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Schwarz-weiß ins neue Jahr

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Von: Laura Forster

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Farben sind verboten: Bernhard Strasser und seine Tätowierer-Kollegen dürfen vorerst nur noch mit schwarzer Farbe arbeiten. Er hält das Verbot von Farben für „völlig überzogen“.
Farben sind verboten: Bernhard Strasser und seine Tätowierer-Kollegen dürfen vorerst nur noch mit schwarzer Farbe arbeiten. Er hält das Verbot von Farben für „völlig überzogen“. © Andrea Jaksch

Seit drei Jahren verewigt der Herrschinger Tätowierer Bernhard Strasser Kunstwerke auf der Haut seiner Kunden. Bis Sommer musste er seinen Laden coronabedingt für mehrere Monate schließen. Nun folgt mit dem Farbverbot der nächste Schlag.

Herrsching – Ende vergangenen Jahres war Bernhard Strassers Kalender vollgeschrieben mit Tattoo-Terminen. Seit Januar ist es in seinem Studio in Herrsching ruhig geworden. Eine neue EU-Verordnung hat giftige Substanzen in Tattoo-Farben verboten. Das bedeutet für Strasser und seine Kunden, dass erst einmal nur schwarze Tattoos gestochen werden können.

„Einige haben abgesagt oder buchen vorerst keinen Termin“, sagt der 33-Jährige. „Es ist derzeit nicht gerade einfach. Die Farbtattoos sind immer noch sehr beliebt. Ich schätze 40 Prozent aller Tattoos, die ich steche, sind farbig.“ Nach rund zwanzig Jahren beginnt die Farbe etwas zu verblassen und sie muss aufgefrischt werden. „Ich halte das Verbot für völlig überzogen. Die Stoffe, die in der Farbe sind, sind zum Beispiel auch in dem Strunk der Paprika“, sagt Strasser. „Ich kenne niemanden, der davon Schaden getragen hat. Außerdem ist es ja jedem selbst überlassen, ob er sich ein Tattoo stechen lässt.“

Mit dem Farbverbot kommt für den 33-Jährigen nach der Pandemie die nächste Herausforderung. „Im Sommer musste ich einige Zeit zusperren“, sagt er. Mittlerweile habe sich das Geschäft zwar wieder erholt, doch seit Anfang Januar sei ein erneuter Rücklauf der gebuchten Termine spürbar. Besonders hart trifft es den gebürtigen Starnberger, da er sein Studio erst vor drei Jahren in der Jahnstraße 3 eröffnet hat. „Da waren alle ganz neugierig. Ein Tattoostudio hat hier gefehlt, haben die Einheimischen gesagt“, erinnert sich Strasser, der zuvor mehrere Jahre bei dem Münchner Tätowierer „Munich.Ink“ gearbeitet hat.

Über fehlende Kundschaft kann sich der Herrschinger zu Normalzeiten nicht beklagen. „Es kommen Leute von hier, aber auch aus Frankfurt oder Sachsen.“ Werbung auf den sozialen Medien macht Strasser keine. „Das funktioniert alles über Mundpropaganda.“ Der Trend hin zu einer Tätowierung habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Derzeit sind vor allem Tattoos nach Kunst der Maori beliebt, aber auch sogenannte Fineline-Tattoos sind gefragt. Nicht nur junge Leute kommen in das Studio in Herrsching, auch Senioren lassen sich noch die ein oder andere Erinnerung stechen. „Mein ältester Kunde war 80 Jahre alt.“

Bernhard Strasser selbst hat 17 Kunstwerke auf seinem Körper verewigt, darunter einen Tiger, eine mexikanische Todesgöttin und einen Skorpion. „Die meisten habe ich gestochen.“ Bereuen tut er keins seiner Tattoos – im Gegensatz zu manchen Kunden. „Ein Arschgeweih ist nicht mehr so modern, das möchten die meisten gecovert haben.“ Für das Überstechen des Tattoos ist jedoch Farbe in Hauttönen nötig. „Das geht zurzeit aufgrund des Verbots ja nicht“, sagt Strasser.

In ferner Zukunft sollen bunte Tätowierungen aber wieder machbar sein. Möglich macht das zum Beispiel der Schreibwarenhersteller Edding, der vegane Farben produziert. „Günstig werden die sicher nicht sein“, sagt Strasser.

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