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Der neue Herrschinger Maibaum wird in einem Zelt am Rathaus gut bewacht. Von Donnerstag auf Freitag von Gert Müller (l.) und Helmut Hagn. Gleich rechts daneben liegt noch das Diebesgut aus Machtlfing.

Maibaum-Diebstahl

Das begehrteste Fahnenstangerl der Region

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Herrsching/Machtlfing/Steinebach - Gäbe es Gert Müller und Helmut Hagn nicht, dann wäre das Maibaum-Fahnenstangerl der Machtlfinger Burschen am Freitag ein zweites Mal auf Reisen gegangen.

Nicht hundertprozentig bestätigten Berichten zufolge nach Steinebach. Die zehn Burschen aber, wo immer sie auch herkamen, „aus Weilheim“ vermuten die Steinebacher, wurden in die Flucht geschlagen. Sie hatten sich in den frühen Morgenstunden gegen 4.30 Uhr den Spaß erlauben wollen, den Herrschingern ihr Diebesgut zu klauen. Auch wenn das Zelt unbeleuchtet war, gab es da die beiden Herrschinger Maibaumwachen – und diese machten eine guten Job.

Helmut Hagn (78) ist bei Maibaumwachen in Herrsching eine feste Größe. Eine, auf die der Kopf der D’Herrschinger, Ludwig Darchinger senior, zählen kann. „Aber eigentlich nur tagsüber“, sagt der rüstige Rentner. Es war eher Zufall und auch nur einmalig, dass er die Nachtwache von Donnerstag auf Freitag übernahm. Für Gert Müller (72) war es sogar eine Premiere, zu der er von Darchinger überredet worden war. Diesmal galt es aber nicht nur die eigene, 2400 Kilogramm schwere und 39,10 Meter lange Fichte zu bewachen, sondern auch den 16,90 Meter langen Maibaum der Machtlfinger Burschen. Den hatte eine Gruppe junger Männer aus Herrsching und Umgebung erfolgreich stibitzt (wir berichteten). 

Die Diskussion darüber, ob es nun der Maibaum der Machtlfinger Burschen ist oder doch nur ein Fahnenstangerl, wie die Burschen sagen, sorgte für viel Aufregung. So viel, dass sich etwa zehn Burschen zusammentaten, um es den Herrschingern gleichzutun. So viele Burschen haben die beiden Wachen jedenfalls in den frühen Morgenstunden am Freitag davonrennen sehen. Hagn war gerade eingenickt. „Mei, ich bin um 4 Uhr nochmal raus aus dem Zelt und hab mich dann in den Stuhl gehockt. Da bin ich kurz eingenickt, bis ich etwas gehört hab’.“ 

„Wie Hasn san die neigschlicha“

Das war gegen 4.30 Uhr. Als er aufblickte, sah er die jungen Männer. „Wie Hasn san die neigschlicha“. Es war klar, dass sie es auf den kleinen Baum abgesehen hatten, „den großen hätten sie zu zehnt keine zwei Zentimeter anheben können“, versichert Müller. In dem Moment, als sie den kleinen Stamm dann heben wollten, machte sich Hagn in dem unbeleuchteten Zelt bemerkbar: „Freunde, der bleibt do.“ Mehr musste er nicht sagen. Die Wachen hörten ein leises Fluchen und sahen dann nur noch Fersen. 

Müller, der versuchte, den Burschen hinterher zu laufen, sah nur, wie die Gruppe zu Autos und einem Anhänger rannten, die Richtung Gewerbegebiet geparkt waren. Mehr konnte er nicht sehen, „es war ja noch dunkel“. Müller war sich in der ersten Reaktion sicher, dass das die Machtlfinger Burschen gewesen sein mussten. Für ihn stand fest, dass nur sie wussten, dass der Baum überhaupt geklaut wurde. Das der Maibaumdiebstahl schon seit Donnerstagnachmittag im Internet nachzulesen war, wusste der 72-Jährige nicht.

Er wusste auch nicht, dass sich die Machtlfinger und Herrschinger schon einig waren. Am Sonntag wird das Stangerl ausgelöst. Es gibt fünf Kästen Bier, Würstl und Brezn und dann kehrt das Stangerl an seinen Platz zurück. Als Maibaum soll er am 1. Mai aufgestellt werden. Aber das ist er dem Machtlfinger Oberburschen zufolge ja nur der Gaudi wegen, „weil’s Spaß macht“. Denn eigentlich sei es nur eine als Maibaum herausgeputze Fahnenstange. Und damit beginnt die Frage der Definition: Was ist ein Maibaum, kann es nur einen geben?

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