Dr. Martin Hirte
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Niemand sonst – vielleicht noch Elisabeth Kreuz – verkörpert die Agenda 21 in Herrsching wie Martin Hirte (im Bild bei der Durchführung der Fairen Woche 2017). Am Samstag teilte er seinen Rücktritt mit.

Agenda 21 Herrsching

Überraschender Rückzug

Niemand zweifelt eine Sekunde daran, wenn Dr. Martin Hirte sagt, dass ihm die Entscheidung schwer fiel: Der langjährige Sprecher des Herrschinger Agenda-Arbeitskreises Eine Welt hat kurzfristig sein Amt abgelegt.

Herrsching – Auch Elisabeth Kreuz, von der er das Amt 2004 übernommen hatte, war überrascht. Erst vor kurzem saßen sie noch beieinander und sprachen über die Pläne zur nächsten Fairen Woche, die vom 11. bis 25. September stattfindet.

Die Lokale Agenda 21 ist in Herrsching seit 1997 ein Thema, 2001 trat die Ammerseegemeinde dem Klimaschutzbündnis bei. Nach dem Anschlag auf das World-Trade-Center im selben Jahr wurde Hirte zunächst Mitglied der Indienhilfe Herrsching, auf deren Initiative die Gründungen jeweils zurückzuführen sind. 2004 übernahm Hirte von Elisabeth Kreuz die Leitung des Arbeitskreises Eine Welt (damals noch Lebensstile) der Agenda 21. Kreuz ist auch Gründerin und Vorsitzende der Indienhilfe.

Bei der Bewerbung der Gemeinde Herrsching um den Titel Fairtrade-Town übernahm Hirte als Leiter der Steuerungsgruppe eine führende Rolle. Unter anderen ist es dem 66-Jährigen zu verdanken, dass lokale Unternehmen die Angebote an fair gehandelten Produkten erweiterten oder aufbauten. Herrsching wurde mit Hirte erste Fairtrade-Gemeinde in Oberbayern und damit im Landkreis. Zehn Jahre ist dies her.

2015, als der Flüchtlingsstrom einsetzte, unterstützte Hirte auch diese Hilfe. Unter dem Motto „Asyl ist Menschenrecht“ koordinierte er 2017 eine Themenwoche mit Lesungen, Filmen, Musik und einer umfassenden Ausstellung im Kurparkschlösschen.

Schon seit 2004 steckt der Kinderarzt viel Energie in die Reihe Agenda-Kino. Während Breitwand-Betreiber Matthias Helwig beratend zur Seite stand und die Filme beschaffte und Elisabeth Kreuz die Werbetrommel rührte, recherchierte Hirte zum jeweiligen Thema, bereitete die Einführung vor und hielt Ausschau nach namhaften Referenten. Nicht selten wurden diejenigen mit weiter Anreise freundlich im Hause Hirte untergebracht.

„Das war mit Corona vorbei“, bedauert Hirte. Ihm war schon der Abschied aus dem Breitwand Herrsching vor zwei Jahren nicht leicht gefallen. Nach der Schließung des Herrschinger Kinos, hatte der Herrschinger Arbeitskreis mit seiner Filmreihe nach Seefeld ausweichen müssen. Die beliebte Reihe konnte sich allen Befürchtungen zum Trotz auch dort etablieren. Bis März dieses Jahres. „Aktuell findet nichts statt. Wenn nur 20 Leute in den Saal dürfen, kann man das keinem Referenten zumuten“, findet Hirte. Auch die Planung sei unattraktiv und uninteressant geworden.

„Ich habe es mir lange überlegt“, versichert Hirte im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Dass er sein Amt als Sprecher von Agenda-Arbeitskreis und Steuerungsgruppe abgibt, habe allein private, persönliche Gründe. Hirte wohnt in Herrsching. Seit 30 Jahren hat er eine Kinderarzt-Praxis in München. Ganz offen gibt er zu, dass ihn das Thema Corona sehr in Anspruch nimmt. Als Kinderarzt im Allgemeinen genauso wie im Besonderen und als Verfechter freiheitlicher Rechte sowieso. Seit es in München Demonstrationen gegen die Maskenpflicht gibt, ist Hirte dabei. Als Redner ist er auch am nächsten Samstag bei der Freiheitsversammlung auf dem Max-Joseph-Platz in München vorgesehen. Nicht vergleichbar mit Berlin, versichert er, „da findet in diese Richtung nichts statt“. Darum beteiligt er sich auch weiter an den Demonstrationen dort. Extrem kurz gefasst sagt Hirte, der da: „Die Pandemiepolitik widerspricht all dem, für das ich mit der Agenda 21 gekämpft habe.“

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