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Tiefgründig, witzig, zweideutig und manchmal ein Appell

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Von: Andrea Gräpel

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Hatten Spaß an der Beschilderung: (v.l.) Eva Zenetti, Marianne Schweigler, Isabelle Chrétien - Brocker, Edith Steiner, Elke Hack, Ela Bauer, Susanne Flesche (Vorsitzende), Inge Schneider-Gedeon, Daisy Fischer, Bürgermeister Christian Schiller und Herrschings Kulturreferent Hans-Herrmann Weinen.
Hatten Spaß an der Beschilderung: (v.l.) Eva Zenetti, Marianne Schweigler, Isabelle Chrétien - Brocker, Edith Steiner, Elke Hack, Ela Bauer, Susanne Flesche (Vorsitzende), Inge Schneider-Gedeon, Daisy Fischer, Bürgermeister Christian Schiller und Herrschings Kulturreferent Hans-Herrmann Weinen. © Dagmar Rutt

Passender hätte es ein Ausstellungs-Titel nicht treffen können: Mit „Guck mal“ lädt der Künstlerkreis Ammersee (KKA) bis Ende September in den Herrschinger Kurpark ein. Tatsächlich ist es dies: Der Besucher guckt, guckt zweimal, um am Ende auf die Suche zu gehen. Nach Schildern – mal tiefgründig, mal witzig, mal zweideutig, mal ortsbezogen und manchmal auch ein Appell. Sie stehen im Park verteilt, auf der Wiese, an der Laterne oder an einer Bank.

Herrsching - Der KKA stellt alle zwei Jahre im Turm der Beamtenfachhochschule aus. Während der Pandemie war dazu keine Gelegenheit. Susanne Flesche als Vorsitzende freute sich, dass es nun „endlich so weit ist“. Nach zwei Jahren gibt es wieder eine Ausstellung – draußen und coronakonform. Auf gelben Schildern mit schwarzem Rahmen haben neun von aktuell 25 Mitgliedern im Künstlerkreis ein Gemeinschaftsprojekt kreiert. Auf ursprünglich 50 Schildern – eines wurde bereits in der ersten Nacht entwendet – sind im Park Botschaften versteckt. Susanne Flesche erinnerte diese „Beschilderung“ an Beuys oder Warhol, die sich wie ihre Kolleginnen von traditionellen Bildträgern wie der Leinwand abwandten.

Ob die „Erleuchtung“ an der Laterne, „die Würde des Baums ist unantastbar“ am Baum, die Frage „zu dir oder zu mir?“ an der Wegkreuzung – der Besucher ist geneigt, gleich zweimal durch den Park zu spazieren, um kein Schild zu übersehen. Wie dieses, das nicht nur Bürgermeister Christian Schiller faszinierte, sondern auch das Brautpaar, das er am Freitag im Kurparkschlösschen traute – das schlichte „Ja“ an einer Bank am Blumenbeet. Schiller war begeistert, und das, obwohl der Gemeinderat beschlossen hatte, den Schilderwald im Kurpark zu lichten, sagte er lachend bei der Eröffnung am Freitag.

Die Schilder-Idee hatte Eva Zenetti aus Andechs. Sie wollte etwas, das für jeden zugänglich ist. Nicht sperrig, sondern leicht. Bei der Themenfindung unter den Mitgliedern, war dies auf die größte Zustimmung gestoßen und beflügelte Fantasien. Eva Bauer hätte auch gern ein Schild mit den Lettern „LGBTQ“, was für den selbstbewussten Umgang mit der sexuellen Identität steht, und einem Pfeil in Richtung öffentlicher Toilette aufgestellt. Allerdings kamen der Gruppe Zweifel, ob dies angebracht sei. Deshalb sind es aktuell 48 (Richt-)Schilder, an denen der Parkbesucher erst mal irritiert stehen bleibt, um dann vielleicht zu sagen „guck mal“... an. Und wer will, kann sich eines der Schilder kaufen für 50 Euro. Selfies mit dem Lieblingsschild können zudem auf der KKA-Instagram-Seite gepostet werden. Den Zugang findet man auf der Schilder-Rückseite.  

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