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Uganda lässt ihn nicht los: Samuel Flach ist regelmäßig in Afrika, um das Projekt „Living Hope“ voranzutreiben.

Soziale Projekte

Samuel Flach will Hoffnung leben und geben

Ein junger Herrschinger fühlt sich auch nach seinem Unfall privilegiert und setzt sich deshalb zum Wohle anderer ein.

Herrsching/München – „Ich hatte das Bedürfnis, aus der Wohlstandswatte rauszukommen.“ Das war vor ziemlich genau sieben Jahren, als Samuel Flach nach dem Abitur im Rahmen eines so genannten Zivi-Jahres in einem Waisenhaus in Uganda mithalf. Seit einem Badeunfall in Sansibar kurz darauf ist der junge Herrschinger von der Hüfte an gelähmt, seine Finger sind steif. Ein Schicksalsschlag mit Privilegien, findet der 25-Jährige: „Wäre ich in Uganda in einfachen Verhältnissen geboren worden, hätte ich den Unfall vielleicht gar nicht überlebt.“ Er überlebte, weil er gleich mehrere Schutzengel hatte: Einen Einheimischen, der ihn aus dem Wasser zog. Einen Arzt, der zufällig am Strand war und den Manager, der den Helikopter bezahlte, mit dem der damals 19-Jährige ins Krankenhaus geflogen und sofort behandelt wurde. Seine Hoffnung hat er nicht aufgegeben, sein Projekt „Living Hope“ auch nicht.

Es fällt ihm schwer, um Hilfe zu bitten

Gemeinsam-Wohl-Wohnen heißt das neueste Projekt von Samuel Flach (l.) in München.

Samuel Flach empfindet es als privilegiertes Glück, das er hat, auch wenn der Ethnologie-Student seither im Rollstuhl sitzt. Damals besuchte ihn der ugandische Pastor John in der Reha. Ihn und sein Projekt „Living Hope“ mit Schulen, Witwen-Unterstützung und einer Nachbarschaftshilfe – das unterdessen auch von der Breitbrunner Hilfsorganisation „Promoting Africa“ unterstützt wird, lernte Flach in seiner Zeit in Afrika kennen und schätzen. Und dorthin zog es ihn nur ein Jahr nach dem Unfall zurück. Unter anderem, weil er sein Leben nicht auf den Rollstuhl reduzieren und weiterhin reisen wollte.

Das alles gelang mit Hilfe von Freunden und immer unter dem Motto „eine Hand wäscht die andere“. Bei Bedarf waren sie mal seine Beine und mal seine Hände, er wiederum finanzierte dies und das. So campte er in Spanien, schrieb seine Bachelorarbeit auf Kuba. Dabei musste er lernen, um Hilfe zu bitten, was ihm bis heute nicht immer leichtfalle.

Samuel Flach will „Sinn in Unsinniges“ bringen

Leicht machten es ihm die Inder, als er dort Station machte. Seine „krasseste Reise“, auf der er ausschließlich in öffentlichen Verkehrsmitteln und chronisch überfüllten Bussen unterwegs war. Aber „kein Problem“, weil die Menschen dort vor dem Einsteigen ohne Aufforderung den Rollstuhl zerlegten und Bestandteile und Gepäck im ganzen Bus verteilten. Und vor dem Aussteigen riefen die Reisenden nur „Wir steigen aus“ und schon wanderten die Teile komplett zurück. Dieses Miteinander beim Reisen übertrug Flach auf sein Münchner Projekt „Gemein-Wohl-Wohnen“, in dem Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen zusammenleben: Menschen mit Behinderungen, Geringverdiener und auch Asylbewerber. Jeder gibt, was er kann: Wer nicht finanzkräftig ist, packt mit an, wer nicht mit anpacken kann, finanziert.

Unter der Woche lebt Samuel Flach mit Pfleger Taron und Sängerin Maria auf diese Weise in seiner Münchner Wohnung, und er ist bis heute in der Organisation von Pastor John aktiv, die er erst im Sommer 2015 mit seiner Mutter besucht hatte. Langfristig würde er gerne politisch Einfluss nehmen und „Sinn in Unsinniges“ bringen. Unsinniges wie billig exportierte, subventionierte Milch, die den heimischen Markt kaputt mache oder Zölle auf verarbeiteten Kaffee, der die Arbeitsplätze vom Rösten ins reiche Europa holt.

Einst hatte Samuel Flach das Bedürfnis, aus der „Wohlstandswatte“ herauszukommen. Heute setzt er das Privileg in seinen Projekten zum Wohle aller ein.

Mehr Informationen auf den Webseiten

Mehr über das Wohnprojekt unter www.gemeinwohlwohnen.de und „Living Hope“ in Uganda unter www.livinghope-uganda.org.

Von Michèle Kirner

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