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Tüfteln an der Herrschinger Ortsmitte

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Die Bebauung Ortsmitte nördlich der Bahnhof- und Luitpoldstraße treibt bereits Generationen von Gemeinderäten um. Jetzt kam das Thema wieder auf den Tisch.

Herrsching – Die ortsplanerischen Ziele im Teilbereich östlich der Kreissparkasse in Herrsching wurden 1993 festgezurrt und seitdem sechsmal geändert. Die jüngste Änderung liegt keine sieben Jahre zurück. Seit Jahren bastelt der aktuelle Gemeinderat erneut an einer gerechten Lösung. Aber was ist gerecht? Und was ist erwünscht in diesem innerstädtischen Bereich entlang der lauten Staatsstraße? Denn wie Gemeinderat Wolfgang Schneider (SPD) feststellte: „Herrsching ist ja nicht mehr das, was man ein Dorf nennt.“ Darum ging es auch am Montag im Bauausschuss.

Dem Willen des Gremiums entsprechend, arbeitete das Büro Holzer aus Wolfratshausen an einer Variante, die es jedem Grundstückseigentümer ermöglicht zu bauen, ohne die Rechte des Nachbarn zu berühren – insbesondere die verkehrliche Erschließung betreffend. „Autarkes Bauen“ haben es die Räte genannt. Bislang lassen die enge Bestandsbebauung und Grundstücksaufteilung dies nicht zu. Wirklich autark bauen könnten die Grundstückseigentümer nur in einer kleinteiligen Bebauung. Alternative, und dies ist die Empfehlung der Planer, ist eine geschlossene großförmige Bebauung entlang der Staatsstraße. Die Planer führen als Argumente den Straßenlärm und die städtebauliche Entwicklung im Innenbereich an. Eine kleinteilige oder offene Bebauung ziehe den Lärm zudem förmlich hinein in das Wohngebiet. Auch das Gewerbe bliebe auf der Strecke.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Zufahrten den Geh- und Radweg entlang der Luitpoldstraße bis auf Höhe des Camilla-Horn-Weges quasi alle 20 Meter unterbrechen würden, merkte Christiane Gruber (BGH) an. Diese befinden sich zum Teil im großen Kreuzungsbereich zur Mühlfelder Straße. Damit sind sie auch ein Dorn im Auge des Staatlichen Bauamtes.

Dagegen spricht auch der Bauwunsch wenigstens eines Eigentümers, nämlich dem des Kinogebäudes. Der Bauantrag liegt bereits vor – ein kleinteiliges Einzelvorhaben (wir berichteten). Und die Krux an der Alternativplanung ist, dass die großförmige Variante nur funktioniert, wenn alle mitmachen.

Das Kinogebäude liegt zum Beispiel in der Mitte eines der großen Gebäude, das sich die Architekten vorstellen könnten. Es macht also die Pläne einer gewünschten großformatigen Bebauung von Haus aus zunichte. Ein anderes bestehendes Gebäude ist gerade erst saniert worden, „da ist in den nächsten Jahren nicht mit einem Bauwunsch zu rechnen“, so Bürgermeister Christian Schiller.

Johannes Puntsch (FDP) stellte fest, dass das einzige, was die Pläne vorangetrieben hätte, die Tiefgaragenlösung sei. Diese wäre einzeln und zusammen machbar – auch in verschiedenen Bauphasen. Und sie ist die einzige Möglichkeit für alle, die erforderlichen Stellplätze nachweisen zu können.

Irgendwann stellte Planer Christian Holzer die entscheidende Frage: „Was will die Gemeinde eigentlich?“ Die Bebauung einem Bauvorhaben anpassen oder eine städtebauliche Zielplanung? Schiller seinerseits stellte die Frage, ob es überhaupt eines Bebauungsplans bedürfe oder die kleinteilige Bebauung nicht genauso gut nach der Umgebungsbebauung beurteilt werden könne. Noch dazu, da die „offene Bebauung“ unterm Strich auch weniger Baurecht zuließe. Möglicherweise würde die Gemeinde dadurch schadensersatzpflichtig, da die jüngste Änderung noch nicht alt genug sei.

„Wir müssen sowieso einige Dinge abklären“, fasste Schiller zusammen. Vor allem sind vier Fragen offen: Ist eine Variante mit einer möglichen alleinigen Grenzbebauung rechtlich durchzusetzen, so dass den Bauwerbern alle Möglichkeiten offen bleiben, müssen Mindestabstände eingehalten werden, droht die Gemeinde schadensersatzpflichtig zu werden, und wie ist das mit dem Lärm? Bevor der Bauausschuss weiter entscheiden will, soll deshalb ein Beratungsgespräch mit Planer und gemeindlicher Bauverwaltung im Landratsamt stattfinden. „Ortszentrum I“ geht damit in die nächste Runde.

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