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Großes Interesse: Etwa 60 Bürger kam en zur Informationsveranstaltung zum Grundstück an der Mühlfelder Straße, das mit dem giftigen PCB belastet ist. 

Großer Andrang bei Infoveranstaltung

Verseuchtes Grundstück in Herrsching: Ziehen Nachbarn in Ferienwohnungen?

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Mitten in Herrsching wird ein verseuchtes Grundstück saniert. Der größte Entsorgungsfall im Landkreis erzeugt Unmut bei den Nachbarn: Manche von ihnen könnten vorübergehend in  Ferienwohnungen ziehen.

Herrsching– Es wird laut. Aber wir tun alles, damit die sechsmonatige Baustelle für Sie erträglich wird: Das war die Botschaft, die gut 60 Interessierte gestern Nachmittag im Herrschinger Gemeindesaal zu hören bekamen. Sie waren gekommen, um sich über den bislang größten Entsorgungsfall im Landkreis zu informieren. Viele von ihnen sind als Nachbarn direkt betroffen – und einigen gefiel es gar nicht, was die Vertreter des Oberstdorfer Bauunternehmens Geiger und des Landratsamts erläuterten.

Im Fokus stand das 3500 Quadratmeter große Grundstück an der Mühlfelder Straße, das an mehreren Stellen mit PCB belastet ist – jener giftigen Verbindung, die Chlorakne, Haarausfall sowie Schädigungen an Leber und Immunsystem auslösen kann. Sie wurde deswegen 1989 verboten. Bis 1994 hatte die Süddeutsche Kondensatorenbau ihren Standort zwischen der Mühlfelder und der Dillizerstraße. 40 Jahre lang wurden dort Kondensatoren, überwiegend für den Bergbau, hergestellt. Bis 1982 auch unter Einsatz von PCB. Dem Elektro-Hersteller Ultratronik, der danach bis 2012 in dem Gebäude produzierte, waren die Altlasten nicht bekannt. Sie wurden erst danach vom Landratsamt festgestellt.

In der Behörde arbeitete man jahrelang auf jene Lösung hin, die nun in Herrsching präsentiert wurde. Die Unternehmensgruppe Geiger wird zunächst das in Teilen verseuchte Grundstück reinigen und im Anschluss drei Häuser mit insgesamt 50 Wohnungen bauen. Ohne das Zugeständnis namens Baurecht geht es aus Gemeindesicht nicht, denn die Kosten für die Sanierung der Fläche liegen in Millionenhöhe.

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Projektleiterin Sabine Wicke erklärte den Herrschingern detailliert, wie die Arbeiten ablaufen: 8000 Kubikmeter Boden werden ausgehoben, 9000 Kubikmeter Grundwasser abgepumpt und gereinigt. Davor wird das Gebäude entkernt und abgerissen. Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. Im Vorfeld untersuchten unabhängige Sachverständige den Untergrund mithilfe von 70 Bohrungen. Es wurde klar, dass auch zwei Nachbargrundstücke vom PCB betroffen sind.

Mehrere Anwohner äußerten ihren Unmut – wegen der neuen, viergeschossigen Häuser, der Erschütterungen durch die Bohrungen oder auch der rangierenden 20 Lastwagen am Tag. Julia Andersen, Umweltjuristin am Landratsamt, versuchte zu besänftigen. „Die Altlasten müssen raus. Es wird nicht lauter als bei einer normalen Baustelle.“

Bemerkenswert: 105 Anwohner, für die es einer Lärmanalyse nach besonders laut werden kann, erhalten alle zwei Wochen einen Newsletter zu den Vorgängen auf der Baustelle. Manchen hat Geiger nach Auflagen des Landratsamts angeboten, zwischenzeitlich in Ferienwohnungen unterzukommen. „Wir wohnen direkt gegenüber, gehen aber leer aus“, ärgerte sich ein Bewohner der Mühlfelder Straße. Wicke erklärte, dass nur Nachbarn die laut Analyse mit mehr als 70 Dezibel belastet werden, besagte Angebote bekommen. Man habe allerdings die Arbeitszeiten auf 8 bis 17 Uhr begrenzt. „Lächerlich“, fand der Mann.

Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung gab es noch Redebedarf. Manche Herrschinger vereinbarten persönliche Termine mit der Firma.

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