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Die doppelte Staatsbürgerschaft erhält Fiona Kemp , wenn sie sich noch bis zum voraussichtlichen Stichtag des Brexits im März 2019 einbürgern lässt. Ihr Antrag liegt dem Starnberger Landratsamt nun vor. 

Brexit

„Die spinnen, die Briten“

Noch können Briten, die in Deutschland leben, die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen. Weil das nach dem Stichtag des Brexits voraussichtlich nicht mehr möglich ist, wollen sich zahlreiche Briten im Landkreis Starnberg nun einbürgern lassen. Eine von ihnen ist Fiona Kemp aus Herrsching.

Herrsching –Der Weihnachtswunsch von Fiona Kemp (42) ist ungewöhnlich und doch teilen ihn einige ihrer Landsleute. Die 42-jährige Frau aus Southampton möchte die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen, und zwar möglichst bald. „Bis Weihnachten will ich mit der Einbürgerung fertig sein“, sagte Kemp, die seit 20 Jahren in Deutschland und seit fünf Jahren in Herrsching lebt.

Neben ihr stellten 2018 noch 44 weitere Briten im Landkreis Starnberg einen Einbürgerungsantrag. „Wir rechnen damit, dass bis Jahresende noch ein paar dazukommen“, sagte Stefan Diebl vom Starnberger Landratsamt. Zum Vergleich: 2016 waren es nur sieben Anträge. Der Grund für den Anstieg: Im Frühjahr 2019 soll der Brexit rechtskräftig werden. Nachdem 51,89 Prozent der Wähler aus dem Vereinigten Königreich im Juni 2016 in einem Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt hatten, wird es nach der zweijährigen vertraglich festgelegten Verhandlungsphase ernst. „Unter den Briten im Landkreis scheint ein großes Unsicherheitsgefühl zu herrschen“, sagt Diebl. „Wenn sie sich derzeit einbürgern lassen, erhalten sie aber noch die doppelte Staatsbürgerschaft“, versichert er. Nach dem Stichtag des Brexits haben Briten dieses Privileg voraussichtlich nicht mehr.

Fiona Kemp fühlte sich Deutschland schon immer verbunden

Kemp möchte beide Staatsbürgerschaften, die britische und die deutsche, behalten. „Das wäre mir schon am liebsten“, sagte die 42-Jährige. „Sollte ich mich aber doch für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen, werde ich auf jeden Fall die deutsche annehmen.“ Für sie sei klar, dass ihre Zukunft in Deutschland liege, deshalb sei ihr die deutsche Staatsbürgerschaft wichtiger. „Meine Mutter stammt aus Deutschland und wir waren immer sehr eng mit dem Land verbunden“, erklärt sie. „Für mein Studium habe ich auch ein Praktikum in Deutschland absolviert.“

Kemp studierte internationales Management und Sprachen mit Deutsch als Hauptsprachfach. Heute arbeitet sie als Managerin in einem Konzern. „Die Chancen, eine gute Arbeit zu finden, sind in Deutschland viel höher als in Großbritannien“, findet sie. „Zudem ist das Gesundheitssystem hier besser und das Miteinander freundlicher.“

Den Brexit hält Fiona Kemp für „absolut hirnrissig“

Zum Brexit hat sie eine klare Meinung: „Ich halte ihn für absolut hirnrissig“, kritisiert sie. „Und mir fehlen die Worte, dass die Leute jetzt überrascht sind, wie schwierig es ist, sich von der EU zu trennen.“ Weil sie schon seit 20 Jahren nicht mehr in England lebt, durfte Kemp am Brexit-Votum nicht teilnehmen. Als das Ergebnis des Votums 2016 bekannt wurde, war ihr erster Gedanke: „Die spinnen, die Briten. Damit will ich nichts mehr zu tun haben.“ Sie habe aber auch mitbekommen, dass viele nicht zur Abstimmung gegangen seien, weil sie nie gedacht hätten, dass die Mehrheit für den Austritt stimmen würde. „Vom Ergebnis des Votums waren viele Briten total schockiert“, erzählt sie.

Kemp hat sich früher unabhängig von ihrem Wohnort im Herzen immer als Britin gefühlt, mittlerweile kann sie sich aber nicht mehr mit dem Land identifizieren. „Ich fühle mich fremd dort“, sagt sie. Auf ihren „Christmaspudding“ und den Truthahn zu Weihnachten freut sich die 42-Jährige aber trotzdem. Und sie wird Großbritannien auch nach dem Brexit nicht ganz den Rücken kehren. „Ich habe ein Patenkind und einige Freunde in England“, erzählt Kemp. „Sie besuche ich zwei- bis dreimal im Jahr.“

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