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Die Herrschinger Meistermannschaft von 1968 wurde vom FC Bayern München aufgekauft. Trainer Walter Eberle (l.) hatte den Deal eingefädelt.

Starnberger Sportgeschichte(n)

Heute vor 50 Jahren: FC Bayern München kauft ESV Herrsching

Vor 50 Jahren wechselte die gesamte Eishockey-Abteilung des ESV Herrsching zum FC Bayern München. Doch nach nur einem Jahr war alles wieder vorbei.

Herrsching – Anfang Mai war alles vorbei: Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des ESV Herrsching ließ Karl Dorsch, Vorsitzender des Natureis-Bayernliga-Meisters, eine Bombe platzen. Eine Bombe, die das Ende des Eishockeysports in Herrsching bedeutete. Am 4. Mai 1968, also vor exakt 50 Jahren, titelte der Starnberger Merkur: „Herrschinger Eishockeyspieler nach München. Abteilung besteht nicht mehr.“

Was war damals passiert? Nur wenige Tage nachdem der ESV ungeschlagen mit 14:0 Punkten und 48:19 Toren, zum dritten Mal den Titel in der höchsten deutschen Natureisklasse eingefahren hatte, wurde die Eishockey-Abteilung aufgelöst. Bundesligist FC Bayern München kaufte die gesamte Mannschaft samt Jugendspielern und zahlte Herrsching dafür eine Ablöse von 15 000 Mark.

Schuld war auch der verhinderte Bau eines Eisstadions

Das Aus für den ESV kam, weil der Bau eines neuen Eisstadions gescheitert war. „Wir hatten bereits ein geeignetes Grundstück an der Seefelder Straße gefunden und waren uns mit dem Eigentümer einig“, erzählt Willi Welte, heute Gemeinderat, damals Spieler beim ESV. Doch das Landratsamt lehnte das Projekt ab, für das sich auch Bürgermeister Ludwig Schertel stark gemacht hatte. Grund: „Ein- und Ausfahrt würden zum Gefahrenpunkt im Straßenverkehr“, schrieb Merkur-Reporter Ulrich Walter.

„Das war für mich der Grund, auf den FC Bayern zuzugehen“, erinnert sich der heute 84 Jahre alte Walter Eberle, früher Spieler und damals Trainer des ESV. Der ehemalige Architekt, der bei der Schlösser- und Seenverwaltung in München angestellt war, fädelte den Coup ein. „Ich habe damals eng mit der Baufirma Neudecker zusammengearbeitet“, erinnert er sich. Chef dieser Firma war der legendäre Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker, der Spieler wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß oder Paul Breitner zum FCB geholt hatte.

Ein paar Spieler sollten Bundesliga spielen, andere Oberliga

Neudecker und Eberle trafen sich und waren sich schnell einig. Der Herrschinger bekam einen Termin bei Robert Schwan, dem Technischen Direktor der Bayern und späteren Beckenbauer-Manager. Dann ging alles ganz schnell: „Wir sind mit der ganzen Mannschaft dem FC Bayern beigetreten. Der Plan war, dass ein paar Spieler wie Nikolaus Welte, Torschützenkönig Georg Aschbichler oder die Kellner-Brüder in der Bundesligamannschaft spielen und die anderen als 1b in der Oberliga antreten“, erzählt Eberle. Und er fügt an: „Robert Schwan hat mich dann auch gleich noch überredet, als Eishockey-Abteilungsleiter bei den Bayern einzusteigen.“

Der FCB zeigte sich bei der Übernahme großzügig. Eberle: „Mit der Ablöse konnten wir unsere Verbindlichkeiten begleichen.“ Dazu übernahmen die Münchner sämtliche Kosten, kamen für die Ausrüstung auf und zahlten für die Anfahrten zum Training in Pasing oder in Bad Tölz 25 Pfennig pro Kilometer.

Von Herrsching über München nach Augsburg

Der „Bayern-Traum“ der Herrschinger dauerte aber nur ein Jahr. Schon vor der Saison 1969/70 war Schluss. Helmut Pestinger, der Youngster im Team, erinnert sich: „Nach einem Training in Bad Tölz kam Schwan zu uns, sagte nur kurz und knapp: ‚Wir haben 100 000 Mark Verlust eingefahren. Die Eishockey-Abteilung wird aufgelöst’. Dann stand er auf und verschwand.“

Der Augsburger EV kaufte das Team für 135 000 Mark auf. Das war dann auch das Aus für die ehemaligen ESV-Spieler und Eberle. „Das Ende unserer Mannschaft“, sagt er. Die Spieler wechselten zu Teams im Umkreis. Pestinger etwa mit seinem Bruder Josef, Franz Sterl und Hubert Herbinger nach Feldafing zur EA Würmsee, Nikolaus Welte und Werner Hager nach Fürstenfeldbruck.

Welte sieht Parallelen zur heutigen Situation der Herrschinger Volleyballer

Das Ende des Eishockeys in Herrsching war ein harter Schlag für viele Sportler und Fans. Willi Welte sieht Parallelen zur aktuellen Hallen-Misere der Bundesliga-Volleyballer. Und er warnt: „Vor 50 Jahren hatten wir bereits ein Grundstück, und auch jetzt hätten wir eines für eine Eventarena plus Dreifachhalle. Aber das Projekt scheint wieder an ähnlichen Problemen zu scheitern wie damals.“

ebg

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