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Missverständlich: Die kleinen Pflanztröge sollen verhindern, dass die zu groß eingezeichneten Übergangsbereiche als Parkplatz missbraucht werden. 

Verkehr

Verunglückte Fußgängerfurt in Herrsching

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Markierungen und Tröge sorgen an der Seestraße in Herrsching für Unverständnis. Niemand hält sich an neue Rechts-vor-Links-Regel.

Herrsching – Es sieht aus wie ein Parkplatz, es ist aber keiner. Ganz im Gegenteil. Vor der Fischerei Schlamp an der Seestraße in Herrsching gilt absolutes Halteverbot. Sehr zum Ärger der Gewerbetreibenden, aber so sieht es das Verkehrskonzept vor. Die neue Parkplatzanordnung auf See- und Summerstraße, die neue Vorfahrtsregelung auf der Seestraße und dieses Halteverbot gehören dazu – und sie sorgen für Unverständnis.

„Die rauschen durch die Seestraße durch, dass es eigentlich schon längst gekracht haben müsste“, meint Christina Reich, Dritte Bürgermeisterin in Herrsching. Sie hat sich am sonnigen Ostermontag in ein Straßencafé gesetzt und sich das Ganze von Nahem angeschaut. „Das war nicht lustig“, was sie an diesem Tag beobachtete. Dazu muss man sagen, dass es ein besonderer Tag war: Feiertag, Ostern, Strandmarkt, Sonnenschein, Beginn der Dampfschifffahrtssaison und zu allem Übel auch noch der aktuelle Schienenersatzverkehr fielen an diesem Tag zusammen. Ein ruhiges Plätzchen war in Herrsching so gesehen ohnehin nicht zu finden. Sogar die Hechendorfer Straße war bis zum Ortsausgang Richtung Hechendorf so zugeparkt, dass die Ersatz-Busse, die diesen Weg zurzeit nehmen, kaum mehr durchkamen. „Abartig“, sagt Christina Reich. „Es wird immer mehr“, findet auch Bürgermeister Christian Schiller. Dabei sind alle um eine Besserung durch das neue Verkehrskonzept bemüht.

Die neue Rechts- vor Linksregel auf der Seestraße wird von den Wenigsten beachtet, bedauert Schiller. Sie gilt an allen auf die Seestraße einmündenden Straßeneinfahrten. „Insgesamt sind es drei“, so Schiller. Seit gestern stehen auch die ersten großen, eineinhalb Quadratmeter großen Baumtröge auf der Seestraße in Herrsching, die noch in dieser Woche bepflanzt werden sollen. Sie sind vom Aussehen den Trögen angeglichen, die der Obst- und Gartenbauverein jedes Jahr bepflanzt. Allerdings sind die Baumtröge fast doppelt so groß. Die Bäume sollen den Straßenraum optisch verengen und zum Langsamfahren anhalten. Zunächst als Versuch. Momentan aber werde durch die neue Parkplatzanordnung auf nur einer Straßenseite regelrecht durch die Seestraße gerast, hat Christina Reich beobachtet. Sie hatte gegen diese Art verkehrsberuhigender Maßnahmen an der Geschäftsstraße gestimmt und fühlt sich bestätigt.

Nicht glücklich sind auch die Ladenbesitzer an der Einmündung zur Straße Zum Landungssteg. Ihnen wurden mit der Neuordnung der Parkplätze die Stellflächen vorm Geschäft genommen. Stattdessen wurde vor ihren Türen eine so genannte Fußgängerfurt markiert, die allerdings zu breit aufgetragen wurde, so dass man glauben konnte, es sei ein Parkplatz. Wer achtet dann noch auf Verbotsschilder? Um solchen Missverständnissen vorzubeugen, stehen dort nun Pflanztröge. Nicht die eineinhalb Quadratmeter großen, sondern die etwa halb so großen, die von den Freizeitgärtnern bepflanzt werden und von denen es im Ortsgebiet insgesamt 26 gibt.

„Wenn sie die Tröge nun auch noch mit kleinen Bäumchen bepflanzen, sieht man von meinem Laden bald gar nichts mehr“, meint Victoria Wesselmann von der Fischerei Schlamp. Seit elf Jahren hat sie das Geschäft an dieser Stelle. Dass niemand die Halteverbotsschilder beachtet hat, wundert sie nicht: „Es sind mittlerweile so viele Schilder an dieser Ecke, dass sich niemand mehr auskennt.“ Auch sie hat festgestellt, dass seit der Neuordnung der Parkplätze auf der Seestraße schneller gefahren wird. Als noch links und rechts geparkt wurde, habe man gar nicht so schnell fahren können. „Ich kenne niemanden, außer denen, die dies entschieden haben, die diese Verkehrslösung für gelungen halten.“ Von Umsatzeinbußen spürt sie zwar noch nichts, „aber das stellt sich am Ende des Jahres heraus“.

„Beim Einzeichnen der Furt stimmte das Maß nicht“, weiß Schiller. Er gesteht, dass der Übergang schmaler sein müsste, und erklärt, dass die kleinen Pflanztröge diesen Übergang besser kenntlich machen sollen. Die Platzierung sei deswegen kein Versehen, sondern Absicht. Wären die Parkflächen vor den drei Läden beibehalten worden, wären die Busse nicht mehr um die Kurve gekommen, so Schiller. Er verweist zugleich auf die Halteverbotsschilder, „die ja wohl eindeutig sind“.

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