denn zwei Stunden Waldwandern sind wie zwei Wochen Kur.“

Waldbaden steht für das bewusste Wahrnehmen von Wald und Natur mit allen Sinnen. In Japan ist es fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge, um vor allem psychischen Krankheiten wie Stress, Depression und Burn-out vorzubeugen. Auch beim Waldbaden geht es wie bei der Geomantie um Wahrnehmung und Achtsamkeit.

Das Zauberwort für die heilende Wirkung im Wald sind die Terpene. Natürlich vorkommende chemische Verbindungen, die unter anderem in Blättern, Blüten, Harz, Früchten und Wurzeln vorkommen. „Im Wald ist die Luft erfüllt von heilsamen Terpenen“, sagt Angela Mazur-Schaar. Sie stärkten das Immunsystem. Und da die Baumkronen verhindern, dass sie sich verflüchtigen, ist die Konzentration, die man beim Spaziergang im Wald einatmet, gesund. „Ein Gesundheitsbrunnen erster Klasse und am besten, wenn man einen Baum umarmt“, so die Geomantin. Bei Fichten und anderen Nadelbäumen noch mehr als zum Beispiel bei Buchen.

Beim Vorbeigehen an Wasserdost, Tollkirsche und Engelwurz, macht die Breitbrunnerin auf vieles aufmerksam, das der gemeine Wanderer möglicherweise gar nicht bemerkt. Bei geschulter Wahrnehmung sei der Mensch sogar in der Lage, Waldwesen wahrzunehmen – Feen (Luft), Nymphen (Wasser), Zwerge (Erde) oder Geister der Erdmitte (Feuer) an Erdverwerfungen, an denen die Energie aus dem Erdinnern zu spüren sei. Nicht, dass man die Wesen sehen könnte, aber spüren. Sichtbar sind andere Dinge. Ein Engels- oder Elfenauge zum Beispiel. Ein Durchlass, der sich etwa bildet, wenn sich ein Baum in zwei Stämme teilt, und der eine Stamm sich um den anderen windet. „Elfenaugen sind ganz besondere Plätze“, erklärt Angela Mazur-Schaar. Es seien „Aufladepunkte“, Lebenskraft spendende Orte. Genauso wie der sogenannte Zwiesel, ein Baum – gleich welcher Art, der sich in unterschiedlicher Höhe in zwei Stämme teilt. Anders als beim „Zwilling“, bei dem ein Baum direkt neben dem anderen hochwächst.

Der Spaziergang nach Ramsee führt über die Schwellbachbrücke hinunter an den Mühltalbach, wo an der gegenüberliegenden Uferseite ein dreistämmiges Exemplar steht, das alles vereint, das sowohl Zwilling als aus Zwiesel ist und auch noch ein Elfenauge hat. Besondere Orte, mit besonderer Energie. Darauf deute auch ein nicht weit davon entfernt stehender Baum hin, der am unteren Stamm Rundungen hat, die wie Beulen aussehen. Angela Mazur-Schaar spricht von Ley-Linien.

Die Geomantie geht davon aus, dass die Erde wie der menschliche Körper mit einem Gitternetz aus Meridian-und Akupunkturlinien durchzogen ist. An ihnen haben die Menschen ihre spirituellen Riten ausgerichtet. Als bekannte Kraftorte gelten beispielsweise Stonehenge oder die Pyramiden von Gizeh. Beulen wie an diesem Baum könnten ebenfalls auf eine Ley-Linie deuten, „sie geben die Richtung an“.

Christa (ihren Nachnamen möchte keine der Teilnehmerinnen nennen), die aus Inning kommt, ist fasziniert. „So hab ich die Bäume noch nie gesehen“, sagt die 79-Jährige. Sie sei viel in der Natur, tanke nach persönlichen Schicksalsschlägen schon lange Kraft aus ihr. Die Waldwanderung sollte ihr neue Impulse geben. Und am Wegesrand gab es in der Tat für sie viel Neues zu sehen. Auf Angela Mazur-Schaars Route ging es am Samstag auch vorbei an einem großen Weißdornbaum. Gemeinhin als Busch bekannt, wird dieser „beschützt“ von jeder Menge Brennnesseln. Ein Prachtexemplar. Die Geomantin sagt, dass dieser Baum viel mehr kann, als für Tee verwendet zu werden. „Es ist ein Feenbaum. Die gute Fee ist dort zu Hause. Ein Wunschbaum.“ Der von den Teilnehmerinnen sogleich den ein oder anderen Wunsch erhielt.

So war es eine Wanderung voll guter Energien – bis Ramsee. „Es muss einmal ein guter Ort gewesen sein, weil selbst die Kelten hier gesiedelt haben sollen“, sagt Angela Mazur-Schaar. Sie war am Samstag nicht das erste Mal da, und nicht das erste Mal hatte sie nun das Gefühl: „Hier ist noch nicht aufgeräumt.“ Auch Regina und Sabine fühlten etwas Beklemmendes, darum ließ die Gruppe das im 19. Jahrhundert abgebrannte Dorf schnell hinter sich, um auf dem Rückweg noch ein mal kräftig Terpene zu „tanken“.

Mehr Infos zu Angela Mazur-Schaars Waldwanderungen unter geomantie-ammersee.de.

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