Die Nikolaushalle glich einem Tollhaus, als der TSV Herrsching den Erstligaaufstieg perfekt macht.
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Die Nikolaushalle glich einem Tollhaus, als der TSV Herrsching den Erstligaaufstieg perfekt macht.

Goldene Sportmomente

Einzigartiger Durchmarsch in die Bundesliga

  • vonDirk Schiffner
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Für Herrschings Volleyballer bleibt der 5. April 2014 unvergesslich: An diesem Tag machten sie den Aufstieg in die Bundesliga klar.

Herrsching – Seit nunmehr sieben Jahren mischen die WWK Volleys Herrsching die Volleyball-Bundesliga auf. Anfangs noch als forscher Underdog mit dem etwas provozierenden Slogan „Geilster Club der Welt“, mittlerweile ist der Verein vom Ammersee ein durchaus ernst zu nehmender und ambitionierter Erstligist, der um nationale Titel kämpft. Die Bezeichnung „Geilster Club der Welt“ gibt es freilich immer noch – den Namen hat man sich sogar markenrechtlich schützen lassen –, doch jetzt tritt die Mannschaft von Trainer Max Hauser unter dem Namen des Klubsponsors in Erscheinung. Höhepunkte erlebten die Herrschinger Volleyballer bereits viele, aber unvergesslich bleibt für die Ammerseer der 5. April 2014. An diesem Samstag krönte das Herrenteam einen einmaligen Durchmarsch von der Bayernliga mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Vier Jahre zuvor, im Jahr 2010, war an einen solchen Erfolg (noch) nicht zu denken. Der TSV Herrsching dümpelte in der Bayernliga, doch Spielertrainer Max Hauser hatte einen Plan. Im Eilzug-Tempo raste man durch die Ligen. Nach dem 3:0-Erfolg am 9. März 2013 gegen den SV Schwaig schubste man die Nordbayern noch vom Thron und stand selbst als Meister der 3. Liga fest.

Auf den Tribünen feierten die Fans, auf dem Parkett die Mannschaft.

Für Hauser & Co. begannen die Planungen für die Spielzeit 2013/2014 in der 2. Bundesliga Süd. „Da haben wir mächtig gerödelt“, erinnert sich Hauser. „Finanziell war das eigentlich zu krass.“ Aber Hauser ist ein Verfechter, dass der Meister auch aufsteigen soll. Auch die Fans, seit dieser Zeit der Grundstock, leisteten ihren Beitrag und spendeten eifrig für den Verein. Dank der treuen Anhänger und vieler lokaler Sponsoren konnte ein schlagfertiges Team auf die Beine gestellt werden. Sogar einige ehemalige Erstliga-Akteure (Roy Friedrich und Sebastian Prüsener aus Unterhaching sowie Patrick Steffen aus Königs Wusterhausen), die sportlich ein bisschen kürzer treten wollten und für eine geringe Aufwandsentschädigung spielten, konnten verpflichtet werden. Diese Mischung aus erfahrenen Recken und den hauseigenen Talenten machte es aus, dass auch die 2. Liga nur eine Durchgangsstation bleiben sollte. Hauser: „Wir waren ein eingeschworener Haufen. Das war eine tolle Mannschaft. Ich habe sie geliebt.“

Im Eilzug-Tempo durch die Ligen

Zum Auftakt setzten die Ammerseer im Derby beim ASV Dachau gleich ein erstes kleines Ausrufezeichen (3:1). „Wir wollen uns in der 2. Liga erst einmal etablieren. Da war nicht alles Gold, was glänzt“, sagte der damalige Kapitän Benedikt Doranth nach dem Spiel. Eine Woche später wurde die TG Mainz-Gonsenheim mit 3:0 aus der heimischen Nikolaushalle geballert.

Überhaupt wurden die Heimspiele zu regelrechten Events hochstilisiert – mit den Cheerleaders der Starnberg Argonauts, einem als König verkleideten Hallensprecher und einem eigens kreierten Maskottchen. Der schwarz-weiße Orcawal Flips und Hallensprecher Alexander Tropschug, der mit seiner Paraderolle mittlerweile deutschlandweit Berühmtheit erlangt hat, gehören noch immer zum festen Bestandteil der Herrschinger Heimspiele.

1000 Zuschauer bejubeln den Aufstieg

Auch das dritte Spiel konnten Doranth & Co. siegreich gestalten, der TSV Grafing wurde mit 3:1 geschlagen. Eine Woche später setzte es beim 2:3 in Fellbach die erste Niederlage. Doch das war nur ein kleiner Ausrutscher, es folgten fünf Siege am Stück. „Wir waren selbst etwas überrascht, wie stark wir waren“, sagt Hauser heute. In der Winterpause stellten sich die vier verantwortlichen Gesellschafter Fritz Frömming, André Bugl, Max Hauser und Benedikt Doranth die Frage, wie es weitergehen soll. „Der Lizenzantrag für die 1. Liga kostete damals nur 500 Euro. Daher haben wir uns den Spaß gegönnt“, meinte Doranth.

Herrschings erste Bundesligamannschaft (hi.v.l): Daniel Malescha, Tobias Neumann, Johannes Kessler, Michael Wehl, Luke Smith, Jan Wenke, Sebastian Prüsener, Thomas Ranner, (vo.v.l.) Roy Friedrich, Julius Höfer, Benedikt Doranth, Fabian Breinbauer, Max Hauser (Trainer) und Uwe Lindemann (Co-Trainer). Nicht anwesend bei der Teampräsentation waren Florian Malescha, Carsten Vielmeier und Marvin Polte (Co-Trainer).

Da die direkten Kontrahenten Leipzig und Rüsselsheim keinen Lizenzantrag für die 1. Liga stellten, war klar, dass ein dritter Platz zum Aufstieg reichen würde. In der Winterpause verstärkten sich die Herrschinger mit Zuspieler Mirko Schneider, der vom insolventen Bundesligisten RWE Volleys Bottrop kam. In der Rückrunde verloren die Herrschinger nur gegen Rüsselsheim und am letzten Spieltag gegen die als Meister feststehenden Leipzig Volleys. Am vorletzten Spieltag, nach dem letztlich ungefährdeten 3:0 gegen den TSV Stuttgart, war den Herrschingern der dritte Platz nicht mehr zu nehmen. Die mit 1000 Zuschauern rappelvolle Nikolaushalle verwandelte sich ein wahres Tollhaus. „Die Atmosphäre war einzigartig“, erinnert sich Hauser noch heute gerne an den 5. April 2014 zurück. So richtig realisiert habe man es anfangs ohnehin nicht, dass man nun in der Beletage des deutschen Volleyballs angekommen war. Am 20. Mai 2014 erteilte dann auch die Deutsche Volleyball-Liga grünes Licht für den Underdog vom Ammersee.

Mittlerweile sind die Herrschinger, seit 2018 unter dem Namen WWK Volleys, nicht mehr aus dem Volleyball-Oberhaus wegzudenken.

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