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Fundort Sprungturm: Am Steg wurde am Dienstag eine Tote gefunden.

Polizei steht bei Wasserleiche vor 

Tote am Ammersee: Identität weiter unklar

Herrsching – Die Identität der Toten, die im Mai am Herrschinger Ammerseeufer gefunden wurde, ist noch immer unbekannt.

Es gibt Fälle, die treiben die Polizei schier zur Verzweiflung. Der Fall der unbekannten Wasserleiche im Ammersee könnte so einer werden. Ende Mai hatte ein Angler die tote Frau unter dem Steg des Sprungturms im Herrschinger Strandbad entdeckt, bis heute wissen die Beamten nicht, wer sie ist. „Das ist schon ungewöhnlich“, sagt Volker Krahn, Chef des Kommissariats 1 der Kripo in Fürstenfeldbruck, die die Ermittlungen führt. „Irgendetwas führen die unbekannten Toten meist mit sich, das eine Kette herstellt, an der man sich entlang hangelt“, berichtet der Beamte aus seinem Erfahrungsschatz. 

Bei der Toten aus dem Ammersee ist das nicht der Fall. Die Kleidung, die sie getragen habe, sei Massenware. Schmuck oder irgendwelche anderen persönlichen Gegenstände? Fehlanzeige! Wie berichtet, ergab die Obduktion, dass die Frau ertrunken war und ihre Leiche nicht sehr lange im Wasser gelegen hatte. Doch von wo und wie die zwischen 65 und 75 Jahre alte Dame in den Ammersee geraten war, weiß niemand. Die Beamten suchten vergeblich nach einem geparkten Auto, nach einer liegen gelassenen Handtasche oder anderen Gegenständen in der Umgebung. Auch die Umstände des Ertrinkens liegen im Dunkeln. War es ein Suizid oder hat möglicherweise sogar jemand die Frau ins Wasser geschubst? „Ausschließen kann man gar nichts“, sagt Krahn, der aber nicht von einem Verbrechen ausgeht. 

Neue Spur macht Polizei Hoffnung bei Klärung der Identität

Die Polizei muss seinen Angaben nach zunächst wissen, wer die Unbekannte ist, dann kann sie in ihrem Umfeld forschen. Bei der Suche gab die Kripo bekanntlich zunächst eine Personenbeschreibung heraus, die sie später mit einem Foto und einem Detail präzisierte: einer Operationsnarbe am linken Knöchel. Doch es kamen nur eine Handvoll Hinweise, die ins Leere gingen. Zum Beispiel wollte jemand auf dem Foto eine Bekannte erkannt haben, die, wie sich heraus stellte, noch unter den Lebenden weilt. Die Internetseite „Unbekannte Tote“ der Polizei in Bayern zeigt, dass der Fund der Toten im Ammersee alles andere als alltäglich ist. Neben ihr sind dort nur vier weitere Fälle aufgelistet, die bis ins Jahr 1995 zurückreichen: Eine Brandleiche im Englischen Garten (2012) ist darunter, ein Toter in einer Grünanlage am Münchner Westend (2010) sowie zwei ermordete Frauen. Ihre skelettierten Leichen wurden 1995 in einem Waldstück bei Oettingen gefunden. 

Seit vergangener Woche wird zudem noch ein unbekannter Toter gelistet, der sich in Nordbayern auf den Bahngleisen das Leben genommen hat. Immerhin: Eine heiße Spur verfolgen die Beamten derzeit im Fall der Wasserleiche in Herrsching. Nach Angaben von Krahn wird das Ergebnis eines DNA-Abgleichs mit einer Vermissten aus dem Großraum München abgewartet, auf das seinen Angaben nach große Hoffnung gesetzt wird. Zwar habe der Ehemann seine Frau auf dem veröffentlichten Foto nicht wiedererkennen können, dennoch schließt die Polizei nicht aus, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Wann das Ergebnis vorliegt, kann die Polizei nicht sagen. Andere Fälle wie zum Beispiel Tötungsdelikte hätten Vorrang.

Jörg von Rohland

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