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Die Trompete immer griffbereit: Wirt Peter Reichert mit Tochter Veronika im Zelt „Zur Schönheitskönigin“. 

Wiesnstart

Das Volkssängerzelt

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Peter Reichert vom Seehof Herrsching setzt in seinem Zelt „Zur Schönheitskönigin“ auf der Oidn Wiesn ganz auf regionale Produkte.

Herrsching – Die Reicherts haben es wieder geschafft. Zum zweiten Mal nach 2011 betreibt das Wirtepaar Gerda und Peter Reichert (50) vom Seehof in Herrsching ein Zelt auf der Oidn Wiesn. Kleiner diesmal, dafür traditioneller und „gmüatlicher“, betont Peter Reichert in kraftvollem Bariton. Seine Stimme ist nicht zu überhören. Und beim Aufbau seines Volkssängerzeltes „Zur Schönheitskönigin“ gab es viel zu reden und zu besprechen.

Jeder wollte etwas von ihm wissen – Anlieferer, Sicherheitsdienst, Aufbauer, Organisation. „Ich kenn’ jede Schraube“, versichert der Wirt, dessen Zelt diesmal für 690 Menschen drinnen und noch mal 200 auf der Terrasse Platz hat. „Ganz anders als beim ersten Mal.“ Originaler. Und sehr musikalisch. „Fetzig“, sagt Reichert, der selbst bekannter Volksmusikant ist.

„Es gibt fast keinen Musikanten, der mich nicht kennt oder den ich nicht kenne.“ Fast alle waren schon im Seehof, und viele werden bei ihm auf der Wiesn aufspielen – Hans Benkert oder Heinz Süß aus Hechendorf zum Beispiel. Reicherts Capri-Fischer-Trompete liegt griffbereit. Die Trompete, mit der er bei schönen Sonnenuntergängen seinen Gästen auf dem Dampfersteg Rudi Schurickes Klassiker bläst. Schuricke war Herrschinger, muss man wissen.

„Im Zelt haben die Capri-Fischer aber natürlich nichts zu suchen“, sagt Reichert. Dort werden die alten Noten aus dem frühen 20. Jahrhundert fetzig aufbereitet. Reichert selbst wird sich höchstens zum Frühschoppen unter die Musikanten mischen können. Als Wirt mit 70 Leuten Personal auf der Oidn Wiesn bleibt ihm für sein liebstes Hobby nicht viel Zeit.

Im Mittelpunkt stehen junge Musikanten, „die die alte bayerische Musik mit Feuer aufspielen“. Beim Nachwuchswettbewerb „Jetzt sing i“ sucht er zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk die besten Interpreten. Die künstlerische Leitung hat Obervolkssänger Jürgen Kirner von der Couplet AG. Die Reicherts überzeugten mit diesem kulinarisch-musikalischen Konzept. „Wie in Alt-München“ – so soll’s sein. Das Zelt, die Bedienung und die Musik. „Ein Wirtshaussaal wie vor 100 Jahren“, verspricht Reichert. Für die Fenster und Wanddekorationen hat Tochter Veronika (21) gesorgt.

Seit 14. August waren die Reicherts jeden Tag auf der Theresienwiese, damit ab dem „Ozapft is“ alles wie am Schnürchen läuft. Dafür ist auch Chefkoch Mirco Franz aus dem Seehof erforderlich. Er soll am ersten Wochenende dafür sorgen, dass alles so schmeckt, wie Reicherts sich das vorstellen. Sie haben sich für ihre Speisekarte unter anderem eine Leibspeise von König Ludwig II. ausgesucht, das „Hechtenkraut“.

„Sauerkraut mit Hecht, Rahm und Ei. A ganz a tolle Kombination“, findet Peter Reichert. Der Hecht dazu kommt täglich frisch von der Fischerei Rauch aus Dießen. Auch Zander und Renken stehen auf der Karte, die Starnberger-See-Renke liefert die Fischerei Just aus Allmannshausen. Mirco Franz spielt das Küchenteam ein, dann geht der Seehof-Betriebsleiter zurück in seine Küche an der Ammerseepromenade.

Bleiben wird Dr. Ralf Wels aus Erling. „Er ist zuständig für die Hygiene“, sagt der Wirt. Ebenso Reicherts rechte Hand im Seehof, Julia Ruhdorfer aus dem Herrschinger Weiler Rausch – „die macht bei mir die Verwaltung“. Ganz wichtig ist ihm während der Wiesn die Massagepraxis Sauer im Gewerbegebiet in Herrsching. „Die ist verantwortlich für das Kreuz vom Wirt“, sagt er und muss laut lachen.

Regionalität ist ein großes Anliegen der Reicherts bei ihrem zweiten Wiesn-Auftritt. Diesmal sind ihnen sogar die nächsten drei Jahre Wiesn zugesichert. Das freut den Wirt diebisch, der mit seiner Familie in Hechendorf wohnt. Eine große Hilfe ist ihm sein bester Spezl, Malermeister Ludwig Darchinger aus Herrsching. „Viel zu malen gab es nicht, aber der Ludwig hat mit seinen Burschen von D’Herrschinger schon viel angepackt“, freut sich Peter Reichert, während seine Tochter ihn fragt, ob es reicht, die alten Bilder an die Wand zu lehnen oder besser festzunageln. Der 50-Jährige ist stolz, dass die Jüngste mit anpackt. Ausgerechnet wenn’s los geht, beginnt ihr Studium. Aber vorbei schauen wird sie oiwei, „na klar“. Genau wie ihre Schwester Franziska (25).

Wiesn-Zeit ist eine aufregende Zeit. Reicherts Spezln hatten sich zunächst gefreut, dass sie am letzten Wiesn-Tag, nachdem alle geholfen und aufgespielt haben, „auch ma gescheit zsamm saufa“. Reichert, der wirklich gerne und ausgiebig feiern kann, muss abwinken: „Naaa, weil am nächsten Tag müss ma ja scho wieder abbauen.“ Er wird es beim einen oder anderen Musikantenstammtisch im Seehof nachholen können. 

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